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Weltkulturerbe Schwerin : Schleifmühle: Steinbearbeitung seit 1705

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Schweriner Residenzensembles vor - Teil 7: Schleifmühle

von
erstellt am 04.Apr.2016 | 15:30 Uhr

In dem Gutachten, das die Stadt anlässlich ihrer Welterbe-Bewerbung bei Kunsthistoriker Dr. Christian Ottersbach in Auftrag gegeben hat, spielt die Schleifmühle nur eine kleine Rolle. Ein einzelner Absatz ist ihr gewidmet in dem 60-seitigen Kapitel, das sich mit den einzelnen Bauwerken und Elementen des Residenzensembles beschäftigt. Tatsächlich entstand der eingeschossige Fachwerkbau unter Giebeldach schon weit vor dem Schloss, nämlich im Jahr 1705. Für die Großherzogliche Familie war die Mühle vor allem deshalb von Bedeutung, weil hier aus heimischem Granit Platten geschliffen werden konnten, die in den landesherrlichen Bauten ihren Platz fanden. Aber auch „kunsthandwerkliche Gebrauchsgegenstände aus Granit, Halbedel- und Edelsteinen“ konnte der Schleifmüller fertigen. Allerdings: „Mit der Beendigung des Schlossbaus 1857 stellte die Mühle den Betrieb als Steinschleiferei ein und wurde zunächst als Wollspinnerei genutzt“, schreibt Dr. Ottersbach. „Seit 1985 dient sie als museale Schauanlage historischer Steinbearbeitungskunst.“ Schnell endet sein Ausflug in die Mühlengeschichte.

Für die Schweriner indes ist das kleine Fachwerkhäuschen mit dem großen Wasserrad und dem hübschen Garten viel mehr als einen Absatz wert. Touristengruppen, Schulklassen, Einzelbesucher kennen und schätzen die Schleifmühle, in der sie viel ausprobieren und sich von Schleifmüller Waldemar Leide noch mehr erklären lassen können. Gemütliche Feste locken sommers wie winters Besucher an den idyllischen Ort, an dem man trefflich Folkmusik hören und Wein trinken kann. Ehepaare können sich dort sogar das Ja-Wort geben. Am 20. März war offiziell Saisoneröffnung. Bis November ist die Schleifmühle täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Erwachsene zahlen drei Euro Eintritt, ermäßigt kommt man für einen Euro weniger rein.

Doch zurück zum Anfang: Die Mühle entstand um 1705 als Lohmühle. Das bedeutet: Dort wurden vor allem Baumrinden zerkleinert, die sich gut zum Gerben von Leder eigneten und aus dem Lohwald stammten. Ursprünglich wurde das Material auch zur Konservierung von Fischernetzen, Tauen und Segeln verwendet. 1718 wurde die Lohmühle zur Graupenmühle umgebaut, in der nun Gersten- oder Weizenkörner gemahlen wurden. Nach einem Wasserschaden war 1737 erst einmal Schluss mit der Müllerei am Faulen See. Zehn Jahre später gab es an gleicher Stelle einen Neubau – mit neuer Mühlentechnik und einer ersten kleinen Steinschleiferwerkstatt. 1755 ließ Herzog Christian Ludwig II. die Mühle so ausbauen, dass dort große Natursteine, sogar tonnenschwere Granitfindlinge, geschliffen und poliert werden konnten. Daraus entstanden Tischplatten, Kaminverkleidungen, Fenstersimse, Denkmalsockel, aber auch Taufbecken und Sarkophage. Bis zum Jahr 1800 hatte sich die Schweriner Schleifmühle einen guten Ruf in ganz Deutschland erarbeitet.

Zwischen 1983 und 1985 wurde die Schleifmühle rekonstruiert und kann seitdem als Schauanlage historischer Steinbearbeitung besichtigt werden. 1996 ging sie in die Trägerschaft des Stadtgeschichts- und Museumsvereins über. Im Jahr 2000 gab es ein neues Wasserrad. Durchmesser: 4,5 Meter. Zum Ensemble gehört außerdem der ehemalige Wohnsitz des Steinschleifers, das Schleifmüllerhaus. Es wurde von 2000 bis 2003 saniert und im Jahr 2012 umgebaut. Zu besonderen Anlässen, wie dem Deutschen Mühlentag, wird es für die Öffentlichkeit geöffnet.

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