Schwerin : Ruinen ruinieren das Stadtbild

Das Strandhotel in Zippendorf ist der Schandfleck der Promenade. Doch das markante Gebäude soll erhalten bleiben. Mehrere Investoren sind daran aber schon gescheitert.  Fotos: Klawitter (6)
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Das Strandhotel in Zippendorf ist der Schandfleck der Promenade. Doch das markante Gebäude soll erhalten bleiben. Mehrere Investoren sind daran aber schon gescheitert. Fotos: Klawitter (6)

Landeshauptstadt kommt bei der Sanierung von markanten Gebäuden voran, doch beißt sich an einigen Schandflecken die Zähne aus

svz.de von
10. Januar 2016, 20:55 Uhr

Die Landeshauptstadt ist bei der Sanierung alter Gebäude in den vergangenen 25 Jahren gut vorangekommen. Das hässliche, einst Stadtbild prägende Grau ist farblicher Vielfalt gewichen. Prunkvolle Fassaden in der Altstadt künden von reicher Geschichte der Residenzstadt.

Um so stärker jedoch wirkt der Kontrast zu einigen markanten Gebäuden, die sich in erbärmlichem Zustand befinden und das Stadtbild verschandeln. Das kritisieren SVZ-Leser immer wieder am „Heißen Draht“. Doch wie soll es mit den Ruinen weitergehen? Welche Möglichkeiten hat die öffentliche Hand überhaupt, darauf Einfluss zu nehmen? SVZ sprach mit dem Baudezernenten Bernd Nottebaum über die Schandflecken.

Vize-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum erinnert zunächst daran, dass sich Schwerins Stadtbild seit der Wende enorm gewandelt hat. „Besucher schwärmen immer wieder davon, wie schön unsere Stadt geworden ist. Dabei kommt Schwerin sehr zugute, dass schon frühzeitig eine Erhaltungssatzung auf den Weg gebracht wurde. Dadurch konnte verhindert werden, dass nach der Wende in der Landeshauptstadt in großem Stile historische Bausubstanz abgerissen wurde, um billigen modernen Bauten Platz zu machen“, bilanziert der Baudezernent.

Doch wie sieht es heute mit Schandflecken aus? „In der Stadtbildserie der SVZ konnte man sehr gut sehen, was alles in den vergangenen Jahren erreicht wurde. Haben wir zur Buga 2009 noch über 20, 30 markante Gebäude und halbe Straßenzüge geredet, die unbedingt saniert werden müssten, so sind es heute gerade mal eine Handvoll“, sagt Nottebaum zugespitzt. „Doch mehrere davon bereiten uns echte Kopfschmerzen.“ Denn während sich beispielsweise für das alte Offizierscasino auf dem Artillerieberg mit der Unternehmensgruppe Hydraulik Nord ein potenter Investor gefunden habe, der das historische Gebäude rettet und zum Firmensitz umbaut, stehen für andere die Zeichen nicht so gut.

Jagdhaus Schelfwerder: Die Brandruine kann nur noch dem Erdboden gleich gemacht werden. „Das Baurecht ist erloschen und, ehrlich gesagt, Gastronomie hat an dieser Stelle auch kaum eine Chance“, so Nottebaum. Geld für einen neuen B-Plan in die Hand zu nehmen, lohne sich also nicht.

Anders verhält es sich bei der „Fähre“. An dieser Stelle kreuzen sich die Linien von Wassertouristen, Radfahrern und Ausflüglern. Die Lage ist reizvoll, hier wollen wir wieder Gastronomie“, sagt der Dezernent. Die Stadt sei bereit, auf dem angrenzenden Gelände auch Wohn- oder Ferienhausbebauung zuzulassen. „Wir sind mit einem Investor im Gespräch und optimistisch, zu einer Lösung zu kommen.“

Ähnlich sehe die Situation beim Kurhaus und Strandhotel aus. „Die Investoren können ihre Projekte aber nur dann wirtschaftlich gestalten, wenn neben der Sanierung der historischen Bausubstanz auch Neubauten entstehen. Wir ringen derzeit mit ihnen um Kompromisse“, sagt Nottebaum und nennt ein Beispiel: Was sei besser? Viergeschosser neben und hinter dem Strandhotel zu erlauben oder Dreigeschosser daneben und Fünfer dahinter?

Für die alte Schauburg gab es in den vergangenen Jahren schon viele Ideen, eine schien vor zwei Jahren greifbar nahe. Hotel und Einzelhandel sollten einziehen. Aber die Interessenten konnten sich mit dem Eigentümer nicht einigen. „Derzeit ist wieder alles offen“, vermerkt Nottebaum. Doch das Quartier habe Chancen. Anders als die alte Bezirksparteischule auf dem Apachenhügel im Mueßer Holz . „Dafür kommt meines Erachtens nur noch Abriss in Frage. Das Problem ist, dass das teuer wird und damit die Quadratmeterpreise für eine mögliche Neubebauung des eigentlich attraktiven Standortes ziemlich hoch sein werden.“

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