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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 02:21 Uhr

Crivitz : Schlachten statt rechnen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von der Aufzucht bis zur Verarbeitung: Crivitzer Schüler beschäftigen sich in Projekttagen mit Schweinen

von
erstellt am 15.Nov.2017 | 09:00 Uhr

Messer, Beil und Säge statt Bleistift, Lineal und Taschenrechner. Mehr als 75 Kilogramm frisches, rosafarbenes Fleisch liegen auf dem Tisch – ein geschlachtetes Schwein. Schule, so der Crivitzer Direktor Dr. Egbert Dähn, solle aufs Leben vorbereiten. „Und da bieten wir für diejenigen, die später selbst schlachten oder Wurst machen möchten, die Gelegenheit“, erklärt der Leiter der Crivitzer Regionalschule. In einem dreitägigen Projekt begleiten die Schüler den Weg des Schweins vom Bauern bis hinein ins Wurst-Glas. „Das ist gewiss nicht jedermanns Sache, aber es läuft auf freiwilliger Basis. Und seit elf Jahren ist der Kurs gefragt“, betont Egbert Dähn.

Dann widmet er sich wieder den sechs Schülern, erklärt die einzelnen Körperteile: „Rippchen, Kotelett, Schinken und Filetstück“, sagt der Direktor, sein Finger wandert über jedes Stück. Eine Kurz-Einweisung in die Küchenzubereitung von Braten und Co. gibt es gratis.

Es ist Metzger-Arbeit im Schnelldurchlauf. Der Schulleiter, ein autodidaktischer Fleischhauer, hat sich aber fachkundige Unterstützung geholt. Fred Kalugin, gelernter Metzger, packt mit an. Es bedarf nur weniger beherzter Einsätze mit der Knochensäge und dann sind wieder die Schüler am Zug: „Jetzt nimmst du das Stück hier und trennst die Schwarte ab, schön dicht an der Haut entlang“, sagt Fred Kalugin. Achtklässlerin Laura lauscht jedem Wort. Schlachten ist für das Mädchen aus Ruthenbeck nicht neu. „Wir machen das zu Hause auch, aber mit kleineren Tieren. Enten und Hühner.“ Es ist Lauras erstes Schwein und gewiss nicht das letzte. „Ich möchte gern in die Metzger-Branche. Fleisch zerlegen und verarbeiten ist interessant und so weiß ich, wo mein Essen herkommt“, erklärt die Schülerin und macht sich weiter ans Werk. In wenigen Stunden muss alles verarbeitet sein. Ihre Klassenkameradin war anfangs skeptisch: „Ich dachte, ich kann das nicht – so ein totes Schwein sehen und zerlegen. Aber es macht Spaß“, sagt die Neuntklässlerin Laura Marie.

Das Schwein, das vom Sukower Landwirt Jan-Nico Hagge gesponsert wurde, soll komplett verarbeitet werden: „Hier bleibt nichts übrig“, versichert der Schulleiter und erzählt, dass im vergangenen Jahr 60 Gläser Leberwurst, 124 Mettwürste, etwa 50 Gläser Sauerfleisch und Räucherware gemacht wurden. Diesmal rechnet er sogar mit noch mehr, das Schwein sei größer. Alle Produkte werden zudem Tag der offenen Tür sowie auf dem Crivitzer Weihnachtsmarkt am zweiten Advent angeboten. Den Erlös investiert der Schulförderverein für Schulprojekte.

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