Schwerin: Künstler suchen Kontakt mit Bürgern : Schauspieler bauen eine Arche

Bauen gemeinsam eine Kunst-Arche auf dem Alten Garten: Franziska Hoffmann, Ramona Rauchbach und Nils Zapfe. Innerhalb von zwei Jahren wollen die Künstler von den Bürgern erfahren, was diese sich in Sachen Kultur wünschen. reinhard Klawitter
1 von 2
Bauen gemeinsam eine Kunst-Arche auf dem Alten Garten: Franziska Hoffmann, Ramona Rauchbach und Nils Zapfe. Innerhalb von zwei Jahren wollen die Künstler von den Bürgern erfahren, was diese sich in Sachen Kultur wünschen. reinhard Klawitter

Kaum ist Roncallis Zirkuszelt vom Alten Garten abgebaut, wird dort schon wieder gewerkelt. Ein neues Kunstprojekt wächst dort: eine Arche. "Spielstätte Stadt" nennt sich das Schweriner Projekt für die Rettung der Welt.

von
13. September 2012, 07:14 Uhr

Schwerin | Kaum ist Roncallis Zirkuszelt vom Alten Garten abgebaut, wird dort schon wieder gewerkelt. Ein neues Kunstprojekt wächst auf der vollen Breite des Platzes: eine Arche. Gebaut wird das riesige Rettungsboot, das allerdings auf den ersten Blick gar nicht wie ein Schiff aussieht, von Schauspielern und kunstinteressierten Schwerinern, die mithelfen wollen bei der Rettung der Welt. "Spielstätte Stadt" nennt sich das Projekt, mit dem Profis vom Mecklenburgischen Staatstheater gemeinsam mit Mitgliedern der freien Schauspielgruppe "Kulturfiliale" aus Hannover die Rolle von Kunst und Kultur in der Gesellschaft aufzeigen.

"Wir wollen auf die Leute zugehen, zu ihnen kommen, deshalb gehen wird nach draußen", erklärt Nils Zapfe die Idee. "Wenn wir in der Stadt unterwegs sind, auf Straßen und Plätzen in Aktion treten, nehmen wir Schwellenängste vor dem großen Theater", weiß der freie Schauspieler aus seiner Erfahrung zu berichten. Die jungen Leute haben sich mit ihrem Projekt "Spielstätte Stadt" zum Ziel gesetzt, Utopien der Schweriner Bürger für ihre Stadt zu finden, Sehnsüchte und Hoffnungen ans Licht zu holen und so der Politik Anregungen zu geben. Dieser zukunftsweisende kulturpolitische Ansatz der Schweriner und Hannoveraner Schauspieler ist von der Kulturstiftung des Bundes als innovativ eingestuft worden und wird zwei Jahre lang mit Fördergeldern bedacht.

Die erste Etappe haben die jungen Künstler bereits in Angriff genommen: Sie befragen seit einigen Tagen in der Mecklenburgstraße, auf dem Markt, am Südufer und anderen Plätzen Passanten nach ihren Vorstellungen für ein lebenswertes Schwerin und interviewen zudem Politiker zu deren Plänen für die Entwicklung der Landeshauptstadt. "Wir haben schon eine ganze Menge auf Video, unter anderem die Visionen von Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, Stadtpräsident Stephan Nolte und des früheren Dompredigers Friedrich-Karl Sagert, erzählt Schauspielerin Ramona Rauchbach.

Nun hat Etappe zwei begonnen - und sorgt für erhebliches Aufsehen: der Bau der Arche auf dem Alten Garten. Aus allerlei merkwürdigen Materialien zimmern Künstler, Theaterhandwerker und interessierte Schweriner ein Rettungsboot. "Es wird eine begehbare Installation", verrät Zapfe. "Wir wollen angesichts der ganzen Diskussionen um Krise, Finanzloch und Rettungsschirm den Schwerinern ein Gesprächsangebot machen und laden sie ein in unsere Arche. Der Weg ins Rettungsboot führt allerdings nur durch unser Krisencamp", sagt der Schauspieler schmunzelnd. Und seine Kollegin Ramona Rauchbach ergänzt: "Der Eintritt kostet kein Geld, sondern eine Utopie, eine Vision für Schwerin und unsere Welt."

Geöffnet ist die Installation der Schauspieler mit dem Namen "Bugarach. Nach uns das Paradies" von morgen bis zum 22. September jeweils von 11 bis 14 und 15 bis 18 Uhr. Danach zieht die "Spielstätte Stadt" weiter Richtung Innenstadt. Am Südufer des Pfaffenteichs wird am 29. September ein Waschsalon der Utopisten eröffnet. Dort, wo früher die Waschweiber der Residenzstadt den neuesten Klatsch und Tratsch austauschten, sammeln dann die Schauspieler Sehnsüchte, Überzeugungen und Erinnerungen auf der Suche nach dem Stoff, aus dem die Zukunft sein könnte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen