Kinderbetreuung in Schwerin : Schnelle Hilfe für Tagesmütter

In Schwerin kümmern sich 60 Tagesmütter um etwa 250 Jungen und Mädchen. Insgesamt werden in der Landeshauptstadt rund 6000 Kinder betreut.
In Schwerin kümmern sich 60 Tagesmütter um etwa 250 Jungen und Mädchen. Insgesamt werden in der Landeshauptstadt rund 6000 Kinder betreut.

Mehr Beratung als Kontrolle: Stadtverwaltung richtet Stelle eines Fachberaters ein

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23. Januar 2018, 05:00 Uhr

Über lange Jahre wurden Tagesmütter in Schwerin eher stiefmütterlich behandelt: Erst gab es Krippe, Kindergarten und Hort, dann eine Weile nichts und dann kamen irgendwann die Tagesmütter. Das war in finanzieller und fachlicher Unterstützung so, oftmals auch in der Wertschätzung. Motto: In den Kitas arbeiten die ausgebildeten Fachkräfte, um als Tagesmutter arbeiten zu können, braucht es keine sonderliche Qualifikation.

„Alles Unsinn“, sagt Sozialdezernent Andreas Ruhl. „Die Tagespflegepersonen sind in Schwerin ein unverzichtbarer Bestandteil der Kinder-Betreuung.“ Seine Fachdienstleiterin Manuela Gabriel ergänzt: „Ohne die rund 60 Tagespflegepersonen, die in Schwerin etwa 250 Mädchen und Jungen betreuen, könnten wir das Angebot gar nicht aufrecht erhalten.“

Für den Gesetzgeber ist es ohnehin klar: „Ob ein Kind in der Kita oder bei einer Tagesmutter beziehungsweise einem Tagesvater betreut wird, sollte für die Qualität seiner Betreuung keine Rolle spielen. Denn seit dem Jahr 2005 ist die Kindertagespflege gegenüber der Betreuung in Kindertageseinrichtungen im Sozialgesetzbuch VIII gleichgestellt“, heißt es.

Und inzwischen gehen auch Verwaltungen neue Wege, den Tagesmüttern die Arbeit zu erleichtern. Bislang kamen Behörden immer dann ins Spiel, wen es um die Genehmigung der Arbeit ging. „Die Pflegeerlaubnis für Kindertagespflegepersonen wird für fünf Jahre erteilt. Danach erfolgt eine erneute Prüfung der persönlichen Eignung der Tagespflegeperson und Tagespflegestelle. Innerhalb dieses Zeitraumes erfolgt eine punktuelle Prüfung“, erklärt Manuela Gabriel. Jetzt geht Schwerin weiter. Die Stadt hat im vergangenen Jahr Investitionskostenzuschüsse an Tagesmütter für deren Tagespflegestellen, finanziert aus den freigewordenen Betreuungsgeldern, von mehr als 20 000 Euro ausgereicht. Zudem wurde eine Schweriner Tagesmutter aus dem Landesprogramm zum Ausbau von Kindertagesstätten und Kindertagespflege gefördert (SVZ berichtete).

Darüber hinaus bekommen Tagesmütter im Amt einen direkten Ansprechpartner für schnelle Hilfe. „Auch wenn es alles andere als einfach war, die Ausschreibung der Stelle vom Innenministerum genehmigt zu bekommen“, berichtet Dezernent Ruhl. „Aber uns war dieser qualifizierte Fachberater wichtig. Es geht um mehr Beratung, nicht um mehr Kontrolle.“

Auf Landesebene hatte Sozialministerin Stefanie Drese dauerhaft eine Verbesserung der Qualität in der Kindertagespflege angekündigt und im vergangenen Jahr eine Reihe von Regionalkonferenzen vor Ort initiiert. Im Herbst gab es den Auftakt in Schwerin. Und es gab erste Ergebnisse: So plant das Land nach Angaben von Ministerin Drese eine Ausweitung der Aus-, Fort- und Weiterbildung für Kindertagespflegepersonen. „Alle Tagespflegepersonen, die bereits die 160 Stunden Grundqualifizierung erfolgreich abgeschlossen haben, können in den nächsten beiden Jahren kostenfrei eine 140-stündige Anschlussqualifizierung absolvieren“, verdeutlichte Drese.

Nach Angaben von Heiko Becker vom Bundesverband für Kindetagespflege ist Mecklenburg-Vorpommern vorbildlich bei der Unterstützung der Kindertagespflege. So unterstützt das Land als erstes Bundesland überhaupt die Kommunen bei der Einführung von flächendeckenden Vertretungsmodellen und der 300-Stunden-Qualifizierung nach dem „Kompetenzorientierten Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege“. Davon profitiert auch Schwerin: Die Qualifizierung der Tagesmütter, die die Stadt aus der „Herdprämie“ finanziert, erfolgt mit einem Weiterbildungsträger genau nach diesem „Kompetenzorientieren Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege“ des Deutschen Jugendinstituts.

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