Schwerin : Schönheitskur für die Götter

Arbeiten auf der Staatskanzlei: Die Fachleute sind durch Gerüste gesichert.
Arbeiten auf der Staatskanzlei: Die Fachleute sind durch Gerüste gesichert.

Bauen im Welterbe-Areal: Statuen auf der Staatskanzlei werden restauriert / Neue Farbgestaltung stößt bei Lesern auf wenig Gegenliebe

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05. August 2015, 08:00 Uhr

Arbeiten in luftiger Höhe auf der Staatskanzlei ziehen zurzeit die Blicke auf sich. Aktuell sind die Statuen zwar verhüllt, aber wussten Sie, wer dort thront? Die griechischen Götter Hermes, Poseidon, Zeus, Demeter schauen von oben auf Schwerin. Die Statuen werden jetzt gemeinsam mit der gesamten Fassade saniert – denkmal- und welterbegerecht. Außerdem wird der bauliche Brandschutz des Gebäudes verbessert wird. 3,7 Millionen Euro kostet das alles insgesamt, bis Ende des Jahren sollen die Arbeiten fertig sein.

Die vier Götter verschlingen nur einen Bruchteil der Summe. Etwa 60 000 Euro sind für ihre Restaurierung veranschlagt. „In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege werden die Statuen vorbereitend gereinigt, in einem speziellen Verfahren entsalzt, konstruktiv gesichert, gegebenenfalls vorhandene Fehlstellen und Risse ausgebessert und abschließend mit einem Schutzanstrich versehen“, erklärt Christian Hoffmann vom zuständigen Betrieb für Bau und Liegenschaften. „Die vorbereitende Reinigung der Statuen hat in der vergangenen Woche begonnen. Das Ende der Arbeiten hängt maßgeblich von der Entsalzung ab.“ Die Statuen werden übrigens nicht abgenommen, sondern von Fachfirmen vor Ort restauriert. „Mit dem vorgehaltenen Baugerüst haben wir die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, dass in luftiger Höhe sicher gearbeitet werden kann“, betont Hoffmann.

Während die Schweriner staunen, wenn es um die Arbeiten auf dem Dach geht, erregt der neue graue Anstrich der Staatskanzlei die Gemüter. Zur Erinnerung: Hermann Willebrand hatte das Gebäude nach dem Großbrand von 1865 neu aufgebaut – und für außen den jetzt wiederkehrenden dunkleren Farbton gewählt.

„Trägt Schwerin demnächst den Titel: die graue Stadt am See? Wenn Grau die vorgeschrieben historische Farbe ist, warum wurden dann die anderen Gebäude wie Theater, Museum und Schloss nicht auch so gestrichen? Oder erwartet uns da auch noch ein Grauanstrich?“, fragt Ute Moldenhauer aus Schwerin.

„Ich würde die Staatskanzlei gerne in mattem Mittelgrün sehen, ansonsten wie Schloss, Museum und Theater im Beige-Farbton. Das bildet ja ein Ensemble. Aber Grün ist die Farbe der Hoffnung“, schreibt Sigrid Bremelt aus Rugensee.

„Ich denke, ein kräftiges Schweinchen-Rosa wäre gut, denn wenn die Entwicklung so weitergeht, gibt es in MV bald mehr Mastschweine als Menschen“, schreibt Alf Hutzelmann aus Schwerin. „Auch ein verwaschenes Beton-Grau würde es tun. Das könnte die fortschreitende Vergreisung der Bevölkerung im Lande symbolisieren.“

Der Malermeister und Ingenieur Siegfried Frenz aus Schwerin erläutert: „Das Gebäude sollte zur Gesamtheit des Ensembles vor Ort passen, doch deshalb müssen nicht alle umliegenden Gebäude farblich gleich aussehen. Weltkulturerbe und Denkmalpflege in Ehren. Wenn das Gebäude mal kanonengrau war, sollte man es heute als Andenken wahren. Die Farbgebung des Gebäudes sollte dem ästhetischen Zweck entsprechen und sich angenehm ins Bau-Ensemble einordnen. Bedingung dabei ist der Pilz- und Schimmelschutz der Fassadenfarbe. Die Farbgebung in Grau und Weiß entspricht keiner brauchbaren Variante“, so Siegfried Frenz.

Dr. Hans Bomke ist anderer Meinung: „Der Denkmalschutz hat Vorrang und die neue Nutzungsfunktion als Staatskanzlei ist kein Grund für eine Änderung der Farbgebung. Funktion und Farbe der Außenfassade sind hier vereinbar.“

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