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VEREINSLEBEN IN GOLDENSTÄDT : Schluss mit lustig bei Blau-Weiß?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Goldenstädter Karnevalisten legen in dieser Session eine künstlerische Pause ein – aber das könnte auch der Anfang vom Ende sein

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2017 | 16:00 Uhr

In Deutschland gibt es mehr als 620 000 eingetragene Vereine. Dort treffen sich Menschen, um Sport zu treiben, ihren Hobbys nachzugehen, Traditionen und Kultur zu pflegen, zu helfen oder zu fördern. Die SVZ besucht einige der mehr als 100 Vereine im Schweriner Umland, um zu erfahren, warum sich Menschen in Vereinen engagieren, was ihnen wichtig ist und mit welchen Problemen sie dort zu kämpfen haben. Heute stellen wir den Karnevalsverein „Blau-Weiß Goldenstädt“ vor.

Karneval, das steht für Jubel, Trubel, Heiterkeit. Karneval, das ist Humor, oft deftig, manchmal politisch, selten subtil. Karneval ist aber auch harte Arbeit. Besonders für die, die dafür sorgen wollen, dass andere unterhalten werden. Seit 1963 werden zur närrischen Zeit die Goldenstädter unterhalten. Dafür sorgt der örtliche Carnevalsverein Blau-Weiß. „Gar nicht so einfach, sich für jede Session etwas neues einfallen zu lassen“, sagt Reiner Kluth. Wer, so wie Kluth, 27 Jahre lang einer humoristischen Vereinigung als Präsident vorsteht, hat da so seine Erfahrungswerte. Immer wieder neue Gags, Parodien, Tänze und Büttenreden ausdenken. Immer wieder proben, dass alles sitzt. Immer wieder hoffen, dass bei den Vorstellungen auch der Funke aufs Publikum überspringt – das ist die Herausforderung. „Im vergangenen Jahr ist der Funke im Gemeindesaal nicht so richtig übergesprungen“, sagt Reiner Kluth. Ob es am Programm lag, könne der 56-Jährige gar nicht mal so genau sagen, aber die Örtlichkeit, die habe auf jeden Fall wenig Stimmung zugelassen. Nur 50 Gäste passten in den Raum, der in seiner Schlichtheit wohl Ortsversammlungen besser verträgt als ausgelassene Gala-Abende zur fünften Jahreszeit.

Dass mit Veranstaltungsräumen ist so eine Sache in Goldenstädt. Abende mit Helau und Geschunkel gab es traditionell in der Dorfgaststätte „Zur Linde“. 150 Gäste, volle Hütte, Jahr für Jahr. „Da war alles, was wir brauchten und wir mussten uns nicht um Stühle, Tische oder Ausschank kümmern“, weiß Kluth. Doch viele Gaststätten-Betreiber kamen und gingen. „Jetzt ist die Gaststätte schon länger Zeit zu“, sagt Kluth. Die Blau-Weißen aus Goldenstädt wichen aus nach Ortkrug, bis ein Feuer die Gaststätte dort vernichtete. Wohin nun? In den Gemeinderaum.

60 Mitglieder zu DDR-Zeiten, um die 50 nach der Wende. „Jetzt sind wir noch 20“, sagt Präsident Kluth. Manche hätten keine Lust mehr gehabt, andere mussten mehr Zeit in Ausbildung oder Beruf stecken. Im vergangenen September setzten sich die blau-weißen Karnevalisten zusammen, um ganz humorlos in die Zukunft zu blicken. Das Ergebnis: „Künstlerische Pause“, sagt Kluth.

Ein Jahr ohne Abend-, Senioren oder Kindersitzungen der Goldenstädter Karnevalisten, „das gab es seit Gründung noch nie“, erinnert sich der Präsident. Der Verein werde sich deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nicht auflösen, versichert Kluth. Aber ob der alte Schwunge noch mal käme, das könne er jetzt auch noch nicht sagen. Was er aber sagen kann ist, dass auch in diesem Jahr der Karneval bei ihm trotzdem eine große Rolle spielen wird. „Am Aschermittwoch reisen wir zum Karnevalspräsidententreffen nach Güstrow.“ Und irgendwann mal in die Karnevalshochburgen nach Köln, Düsseldorf oder Mainz, da möchte er auch noch hin.

Reiner Kluth stellt eine Plastikbox mit schwerem Inhalt auf den Tisch. Orden haben Gewicht. Reiner Kluth hat ein paar Dutzend davon. Das passiert unweigerlich, wenn der Karneval im Leben eines Menschen eine große Rolle spielt. Einen vom „Techentiner Carnevals Club“, vom „Bund Deutscher Karneval“ oder auch einen mit der Gravur „20 Jahre Karneval Landesverband MV“. In Goldenstädt haben sie immer Anstecknadeln verteilt. Ob noch welche dazu kommen werden, ist offen und hängt davon ab, ob die Karnevalisten noch genug Spaß daran haben, anderen Spaß zu bereiten, denn Karneval ist eben halt auch harte Arbeit.

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