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20. November 2017 | 05:05 Uhr

Ersatz geplant : Schliemann-Diebstahl noch ungeklärt

vom

Die Ermittlungen gegen die Metalldiebe dauern noch immer an. Die Stadt plant derweil, die Statue des berühmten Troja-Ausgräbers durch einen Nachguss zu ersetzen.

svz.de von
erstellt am 03.Nov.2011 | 08:45 Uhr

Schwerin | Der Fall sorgte Ende August für Aufsehen und Empörung in der Stadt: Metalldiebe stahlen die Bronze-Büste des Archäologen Heinrich Schliemann von ihrem Sockel am Pfaffen teich, zerstörten die Skulptur und machten die Reste bei einem Recycling-Händler zu Geld (wir berichteten). Nach Angaben der Schweriner Staatsawaltschaft dauern die Ermittlungen gegen zwei Tatverdächtige aus der Nähe von Grevesmühlen noch immer an. Die Stadt plant derweil, die Statue des berühmten Troja-Ausgräbers durch einen Nachguss zu ersetzen.

20 und 22 Jahre alt seien die beiden Verdächtigen, auf deren Spur die Polizei unmittelbar nach der Tat gestoßen sei, sagt Oberstaatsanwalt Stephan Hagemann auf Anfrage unserer Zeitung. Der ältere Mann habe bei seiner Vernehmung die Tat bestritten, eine Durchsuchung seiner Wohnung sei erfolglos geblieben. "Der jüngere Tatverdächtige ist unbekannten Aufenthalts", so Hagemann. Die Bruchstücke der Schliemann-Büste befinden sich laut Oberstaatsanwalt beim Landeskriminalamt. Dort würden sie kriminaltechnisch untersucht. "Wir hoffen, dass sich daraus weitere Ermittlungsansätze ergeben."

Kontakt zu einem Künstler aufgenommen

Schon direkt nach der Tat hatte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow erklärt, der Sockel auf der Schliemann-Terrasse dürfe nicht leer bleiben: "Wie prüfen, wie die Büste ersetzt werden kann." Nach den Worten von Stadtsprecherin Michaela Christen haben die Pläne für einen Ersatz der Büste nun konkretere Formen angenommen. So stehe die Landeshauptstadt in Kontakt mit einem Künstler, der ein Angebot für die Wiederherstellung oder Neuerstellung der Bronze-Skulptur unter breiten soll.

Die Schliemann-Büste des Schweriner Bildhauers Hugo Berwald (1863-1937) war am 22. August 1895 vor dem ehemaligen Gymnasium Fridericianum aufgestellt worden. Zum 100. Todestag Schliemanns im Jahr 1990 hatte das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte zwei Kopien aus Gips anfertigen lassen. Eine Nachbildung bewahrt das Schliemann-Museum in Ankershagen auf Mecklenburgische Seenplatte auf. "Diese Kopie könnte als Grundlage für einen Nachguss genutzt werden. Allerdings muss das Museum noch zustimmen", so Michaela Christen gegenüber SVZ.

Großherzog unterstützte Aufstellung der Skulptur

Mit finanzieller Unterstützung des Großherzogs war die Büste einst an ihren Platz gekommen. Abiturienten trieben früher ihren Schabernack mit der Skulptur, drehten sie mit dem Gesicht zum Pfaffenteich. Schliemann selbst, 1822 in Neubukow geboren und 1890 in Neapel gestorben, konnte aus Geldmangel keine höhere Schule besuchen und eignete sich sein großes Wissen ausschließlich als Autodidakt an. Angeregt durch die großen Epen Homers leitete der Archäologe seit dem Ende der 1860-Jahre mehrere Ausgrabungen. Die Entdeckung der vergessenen Stadt Troja, wo er den Schatz des Priamos hob, war Schliemanns erster Erfolg. Nicht weniger wichtig war sein zweites großes Unternehmen: die Ausgrabung von Mykene.

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