Schachmatt in Pampow

Die Figuren im Blick, den nächsten Zug im Kopf: Manfred Habedank (l.) und Peter Marx beim Schachspiel in der Bibliothek Pampow.
Foto:
1 von 1
Die Figuren im Blick, den nächsten Zug im Kopf: Manfred Habedank (l.) und Peter Marx beim Schachspiel in der Bibliothek Pampow.

Freunde des strategischen Brettspiels treffen sich immer donnerstags in der Bibliothek und opfern Bauern, damit es dem König gut geht

svz.de von
21. Juli 2015, 16:00 Uhr

Alle sind auf Position. König, Dame, Türme, Läufer, Springer, Bauern. Und die vier älteren Herren auch, die die Figuren gleich über die zwei Schachbretter dirigieren werden, um den Gegner in die Bredouille zu bringen – und bestenfalls auch matt zu setzen. Der türkische Kaffee ist aufgebrüht und die sizilianische Eröffnung kann kommen. Und sie wird kommen, denn Manfred Habedank beginnt ein Schachspiel gerne mit dieser Taktik.

Es ist Donnerstag. Das ist der Tag in der Woche, an dem in der Pampower Bibliothek die Bauern geopfert werden, damit es dem König gut geht. Dem König von Manfred Haberland geht es meistens gut. Kein anderer gewinnt in dieser Runde von Hobbyspielern so viele Partien wie er. „Aber das gönnen wir ihm“, sagt Uwe Meyer jovial – und konzentriert sich. Er hat heute als Erster mit der sizilianischen Eröffnung zu kämpfen.

Seit knapp fünf Jahren treffen sich die Ruheständler zum Königsspiel. Manchmal sind es sechs oder sieben, heute sind es vier. „Schach, das ist gut für die grauen Zellen“, sagt Elmar Nicklas, der mit seinen 78 Jahren der älteste Schachspieler in dieser Runde. Keine Uhr tickt, kein Spiel auf Zeit. „Alles ganz in Ruhe“, sagt Peter Marx. Das Schachspiel ist eine späte Leidenschaft des 70-Jährigen. Vor ein paar Jahren fing er erst damit an. Sein erster Gegner: ein Computer. „Ich spiele ganz gut. Dachte ich“, sagt Marx. Dann kam er in die Bibliothek, steckte Niederlagen ein, lernte viel und näherte sich Zug um Zug dem Niveau seiner Mitstreiter an. „Wir sind gute Amateure“, sagt Manfred Habedank (69). Und das haben auch schon Gastspieler zu spüren bekommen, deren Ehrgeiz und Großspurigkeit das eigene Können schlug. „Die Fehler sind da, sie brauchen nur noch gemacht zu werden“, hat der russische Schachmeister Savielly Tartakower einmal gesagt. Die Fehler des Gegners zu nutzen, eigene zu vermeiden. Den nächsten Schritt zu planen und den des Gegners zu erahnen – mit seinen geschätzten über 21 000 theoretisch möglichen Stellungen ist Schach das populärste Brettspiel in Europa. Wer Spaß daran hat, in der Pampower Runde mal mitzuspielen, der kann donnerstags, 15 Uhr, einfach mal in der Bibliothek auf einen türkischen Kaffee und eine sizilianische Eröffnung vorbeischauen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen