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Bescheidene Aussicht in Lübstorf : Schandfleck ärgert die Nachbarn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Einst war es das schönste Haus in Lübstorf – nun ist das Gebäude im Birkenweg unansehnlich. Gemeinde sind die Hände gebunden

Sie und ihr Mann Klaus freuen sich über den Frühling. „Bald ist alles wieder schön grün und möglichst wenig vom Schandfleck zu sehen“, sagt Helga Pralow aus Lübstorf und zieht die Gardine wieder vor das Fenster im Obergeschoss. Denn noch sind die Äste kahl und der Blick aus den Giebelfenstern auf das leerstehende Haus im Birkenweg frei. Seit vielen Jahren haben sie und ihr Mann Klaus bereits diese, wie sie es nennt: „bescheidene Aussicht“. Mit dem Eigentümer der Ruine hält die Lübstorferin Kontakt. „Der Herr ist sehr freundlich, allerdings auch nicht wirklich bemüht, das Haus wieder schön zu machen“, erklärt Helga Pralow. Immerhin, so die Rentnerin, sei es einst das schönste Haus im Ort gewesen. Gern hört sie die Erzählungen ihres Mannes und stellt sich dann vor, wie schön das Haus wieder werden könnte. Aber nicht nur das beschäftigt die Lübstorferin. Sie hat die Nase voll – von der zusätzlichen Arbeit. Den Winterdienst und auch alle anderen Arbeiten, die laut Straßenreinigungssatzung vorgeschrieben sind, haben die Pralows in Abstimmung mit anderen Nachbarn viele Jahre übernommen. Damit ist nun Schluss. „Wir werden ja auch nicht jünger“, schiebt die Seniorin hinterher.

Im Amt Lützow-Lübstorf kennt man die Sorgen der unmittelbaren Anwohner. Die Mitarbeiter haben sich bereits mehrfach des Problems angenommen. Doch ihnen seien teilweise die Hände gebunden. Denn Verstöße gegen öffentlich-rechtliche Vorschriften, wie zum Beispiel gegen die Pflicht zur Straßenreinigung, stellen zunächst Ordnungswidrigkeiten dar, welche durch die zuständige Behörde nach pflichtgemäßem Ermessen verfolgt werden. Ob eine Verfolgung in Betracht kommt, ist „einzelfallbezogen“ zu prüfen.

„Bei wiederholten, groben Verstößen kann auch eine Reinigung durch die zuständige Behörde als Ersatzvornahme in Betracht kommen“, erklärt René Lendzian vom Ordnungsamt auf Nachfrage der Redaktion. Die Kosten der Ersatzvornahme hätte in der Regel der Reinigungspflichtige zu tragen. Allerdings müsste die Kommune in Vorleistung gehen. Lendzian führt weiter aus, dass es nicht die Aufgabe der örtlichen Ordnungsbehörden ist, im weitesten Sinne, überall und im Allgemeinen für mehr Ordnung zu sorgen.

Schön findet das auch Bürgermeister Michael Gräning nicht. „Wir sind als Gemeinde aber machtlos. Mehrfach haben wir den Eigentümer angeschrieben, ihm Hilfe angeboten. Selbst für einen Verkauf haben wir Unterstützung angeboten“, erklärt Gräning. Das Ergebnis: Dankende Ablehnung. Der Eigentümer wolle weder verkaufen noch demnächst in das Haus investieren.

Lediglich seiner Sicherungspflicht sei er vor gut einem halben Jahr nachgekommen. „Das gesamte Gelände ist jetzt eingezäunt und es besteht nicht mehr die Gefahr, dass Kinder sich dort verletzten oder Schlimmeres passiert, da der Zugang frei ist“, erklärt das Gemeindeoberhaupt. Und so heißt es auch vom Amt, dass aktuell in diesem Fall kein Verstoß gegen öffentlich-rechtliche Vorschriften festgestellt werden konnte. Die Möglichkeit, an einen Grundstückseigentümer die Bitte zu richten, auf seinem Grundstück für mehr Ordnung zu sorgen, habe eine Kommune immer. „Aber wie das Grundstück aussieht, das ist reine Privatsache, sofern es keine Umweltsünden gibt“, schiebt Bürgermeister Gräning hinterher. Dass die Anwohner sich von den Birken gestört fühlen, weiß er. „Aber sie stellen keinen Gefahr dar“, sagt er und verweist auf die jüngste Prüfung im Sommer vergangenen Jahres. Der Eigentümer könne sie zwar abnehmen lassen. Er muss es aber nicht.

Bürgermeister Michael Gräning weiß, dass der Besitzer des Grundstücks dafür derzeit kein Geld ausgeben will. „Aber wenn es ihm einer bezahlt, vielleicht macht er es dann“, so der Bürgermeister. Allerdings werde die Gemeinde Lübstorf dafür kein Geld geben. Aber sie werde weiter Hilfe anbieten, so die dann gewollt ist.

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