Schwerin : Schliemann wieder zurück

Robuster und fest verankert: die Schliemann-Büste
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Robuster und fest verankert: die Schliemann-Büste

Heinrich Schliemann ist zurück: Am Pfaffenteich wurde gestern ein Nachguss der Bronzebüste des Troja-Entdeckers enthüllt. Letztes Jahr hatten Diebe die Original-Plastik gestohlen, zersägt und als Schrott verkauft.

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09. Mai 2012, 08:03 Uhr

Altstadt | Heinrich Schliemann ist wieder zurück in Schwerin: Auf der Terrasse am Pfaffenteich wurde gestern ein Nachguss der Bronzebüste des Troja-Entdeckers enthüllt. Ende August vergangenen Jahres hatten dreiste Diebe die Original-Plastik des Bildhauers Hugo Berwald gestohlen, zersägt und an einen Schrotthändler verkauft.

"Das Schliemann-Denkmal gehört zum Schweriner Stadtbild. Ich bin deshalb froh und dankbar, dass unsere Sparkasse den Nachguss des Kunst werkes durch eine Spende ermöglicht hat", sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow bei der Ze remonie am Denkmalssockel, an der auch der berühmteste Alter tumsforscher des Lan des seine Freude gehabt hätte: Griechisch-Schüler des Schweriner Fridericianums, gekleidet in farbenprächtige Gewänder, trugen zur Feier des Tages Verse von Homer vor.

Knapp 14 000 Euro kostete die Wiederherstellung der Bronze-Büste. "Als regional verwurzeltes Kreditinstitut liegt uns das Wohl der Landeshauptstadt am Herzen", betonte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, Diedrich Baxmann. Kunst und Kultur gelte dabei das be sondere Engagement des Kreditinsti tutes. "Deshalb freue ich mich um so mehr, dass mit Unterstützung unseres Hauses die Büste heute neu eingeweiht werden kann", so Baxmann, der auch die Leiter festhielt, als Vorstandskollege Ulrich Kempf in luftiger Höhe das Tuch von der Skulptur zog.

Angefertigt wurde der Nachguss der Büste von dem Prignitzer Bildhauer Bernd Streiter nach einer Gips-Kopie, die das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte 1990 zum 100. Todestag Schliemanns herstellen ließ. Die neue, aber schon mit leichter Patina verse hene Plastik sei fest verankert, erklärte der 49-jährige Künstler. Wer es jetzt auf die Büste abgesehen habe, müsse gleich den ganzen Sockel mitnehmen, so Streiter augenzwinkernd.

Das originale Kunstwerk Hugo Berwalds war am 22. August 1895 vor dem ehemaligen Gymnasium Fridericianum aufgestellt worden. Abiturienten trieben früher gern ihren Schabernack mit der lebensgroßen Büste. So wurden ihr zu den jährlichen Prüfungen die Augen verbunden oder die Skulptur mit dem Gesicht zum Pfaffenteich gedreht, damit Schliemann "das Elend" der Prüflinge nicht sehen sollte.

"Wir hoffen, dass sich so ein Kunstdiebstahl inmitten unserer Stadt nicht wiederholt", unterstrich Oberbürgermeisterin Gramkow. Sie bedankte sich nicht nur bei der Sparkasse und bei Bildhauer Streiter, sondern auch bei Marlies Bachmann von den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS), die die Wiederbeschaffung der Büste organisatorisch betreut hatte.

Wer die Schliemann-Skulptur Berwalds entwendet und zerstört hat, ist unterdessen auch ein dreiviertel Jahr nach der Tat noch immer ungeklärt. "Wir fahnden weiterhin nach einem 20-Jährige n aus der Nähe von Greves mühlen", sagte der Schweriner Oberstaatsanwalt Stephan Hagemann auf Anfrage unserer Zeitung. Der Tat verdacht gegen einen zweiten jungen Mann habe sich bislang nicht erhärtet.

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