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Verkehrs-Test in Schwerin : Schleichen in der Rotlicht-Spur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ-Test zeigt: Zwischen Zoo-Kreuzung und Umgehungsstraße bremsen Ampeln die Grüne Welle aus

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Die Bundesstraße 321 zwischen der Abfahrt von der Autobahn in Raben Steinfeld und dem Beginn der Umgehungsstraße hinter der Kreuzung mit der Ludwigsluster Chaussee ist eine viel befahrene Straße. Da sie vierspurig ausgebaut ist, dürfte man meinen, dass Autos, Laster und Busse zügig voran kommen. Doch Fehlanzeige, beklagten sich in den vergangenen Tagen immer wieder Autofahrer beim „Heißen Draht“ unserer Redaktion. Deshalb wollten wir es genau wissen und machten den Test.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Einerlei von wo aus kommend man das Teilstück zwischen der Zoo-Kreuzung und der Ludwigsluster Chaussee befährt, völlig unerheblich, ob selbst als Schleicher mit nur Tempo 30 oder zügiger mit 40 oder gar 50 Kilometer pro Stunde – es geht nicht ohne Stopp. Und Grund dafür ist die offenbar wahllos gewählte Ampelschaltung auf dieser Strecke.

Das sagen die Fachleute: „Bei einer grünen Welle werden die Ampelanlagen eines Straßenzuges so geschaltet, dass man beim Befahren der Straße mit einer bestimmten Geschwindigkeit jede Ampel in ihrer Grünphase antrifft. Der Vorteil liegt in einem kontinuierlicheren Verkehrsfluss der Kraftfahrzeuge.“ Bei Schwerins Verkehrsplanern in Stadthaus ist diese Definition offenkundig unbekannt.

Unser Test: Wir stellen den Tempomat auf 48 Stundenkilometer und betätigen die Stoppuhr, als auf der Crivitzer Chaussee die Ampel auf Grün springt und das Linksabbiegen in die Straße Am Grünen Tal erlaubt. 20 Sekunden später rollen wir problemlos bei Ampelgrün an der AOK vorbei. Auch am Abzweig Hamburger Allee zeigt die Ampel nach knapp 45 Sekunden Grün. Doch dann endet die „Grüne Welle“. Als die Ampel am Köpmarkt in Sichtweite kommt, springt sie auf Rot. Wir reihen uns in die Warteschlange ein, 65 Sekunden sind vergangen. 25 Sekunden später gibt es Grün, an der Einmündung zur Friedrich-Engels-Straße bremst erneut eine Ampel den Verkehr. Nach zwei Minuten und 35 Sekunden – inklusive einer guten halben Minute Wartezeit vor der Ampel – geht es weiter. Natürlich ist da längst die Ampel an der Kreuzung zur Ludwigsluster Chaussee auf Rot umgesprungen. Erneut heißt es: warten. Dreieinhalb Minuten sind vergangen, seit wir am Zoo losfuhren, ehe wir auf die Umgehungsstraße fahren können.

Grund für das stete Ausbremsen sind technische Mängel, gibt Dr. Bernd Smerdka, Leiter des städtischen Amtes für Verkehrsmanagement zu. „Die Anlage zwischen Zoo und Friedrich-Engels-Straße ist 26 Jahre al. Dafür gibt es so gut wie keine Ersatzteile mehr“, sagt der Amtsleiter. Eine Kompletterneuerung der Ampeln – inklusive der unterirdischen Kabel – würde laut Dr. Smerdka rund 100 000 Euro kosten, zu viel für die klamme Stadtkasse. Nach langem Suchen hätte man aber jetzt passende Ersatzteile besorgen können, um den Kabelschaden zu beheben. Dr. Smerdka ist optimistisch, dass es in dieser Woche wieder eine Grüne Welle zwischen Zoo und Umgehungsstraße geben kann.

 

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