zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 17:12 Uhr

Runow: : Schmied hat neues Eisen im Feuer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Heiko Voss ist von Holstein nach Mecklenburg gezogen und sorgt nun dafür, dass in Runow wieder eine Esse glüht

svz.de von
erstellt am 08.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Was hat ein Schmied mit gelangweilten Elefanten zu tun  ? In der Regel nichts. Aber da gab es ja die zwei Zirkus-Dickhäuter, die sich in ihrer Freizeit die Stoßzähne so an Wänden spitz geschliffen hatten, dass sie mit ihnen die Wagen des kleinen Wanderzirkusses demolierten. Der Zirkus-Direktor war entnervt und brauchte etwas ganz Spezielles. Und da kam der Schmied ins Spiel. Zwei Paar Stoßzahn-Schoner mussten her. Maß gefertigt und aus Edelstahl. „Diese Kappen auszumessen, herzustellen und fest an die Stoßzähne zu kleben, das war schon ein außergewöhnlicher Auftrag“, sagt Heiko Voss.

Heiko Voss ist 54 Jahre alt, graubärtig und von einer Statur, der zuzutrauen ist, dass sie es mit harter Arbeit aufnehmen kann. Die Hände sind kräftig, haben über 30 Jahre lang Kupfer, Messing oder Stahl so bearbeitet, dass daraus Tore, Zäune oder Balkone, Skulpturen, Feuerkörbe oder Windspiele wurden. Ideen nehmen Formen an, kein Stück gleicht dem anderen –„das“, sagt Heiko Voss, „macht den Reiz an diesem Beruf aus.“ Schlossermeister ist er, Schmiedemeister auch. Früher, da hatte er mal sieben Angestellte, lebte und arbeitete im holsteinischen Schönberg. Jetzt hat er keine Angestellten mehr, lebt mit seiner zweiten Frau im mecklenburgischen Groß Niendorf und arbeitet eineinhalb Kilometer weiter in Runow. „Ein Neuanfang“, sagt er. So hat er es gewollt, und so hat er es gemacht.

Ein Landwirt fährt vom Hof der Bauschlosserei und Kunstschmiede. Sein Trecker zieht lautstark eine Rasenwalze hinter sich her. Heiko Voss hat die Deichsel erneuert. Der neue Kunde hat noch einen verrosteten Striegel dagelassen, der auf dem Rasen vor der alten LPG-Schlosserei in Runow liegt. Hier hat der Metallgestalter Voss sein neues Reich gefunden. Das Gebäude stand schon lange leer, die Hälfte des lang gezogenes Traktes bleibt es auch. „200 Quadratmeter, die reichen mir“, sagt Voss, der seine alte Werkstatt in Holstein aufgelöst und sein Arbeitsmaterial nach Runow gebracht hat. Die Schlosserei hat er in den vergangenen sechs Wochen eingerichtet. Die Schmiede einen Raum weiter auch.

Die vormals weißen Wände sind rußgeschwärzt. Die Luft ist stickig. Hier riecht es nach Rauch – und nach Arbeit. In der Esse lodert ein Feuer, ein wuchtiger Amboss steht direkt davor. An den Wänden hängen betagte Hammer, Zangen, Nageleisen. In einer Ecke steht ein Federhammer aus DDR-Zeiten, der seine Schuldigkeit längst getan hat. Dieser Raum hat musealen Charakter. „Das soll er auch haben“, sagt der Schmied, der Interessenten auch gerne seine Handwerkskunst präsentieren will. Wenn er denn da ist.

Zu tun, sagt der Schmied, habe er jede Menge, denn viele seiner ehemaligen Kunden würden noch immer auf seine Dienste zurückgreifen. Und dann geht es auf Tour in alte Gefilde: Eine Treppe hier, ein Vordach dort. „2000 Kilometer im Monat kommen da schnell zusammen“, hat Heiko Voss ausgerechnet. Morgen, am Sonnabend, 11 bis 17 Uhr, ist er auf jeden Fall da, denn er lädt zum Tag der offenen Tür in seine Bauschlosserei und Kunstschmiede „Eisenideen“ in die Lange Straße ein. Dass er an diesem Tag Stoßzahn-Schoner für Elefanten schmieden wird, ist eher unwahrscheinlich. Aber ein Eisen wird Heiko Voss auf jeden Fall im Feuer haben – und das wird geschmiedet, solang es warm ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen