Spektakuläre Kostüme bei Schweriner Open-Air-Operette : Schillernde Kleider für die Fledermaus

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Bunte Farben unter den Röcken: Beim Can-Can werden sie sichtbar.

Sie gilt als Höhepunkt der Goldenen Ära der Wiener Operette. 139 Jahre nach ihrer Uraufführung soll sie nun tausende Gäste nach Schwerin locken: Die "Fledermaus" von Johann Strauß. Peter Dehler setzt das Stück in Szene.

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05. März 2013, 12:04 Uhr

Sie gilt als Höhepunkt der Goldenen Ära der Wiener Operette und 139 Jahre nach ihrer Uraufführung soll sie tausende Gäste nach Schwerin locken: Die "Fledermaus" von Johann Strauß. Schauspieldirektor Peter Dehler setzt das Stück in Szene und steckt mit seinem Team mitten in den Vorbereitungen. Neuigkeiten indes dringen nur tröpfenweise nach außen.

Premiere für das Open-Air-Ereignis ist am 14. Juni. Gespielt wird Die Fledermaus dann vor der Schlosskulisse bis zum 21. Juli. Das Modell des Bühnenbildes wurde der Öffentlichkeit schon vorgestellt, ebenso Fernseh-Star Walter Plathe ("Der Landarzt") als besonderer Gast auf dem Alten Garten. Jetzt öffnet das Theater die Schneiderei für erste Fledermaus-Eindrücke. Kostümbildnerin Susanne Richter ist zwar noch schwer beschäftigt mit "Wie im Himmel", das am 15. März Premiere hat, doch die Figurinen für Die Fledermaus sind fertig. Die detaillierten Zeichnungen versprechen Farbenfreude pur und prächtige Gründerzeit-Mode mit schlanken Silhouetten, riesigen Schleifen und unglaublichen Stoffmengen am Po. "Um die 15 bis 18 Meter Stoff werden wir für so ein Damenkleid bei der Fledermaus schon brauchen", sagt Susanne Richter.

Insgesamt rund 100 Kostüme werden für die Operetten-Inszenierung geschneidert, doch nicht alle sind dermaßen opulent. Denn die Frau von Welt trug auch Ende des 19. Jahrhunderts ihre schicke Robe mit dem berühmten "Cul de Paris" am Hinterteil nur zu Abendgesellschaften oder als Besuchstoilette. Die Dienstmädchen und natürlich auch die Herren von Stand kommen selbst bei festlichsten Anlässen mit weniger Zuschnitt aus. Aber auch sie kommen in Schwerin spektakulär daher, das lässt sich schon erkennen, obwohl die eigentlichen Schneiderarbeiten erst im April beginnen.

Schauspieldirektor Peter Dehler und Kostümbildnerin Susanne Richter kennen einander schon aus Studientagen in Berlin und haben auch am Mecklenburgischen Staatstheater schon oft zusammengearbeitet. Beim "Sommernachtstraum", bei "Faust", "Hamlet" oder "Figaros Hochzeit" hat Richter für die Kostüme verantwortlich gezeichnet. Dehler schätzt ihre Arbeit und deshalb braucht es gar nicht viele Absprachen, bis die Mitwirkenden der Schweriner Fledermaus genau das tragen, was sich Dehler vorstellt.

"Unsere Grundfragen war vor allem: Wann lassen wir das Stück spielen?", sagt er. Schnell einigten sie sich auf die schillernde Vergangenheit - schon die fantastischen Culs de Paris scheinen das zu rechtfertigen. "Dabei orientieren sich meine Kostüme nur an der Mode der Zeit, sie sind nicht hundertprozentig originalgetreu", betont Richter und zeigt die Jacke eines Mannes, die für die damalige Zeit zu lang, zu weit, zu flatternd ist. Aber toll aussieht. Alte Kostüme zu erfinden, mache einfach Spaß - sowohl den Designern als auch später den Zuschauern. Denn natürlich muss für eine Open-Air-Inszenierung auffälliger geschneidert werden, als für ein Stück, das im Haus gezeigt wird. "Schließlich muss das Publikum aus 20 bis 40 Metern Entfernung die Kostüme noch gut erkennen können", so Richter.

Und dann muss die Fledermaus-Garderobe auch noch regenfest sein, denn die Erfahrung der vergangenen Schlossfestspiele lehrt, dass es immer mal wieder Schauer, manchmal sogar Wolkenbrücke mitten in der Vorstellung gibt. Möglichst wasserabweisend sollten die Stoffe sein, anschließend leicht zu trocknen, denn sie müssen am nächsten Abend gleich wieder auf die Bühne.

Für eine verregnete Fledermaus-Vorführung hat sich Susanne Richter etwas genial Einfaches einfallen lassen: Schirme. Die gehören absolut zum Stil der Zeit und schützen die Sänger und vor allem deren Frisuren ziemlich gut vor Nässe von oben. Denn auch auf dem Kopf werden die Fledermaus-Darsteller einiges zu bieten haben. "Pompöse Hochsteck-Frisuren, Hüte oder ein Rausch von Tüll", schwärmt Richter. Eine Übertreibung, die auch dem Anliegen von Johann Strauss sehr nahe kommt. Der Komponist singt mit der "Fledermaus" nämlich kein Loblied auf die High Society, sondern kritisiert die vergnügungssüchtige, selbstvergessene Gesellschaft seiner Zeit - allerdings auf stilvolle und charmante Weise.

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