Schweriner Bauvorhaben : Schlossbuchtanleger rückt in weite Ferne

Holzpfähle im Wert von 14000 Euro dürfen nicht mehr für den Steg genutzt werden.
Holzpfähle im Wert von 14000 Euro dürfen nicht mehr für den Steg genutzt werden.

Zu alt: Bereits gekauftes Material darf für das Projekt nicht mehr benutzt werden

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07. Februar 2018, 05:00 Uhr

Der von der Stadt geplante Anleger in der Schlossbucht sollte nun schon sechs Jahre in Nutzung sein. 2011 hatte die Werkleiterin der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen, Ilka Wilczek, verkündet: „Los gehen soll es im Herbst, Ende des Jahres wird der Anleger schon fertig sein.“ Doch weit gefehlt. Der BUND sah die Vogelwelt in der Schlossbucht in Gefahr und klagte vor dem Verwaltungsgericht. Weil das Verfahren immer noch läuft, darf nicht gebaut werden. Doch ob überhaupt jemals ein Pfahl für den Steg in den Seegrund gerammt wird, steht in den Sternen.

Am 16. Dezember 2010 wurde der Bau eines Anlegers in der Schlossbucht von den Stadtvertretern beschlossen. Kostenpunkt: gut 300 000 Euro. Daran wollten sich die Stadt, das Land und der damalige Betreiber des Schlossbuchtcafé beteiligen. Nach einer öffentlichen Ausschreibung wurde einer Baufirma am 2. März 2012 der Auftrag zur Errichtung des Anlegers erteilt. Sofort danach wurde das Material gekauft: Holzpfähle für 14 189,59 Euro netto und Stahlpfähle für 11 004,33 Euro netto.

Noch liegt das Material auf dem Werkhof der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen in Görries. Weil die Pfähle aus Tropenholz sind, sind sie auch noch gut in Schuss. Nach so langer Lagerung dürfen sie jedoch nicht mehr „als Tragwerkspfähle des Schiffsanlegers genutzt werden“, sagte eine SDS-Sprecherin. Die Stahlpfähle sind noch für den ursprünglichen Zweck brauchbar. Sollte der Steg jemals gebaut werden, müssten also die Holzpfähle neu gekauft werden. Das vorhandene Material kann noch als Wellenbrecher vor Kaninchenwerder eingesetzt werden.

Auch die finanzielle Beteiligung des Schlossbuchtbetreibers – er wollte 40 000 Euro zuschießen – ist unklar. Denn derzeit gibt es gar keinen. Das Café ist geschlossen. Dazu kommt, dass seit 2012 die Baukosten deutlich gestiegen sind. Die einst kalkulierte Bausumme dürfte längst nicht mehr ausreichen, heißt es aus der Stadtverwaltung. Eine Belastung für den desolaten städtischen Haushalt. Und ob das Land bereit ist, irgendwann Fördermittel für den Schlossbuchtanleger zu geben – Fragezeichen.

Der Anleger sollte zehn Kurzzeitliegeplätze für Touristen und zehn Dauerliegeplätze für das Schlossbuchtcafé bekommen. Außerdem sollte die Möglichkeit bestehen, dass dort ein Flußkreuzfahrtschiff anlegen kann. Die Weiße Flotte hatte eine Nutzung von vorn herein abgelehnt. Dafür hatte der damalige Baudezernent Wolfram Friedersdorf drei Interessenten ermittelt, die auch Personenverkehr auf den Schweriner Seen anbieten wollten. Doch in dieser Sache ruht still der See.

Der Anleger war von Anfang an umstritten. Nicht nur die Naturschützer hatten etwas dagegen. In der Stadtvertretung fiel die Entscheidung zwar mehrheitlich pro Anleger aus, aber es gab auch zehn Gegenstimmen. Vor allem die Unabhängigen Bürger kritisierten das städtische Vorhaben. Die Bündnisgrünen waren entsetzt über die Dimension des Anlegers. Und auch etliche SVZ-Leser lehnten das Vorhaben als unsinnig ab.

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