Weltkulturerbe Schwerin : Schöner Wohnen vor 150 Jahren

Schöner Blick aufs Schloss, schöner Anblick vom Schloss:  Der Großherzog stellte das Land zur Verfügung, ein Unternehmerkonsortium baute die prächtige Villen in den 1860er-Jahren und verkaufte sie dann an Adelige und Besserverdienende.
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Schöner Blick aufs Schloss, schöner Anblick vom Schloss: Der Großherzog stellte das Land zur Verfügung, ein Unternehmerkonsortium baute die prächtige Villen in den 1860er-Jahren und verkaufte sie dann an Adelige und Besserverdienende. Fotos: Klawitter

SVZ stellt in einer neuen Serie die einzelnen Teile des Schweriner Residenzensembles vor - Teil 5: Villen an der Werderstraße

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21. März 2016, 12:00 Uhr

Wohnen mit Schloss- und Seeblick – das ließen sich schon vor 150 Jahren die Schweriner etwas kosten. Und schon vor 150 Jahren waren es findige Bauunternehmer, die ausgesprochen repräsentative Wohnhäuser erstellten und sie anschließend an ausgesprochen wohlhabende Kunden verkauften. Die Villen in der Werderstraße 125 bis 141 sind dafür ein perfektes Beispiel – und ein schützenswertes. Denn sie gehören zum Residenzensemble Schwerin und damit zum Unesco-Weltkulturerbe-Antrag.

Die zündende Idee und auch die Anschubfinanzierung kamen vom Großherzog Friedrich Franz II. im Jahre 1858. Er stellte den Baugrund kostenlos zur Verfügung. Ganz ohne Hintergedanken war das natürlich nicht. Schließlich ging der Blick aus den Zimmern von Großherzog und Großherzogin genau in diese Richtung. Auch für die eigene gute Aussicht wurde hier Land gestiftet.

In einem Areal, in dem es bislang kleine Gärten und Hinterhöfe gab, wurde nun erst einmal eine ansehnliche Uferpromenade geschaffen, durch die die Kutschen vom Marstall schneller zum Schloss kommen konnten. Zu Ehren der Großherzogin Anna wurde sie „Annastraße“ getauft und 1862 eröffnet. Kurz darauf begann die Bebauung. Maurermeister Ferdinand Schultz und Hofzimmermeister Christian Lemcke errichteten die Häuser bis 1866. Erhalten gebliebene Fassadenentwürfe aus der hand von Hofbaumeister Hermann Willebrand deuten darauf hin, dass der Großherzog und sein Architekt mitplanten oder gestalterische Vorgaben machten.

„Die malerisch gestalteten Fassaden der weiten Gebäudereihe zeigen Stilelemente der Neurenaissance, die sich deutlich an der Formensprache des eben fertiggestellten Residenzschlosses orientieren“, schreibt Kunsthistoriker Dr. Christian Ottersbach in seinem Gutachten. Runde Giebelaufsätze, Türme, Pilaster und Rundbogenfenster nennt er als Beispiele. „Solche Motive hat Willebrand mehrfach verwendet, unter anderem 1865 beim Bau von Schloss Klein Trebbow“, betont Ottersbach.

Die ersten Bewohner der eleganten, recht einheitlich ausgestatteten , waren gut situierte Bürger oder Adelige, die am Hof oder im Staatsdienst arbeiteten. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden auf dem Hof Gebäude für Kutschen und Ställe für Pferde errichtet oder nachträglich prächtige Wintergärten gebaut.

Bis heute sind im Innern einiger Villen noch Originalausstattungen aus den 1860er-Jahren erhalten wie Türen und Täfelungen mit der typischen Holzimitations-Malerei.

Vor wenigen Jahren hat Architektin Antje Forejt die Werderstraße 135 saniert. Das Haus hatte etliche Jahre leergestanden und dabei Schäden vor allem an den Deckenbalken und dem gusseisernen Wintergarten davongetragen. Auch die Gipsstuck-Schicht, die zum Bauernkongress 1987 auf die Außenhaut gebracht wurde, habe dem Haus nicht unbedingt gut getan. Wasser hatte sich dahinter gesammelt, die Fassade musste jetzt komplett erneuert werden.

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