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800 Jahre alter Silberschatz : Schatzfinder erntet keinen Dank

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Bernd Schattinger entdeckte im November 2002 die erste Münzen des ältesten Mecklenburger Geldes: Doch bei der aktuellen Grabung blieb der Hobbyarchäologe außen vor.

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2012 | 02:32 Uhr

Schwerin | Als in der vorigen Woche das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege einen 800 Jahre alten Silberschatz der Öffentlichkeit präsentierte, sprach Landesarchäologe Detlef Jantzen von einer Sternstunde, vom größten und ältesten Mecklenburger Geldschatz. Über diese Worte freute sich auch der Schweriner Bernd Schattinger, als er sie am Tag darauf in der Schweriner Volkszeitung las. "Das hatte ich gehofft und vom ersten Moment an vermutet", erzählt der Hobbyarchäologe stolz. Denn Bernd Schattinger war der erste Mecklenburger der Gegenwart, der eine Münze aus diesem Schatz in Händen hielt.

"Es war am frühen Abend des 30. November 2002", erzählt Schattinger, während er in dem von ihm akribisch angelegten Fundprotokoll blättert. Sieben Hobby archäologen aus der Schweriner Kuturbundgruppe und Freunde des damals gerade gegründeten Vereins für das Warnow-Richenberger-Land sind auf Spurensuche. Irgendwo an der Warnow, wahrscheinlich in der Nähe des heutigen Dorfes Karnin, stand die Burg Richenberg. Der Standort konnte bis heute nicht exakt lokalisiert werden. Die Geschichtsfans sind an diesem Abend eigentlich unterwegs, um nach alte Wegen zu dieser legendären Burg zu suchen. Sie haben sich vorbereitet, alte Karten studiert und gehen über einen frisch bestellten Acker nordöstlich von Schwerin. "Wir haben bis heute nicht verraten, wo der Schatz gefunden wurde. Das ist geheim", betont Herbert Remmel aus Pinnow, der dabei war. Und er ergänzt: "Natürlich war es wieder Bernd Schattinger mit seinem Archäologen-Blick, der den Schatz gefunden hat."

Zuerst war es nur ein Hohlpfennig. Dieses Stück Silberblech sah aus wie ein kleiner Metallknopf. "Als ich ihn in den Händen hielt, wusste ich sofort, dass das etwa ganz Besonderes ist - ein Brakteat aus dem Mittelalter", erzählt Schattinger. Die gesamte Gruppe erfasst Aufregung. Gemeinsam wird der Acker nach weiteren Stücken abgesucht. Noch viermal werden die Hobbyarchäologen fündig. Und damit nicht genug. Im Frühjahr kommen sie wieder. Sie entdecken ohne jegliches Hilfsmittel fünf weitere Münzen und dokumentieren auch diese Aktion. "Alles sprach dafür, dass es sich um einen kleinen Teil eines echten Schatzes handelt", berichtet Schattinger. Die zehn gefundenen Münzen lagen an der Oberfläche, sie waren trichterförmig verteilt. "Auch das wies auf einen zerpflügten Münzschatz hin", erläutert Remmel.

Am 22. April 2003 übergab Bernd Schattinger die zehn Münzen und die Fundmeldung an das Landesamt. Schattinger schrieb wenig später in der SVZ über den Schatz des Pribislav - ohne den Fundort zu verraten. Denn die ersten zehn Münzen aus dem Schatz trugen vier verschiedene Symbole: eine Burg mit fünf Türmen, einen gedrungenen Greif, eine Doppelbüste mit Schwert und einen Löwen. Daran erkannten die durchaus sachkundigen Laien den Bezug zu Heinrich dem Löwen, zur Entstehungszeit Mecklenburgs.

Nachdem die Hobbyarchäologen ihren Fund in die Hände der Profis übergeben hatten, erwarteten sie, dass das Landesamt sofort an die Bergung des Schatzes geht. Doch lange Zeit passierte nichts. Und die Hobbyarchäologen um den Entdecker Bernd Schattinger hörten noch länger nichts darüber, was aus der ganzen Sache geworden ist - bis zur vorigen Woche. Nun konnten sie in der SVZ lesen, dass ihre Hoffnungen und Erwartungen erfüllt wurden: 1600 bestens erhaltene Silbermünzen mit insgesamt 23 Prägemotiven, das älteste Geld Mecklenburgs.

Für Schattinger und Remmel hat dieser Münzfund aber auch eine Kehrseite: Gern wären die Entdecker bei den vor einigen Jahren begonnenen Ausgrabungen zur Bergung dabei gewesen. Das Landesamt hatte da ja auch Laien einbezogen. Aber nicht die Männer, die bei der Entdeckung dabei waren. Sie wurden nicht einmal über den Verlauf informiert. Und einen Dank oder eine Anerkennung hat Bernd Schattinger bis heute nicht erhalten. "Nachdem ich den Beitrag in der SVZ gelesen habe, schrieb ich sofort ans das Landesamt", berichtet Remmel. "Bislang habe ich keine Antwort erhalten."

Bernd Schattinger selbst will keine große persönliche Anerkennung. Dem Juristen und Bibliothekar wäre es viel wichtiger, wenn dieser Silberschatz ein Kern exponat des Archäologischen Landesmuseums werden würde. Doch über dieses Vorhaben wird nun schon seit Jahren viel geredet. Und die einst im Schweriner Schloss ausgestellten Exponate sowie die seitdem hinzu gekommenen Fundstücke liegen unter bekanntermaßen schlechten Bedingungen in Depots.

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