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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 15:03 Uhr

Möbelbörse : Schleppen für den guten Zweck

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ war mit der Möbelbörse des Arbeitslosenverbandes unterwegs: Ehrenamtliche Helfer meistern viele unterschiedliche Aufgaben

von
erstellt am 05.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Das Prinzip ist simpel: Wer seine Einrichtung ausrangiert, ruft bei einer Möbelbörse an. Die Mitarbeiter holen sie ab, wenn sie noch gut und funktionstüchtig sind. Anschließend werden die Spenden gegen kleines Geld an Bedürftige verkauft. Doch wie gut funktioniert das wirklich? SVZ ging mit dem Haushaltsservice des Arbeitslosenzentrums auf Tour und stellte fest: Hinter der guten Tat verbirgt sich ein Knochenjob, den häufig Ehrenamtliche leisten.

„Unser bestes Navi sind wir selbst“, sagt David Becker lächelnd, als sein Kollege Eduard Goetsch den Transporter stadtauswärts Richtung Crivitz lenkt. Heute geht es in die Bahnhofstraße und den Trammer Weg, zurück nach Zippendorf, in die Weststadt und dann Ware abliefern im Haus der Begegnung in der Perleberger Straße 22. Montags bis donnerstags von 8 bis 13 Uhr sind die Männer unterwegs. Zwei Teams wechseln sich im Wochenrhythmus ab, sammeln ein und liefern aus, schleppen Möbel bis in den vierten Stock, tragen schwere Stücke über weite Strecken. Eduard Goetsch ist seit zehn Jahren dabei. In dieser Zeit hat er vieles erlebt, nette Menschen kennen gelernt und auch weniger nette, traurige Episoden erlebt und fröhliche. Die Straßen in und um Schwerin kennt er wie seine Westentasche, auch die beliebtesten Blitzer-Standorte. Den Transporter manövriert er genauso geschickt in engen Gassen wie er später einen großen Ess-Tisch durch einen engen Wohnungsflur trägt. Millimeterarbeit leistet der Schweriner in atemberaubendem Tempo. Denn Zeit haben die Möbelsammler eigentlich nie. „Manchmal bieten uns Leute einen Kaffee an“, sagt Goetsch. Die Männer nehmen dankend an – und geben dann doppelt Gas. Meistens wartet gleich der nächste Termin, irgendwo anders in der Region. Nur selten wissen sie genau, was sie dort erwartet. Auch an diesem Morgen in Crivitz gibt es erst einmal Fragezeichen. Der angegebene Ansprechpartner öffnet nicht nach dem Klingeln. David Becker muss in der Zentrale anrufen, dann kommt ein Pflegedienst. Einer ihrer Klienten erhält heute ein Pflegebett, das alte Bett könnte abgegeben werden. Eduard Goetsch wirft einen Blick darauf, schüttelt traurig den Kopf: „Das ist nicht mehr gut in Schuss, das geben Sie am besten auf den Sperrmüll.“ Manche Spendenwillige fühlten sich durch solche Aussagen vor den Kopf gestoßen, schließlich wollen sie Gutes tun und finden auch ihre alten Möbel noch wunderbar. Aber aus Erfahrung wissen die Sammler, was noch einen Abnehmer findet. Älter als sechs Jahre sollte es nicht unbedingt sein, alle Schrauben müssen halten.

Hinter der nächsten Adresse verbergen sich ähnliche Probleme. Der angebotene Lattenrost stammt noch vom VEB Altmark, ein Modell, das fast Museumsreife hat. Auch hier müssen die Männer abwinken, kurz erklären, wieder einsteigen. Die Tour nach Crivitz hat heute nichts gebracht. David Becker denkt noch über den Patienten mit dem Pflegebett nach. Manche Geschichten verfolgen ihn bis nach Hause. Oft finden sich Möbel nämlich in Wohnungen von Menschen, die gerade ins Heim gekommen oder verstorben sind.

In Schwerin biegt der Wagen ab zur Seniorenresidenz Zippendorf, hier wird erste Ladung aufgenommen. Der Altkleidercontainer ist halb voll, neben Säcken finden sich lose hineingeworfene Jacken, Teppiche, Kuscheltiere. Alles ist sauber – keine Selbstverständlichkeit. Frisch benutzte Schutzkleidung fanden die Männer schon ebenso wie Essensreste oder Hausmüll. Auch tote Tiere hätten schon in Containern gelegen. Warum Leute so etwas tun, kann sich Eduard Goetsch nicht erklären. Er hofft jedenfalls, dass auch die anderen sechs Container in dieser Woche so gut aussehen wie dieser.

Bei den nächsten Adressen zeigen Goetsch und Becker dann, wie perfekte Termine ablaufen: Klingeln, mit dem Fahrstuhl in den zweiten Stock, dort wartetn die „Kunden“ mit Säcken, Ergometer, Schuhregal oder Tisch. Problemlos tragen die Männer das zum Auto, der Tisch wird vertaut. Vielen Dank dem Spender und zurück zur Zentrale. Zwei Stunden hat diese „kleine“ Fahrt gedauert.

Möbel werden weiter dringend gesucht, vor allem Schlafsofas, Betten, Küchen und Kleinmöbel, sagt Silvia Piechowski, Chefin vom Arbeitslosenzentrum. Telefonisch ist der Haushaltsservice zu erreichen unter der Nummer 0385/ 39 78 163.


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