Schwerin : Schankwirt Berg macht Schicht

Dieter Berg zapft  noch bis Ende Juli Bier in seiner Gaststätte am Wittenburger Berg.
Dieter Berg zapft noch bis Ende Juli Bier in seiner Gaststätte am Wittenburger Berg.

Ex-Boxer hat 19 Jahre lang im „Olympia“ fröhlich eingeschenkt und ausgeteilt, doch jetzt hängt er den Kneipenschlüssel an den Nagel

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02. Juli 2014, 11:50 Uhr

„Dieter, mach mir mal ’n Bier“. Dieter Berg macht. Das ist sein Job. Es ist WM-Zeit. Deutschland spielt gegen Algerien. Bergs Gaststätte ist voll, das Spiel ist spannend, der Durst ist groß. Zapfhahn auf, Zapfhahn zu.     Dieter Berg schenkt fröhlich ein, in der Kneipe an der Ecke,  da wo die Straßenbahnen anfangen zu bremsen, wenn sie den Wittenburger Berg     hinunter rollen.   „Olympia“, das ist seine  Sportgaststätte.  Seit     fast 19 Jahren.  In knapp einem Monat, Ende Juli, ist sie es nicht mehr. Berg hängt den Kneipenschlüssel an den Nagel, um verstärkt das zu machen, was der Faustkämpfer schon immer gerne gemacht hat – sich dem Boxsport zu widmen. 

Franz Beckenbauer, Muhammad Ali und Ayrton Senna sind Stammkunden. Ganz ruhig,  ganz pflegeleicht. Ab und zu werden mal die Bilderrahmen abgestaubt, hinter denen die  Porträt-Fotos der Sport-Asse stecken. Aber Dieter Berg hat auch leibhaftige Prominenz in seiner Gaststätte begrüßt. „Ralf Rocciciano war hier, Dariusz Michalczewski und  Axel Schulz auch“, zählt der 48-Jährige einige  Boxer-Kollegen auf. Ruder-Olympiasiegerin Kerstin Förster war da, Skispringer Jens Weißflog und  Biathlet Frank-Peter Roetsch ebenso. „Und Schlagersänger Bernhard Brink“, erinnert sich der Kneipier, „kam nach einem Konzert auch mal ins ,Olympia’.“

„Olympia“, unter diesem Namen hat Berg am 9. November 1995 seine Gaststätte eröffnet. Olympia, ein Begriff, mit dem der Amateur-Boxer viel verbindet. Die Farben der DDR hat er vertreten, als er 1984 Junioren-Europameister und ein Jahr später Europameister im  Fliegengewicht wurde. 1992 gehörte er dann zum deutschen Olympiakader  und  stieg  in Barcelona  in den Ring. Trotz  einer Niederlage in der Vorrunde: die Teilnahme an diesem Wettbewerb war ein Höhepunkt in seiner  Karriere.

Fünf Ringe symbolisieren Olympia. Diese fünf Ringe hat Dieter Berg  auch  lange als Logo für seine Kneipe benutzt. „Bis 2006. Da drohte mir das Nationale Olympische Komitee mit hoher Geldstrafe, wenn ich weiterhin das Logo nutze.  Pro Verwendung 5100 Euro“, hat Berg in Erinnerung.  Da die Ringe  auch tausende seiner Werbe-Streichholzschachteln zierten, hätte  das Strafgeld schnell  in siebenstellige Höhe schnellen  können. Die Logos verschwanden, die Sportkneipe  blieb und Dieter Berg setzte weiterhin  darauf,    Bundesliga- und Champions League-Fußball anzubieten.

Viel Spaß und Arbeit, einige Zechpreller, ganz wenig Ärger – Gastronom Berg hat viel erlebt hinter dem Tresen. Seine Box-Vita war den meisten Gästen bekannt. Ein renitenter britischer Montagearbeiter wusste es erst, als er den Nahkampf suchte – und den Kürzeren zog.

Bald wird der Wirt  Gast sein – in seiner Ex-Kneipe. Die Sportgaststätte werde, so Berg, von einem neuen Betreiber fortgeführt. Der Boxer widmet sich stattdessen wieder seinem Kerngeschäft. Für den BC Traktor Schwerin ist er als Vizepräsident und Trainer tätig, sichtet und fördert Talente und reist mit ihnen  durch die Lande.

Deutschland hat Algerien besiegt. 2:1. Nichts für schwache Nerven. „Dieter, machst Du mir noch ’n Bier?“ Dieter macht.  Aber nur noch bis Ende des Monats. Dann ist für ihn Schicht.

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