Welterbe in Schwerin : Schabracken zurück im Thronsaal

Textilrestauratorin Ulrike Herrklotsch hat den zweiten Fensterbehang angebracht.
Textilrestauratorin Ulrike Herrklotsch hat den zweiten Fensterbehang angebracht.

Historischer Fensterschmuck aufwendig restauriert

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27. Februar 2018, 16:00 Uhr

Die zweite alte Schabracke ist wieder da, wo sie hingehört: Im Thronsaal des Schweriner Schlosses. Die kunstvoll gestalteten Querbehänge aus dunkelrotem Samt, dekoriert mit vergoldeten Ornamenten aus Papiermaché, verleihen dem wichtigsten Prunkraum des Fürstenhauses besonderen Glanz. „Viel wichtiger aber ist, dass es ein Teil der Originalausstattung des Schlosses ist, nichts Nachgebildetes, sondern ein authentisches Stück Zeitgeschichte“, betont Dr. Irmela Grempler vom Verein der Freunde des Schweriner Schlosses. Dies sei gerade mit Blick auf die Schweriner Bewerbung für die Unesco-Welterbeliste von großer Bedeutung. Denn Authentizität sei ein wichtiges Kriterium für die Aufnahme in die Liste des Welterbes.

Insgesamt gehören in den Thronsaal vier Schabracken. Sie wurden bei der Renovierung in den 1970er-Jahren abgenommen und auf dem Dachboden gelagert, was ihnen aber nicht gut bekam. Der Schlossverein hatte sich die Restaurierung der Fensterbehänge auf seine Fahnen geschrieben. Doch das ist teuer. Die Kosten belaufen sich auf 100 000 Euro, die der Verein aus Spenden und Fördergeldern aufbringen will.

Warum die Schabracken so etwas Besonderes sind, erklärt Textilrestauratorin Ulrike Herrklotsch: „Diese Fensterdekoration aus vergoldetem Papiermaché auf Samt ist tatsächlich einmalig. Mir ist nicht bekannt, dass es in anderen Schlössern oder anderen Bauten solcherart Dekorationen noch gibt“, sagt sie. „Textile Ausstattung aus der Zeit des Historismus ist kaum noch vorhanden. Die wurde fast überall zu Beginn des 20. Jahrhunderts entsorgt“, weiß Dr. Jörg Meiner vom Finanzministerium. „Die weitere Erforschung der Herstellung der Schweriner Schabracken und ihre Restaurierung sind also auch ein Beitrag zur Baugeschichte des Schlosses“, ergänzt Dr. Grempler.

Nachdem Fensterschmuck Nummer zwei gestern seinen angestammten Platz im Thronsaal wieder eingenommen hatte, begann Ulrike Herrklotsch mit dem Verpacken von Nummer drei. Die soll in ihrer Werkstatt in Berlin restauriert werden. Die letzte folgt im nächsten Jahr. „Für die Bebilderung des Schweriner Welterbe-Antrages wollen wir dann Thronsaal-Aufnahmen mit allen vier haben“, sagt Dr. Grempler.

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