Ehrenamtliche Helfer : „Schön, dass es euch gibt“

Gehören zum Team der Ehrenamtlichen in der Bahnhofsmission: Sabrina Lüdmann und Denis Teßmann.
Gehören zum Team der Ehrenamtlichen in der Bahnhofsmission: Sabrina Lüdmann und Denis Teßmann.

Zwischen Alltäglichem und Extremen: Schweriner Bahnhofsmission kümmert sich um Reisende, Einsame und Obdachlose

svz.de von
15. November 2014, 16:00 Uhr

11.51 Uhr. Auf Gleis 2 rollt der Regionalexpress von Hamburg nach Rostock im Schweriner Hauptbahnhof ein. Sabrina Lüdmann und Denis Teßmann stehen auf dem Bahnsteig, bieten ihre Hilfe an. Doch die Reisenden haben es eilig an diesem nasskalten Tag, helfen sich selbst, hasten an den beiden Mitarbeitern der Bahnhofsmission vorbei. Lüdmann und Teßmann drängen sich nicht auf. Sie warten auf den nächsten Zug – und sie wissen: Ihre Arbeit wird gebraucht.

Da ist der ältere Herr, der fast jeden Tag auf einen Kaffee und ein offenes Ohr in die Mission im Bahnhofstunnel kommt, immer mit neuen Ideen, oder der Mann, der sich in der Bahnhofstoilette eingeschlossen hat, um sich die Fußnägel zu lackieren. „Manchmal muss man schmunzeln, noch öfter aber schlucken“, sagt Sabrina Lüdmann. Das Leben in seiner ganzen Vielschichtigkeit zeigt sich ihr und ihren Missionskollegen: Ein Rentner braucht ein Glas Wasser für seine Tabletten, eine Mutti möchte ihr Kind wickeln, jemand hat sich die Lippe aufgerissen, benötigt ein Pflaster, der Koffer eines Reisenden ist kaputt, muss geflickt werden. Alltägliches mischt sich mit Extremen – mit einer Situation wie dieser: „Ein junger Mann hatte sich vor dem Reisezentrum niedergelassen, droht mit einem Suizid“, erzählt Lüdmann. Die 34-Jährige reagierte beherzt, nahm den Mann mit in die Bahnhofsmission, beruhigte ihn, bis der Rettungsdienst eintraf, musste anschließend selbst beruhigt werden.

Seit Anfang September gibt es die Bahnhofsmission im Schweriner Hauptbahnhof, die alte Mission war in den 1950er-Jahren von der Staatsmacht geschlossen worden. 25 Ehrenamtliche halten den Betrieb im Schichtsystem am Laufen. Geöffnet ist normalerweise montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Marcus Wergin von der Sozialdiakonischen Arbeit – Evangelische Jugend, dem Träger der Mission, hat die Fäden in der Hand: „Der Hilfebedarf ist größer als wir erwartet haben“, berichtet er. Unter der Telefonummer 0385-20 88 88 97 könnten sich durchaus noch Leute melden, die in der Mission mitarbeiten wollen.

Sabrina Lüdmann bringt bereits Erfahrungen aus einer Bahnhofsmission in einer anderen Stadt mit. „Es macht mir Spaß zu helfen, für andere Menschen da zu sein“, erklärt die 34-Jährige. Auch Denis Teßmann bekennt sich zur guten Tat. „Es gibt in Schwerin nur wenig Hilfe, gerade für Obdachlose“, sagt der 31-Jährige. Auf jeden Fall wolle er der Bahnhofsmission treu bleiben, auch wenn er jetzt einen festen Job in Aussicht habe. Der Satz „Schön, dass es Euch gibt“ ist für Lüdmann und Teßmann die größte Belohnung.

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