Motorenlärm auf Goldenstädter Piste : Schnell, laut und schön dreckig

Meterweit flog die Erde über die Rennstrecke. Denn die Fahrer haben ihre Stockcars ordentlich über die Bahn gescheucht.  Fotos: Katja Müller
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Meterweit flog die Erde über die Rennstrecke. Denn die Fahrer haben ihre Stockcars ordentlich über die Bahn gescheucht. Fotos: Katja Müller

Beim Stockcar-Rennen in Goldenstädt kämpften Motorsportfreunde aus Deutschland, Holland und Dänemark um die besten Zeiten

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06. Juni 2016, 21:00 Uhr

Das Dröhnen der Motoren geht bis ins Mark, der Dreck fliegt im hohen Bogen – die Fahrer sind in ihrem Element. Goldenstädt war am Wochenende wieder Ziel hunderter Stockcar-Fahrer und deren Fans. Insgesamt 104 Frauen und Männer gingen an beiden Tagen an den Start und kämpften um jede Sekunde. Dabei waren Drängeln und Schubsen ausdrücklich erlaubt. Denn auf einen Kratzer mehr oder weniger am Fahrzeug kam es nicht an. Auf Hochglanz war hier kein Wagen poliert. Wie auch? Lackierte Teile gab es hier nur gequetscht oder völlig zerschrammt. „Unser wichtigstes Werkzeug ist die Brechstange“, sagt Günther Grell. Er ist einer der Schrauber vom Team „Blue Wonder“ aus Wacken. Zusammen mit Jens Lucht, dem Vorsitzenden des Teams, schraubt er in den Pausen an den Wagen. Stets griffbereit ist auch der Wagenheber. „Auf der Strecke geht es ordentlich zur Sache – das ist kein Kuschelkurs“, sagt Grell und lacht. Seit 2003 schlägt sein Herz fürs Stockcar-Rennen. Der Spaß sei einmalig. Aber auch nicht ungefährlich. „Blaue Flecken sind normal und ich habe mir auch schon den Daumen umgedreht. Er blieb im Lenkrad hängen. Und… Nein, das erzähl’ ich lieber doch nicht“, sagt der 59-Jährige. Das Fahren hat er mittlerweile aufgegeben, die Liebe zu diesem Sport ist aber geblieben. „Wenn du am Start stehst, spürst du die ersten Flöhe im Magen. Wenn du dann auch noch gewinnst, steigt die Motivation, wieder an den Start zu gehen ins Unendliche“, gerät er regelrecht ins Schwärmen. Doch für mehr Plauderei ist keine Zeit. Der nächste Wagen kommt an. „So, was haben wir hier schon wieder“, fragt Grell, beugt sich über den Motorraum und greift beherzt zum Akkuschrauber.

Dieser Sport ist übrigens keine Männerdomäne. Denn nur wenige Autos entfernt macht sich Ute Jung startklar. „Ich fahre aber nur zum Spaß“, sagt die 26-Jährige. Mit ihrem „Wacken-Auto“ sorgt sie für den nötigen Spaß auf der Bahn. „Ich bin die, die immer hupt – und auch lacht“, betont Ute Junge. Neben dem Spaß auf der Strecke genießt sie den Zusammenhalt im Fahrer-Camp. „Hier kommen Fahrer aus dem ganzen Norden zusammen und haben Spaß. Es ist wie eine große Familie und ein schöner Ausgleich zu meinem Job als staatlich geprüfte Busenmasseurin“, erklärt die Melkerin. Dass dieses Hobby nicht ohne viel Staub, Sand, Öl und Schmiere auskommt, macht der 26-Jährigen nichts aus. „Ich kann mittlerweile auch schon einiges selbst reparieren“, sagt sie stolz.

Und auch über diese Starter freut sich Organisator Christian Brauer. Der Schweriner ist vor 21 Jahren selbst das erste Mal bei Rennen gestartet. „Nun war es an der Zeit, dass ich eins organisiere.“ Gesagt. Getan. Das Rennen in Goldenstädt ist eines von insgesamt vier im Zuge der Norddeutschen Stockcar Meisterschaft. Sicher auch das heißeste. „Es ist unerträglich“, sagt Jens Möller, einer der Streckenposten. Zur Abkühlung gab es nach dem Rennen eine Schlammschlacht auf der Bahn.

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