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Rollenspiele in Schwerin : Rokoko-Freunde inspizieren Schloss

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Lothar Bock fällt nicht auf, wenn aber aus Lothar Bock der Herzog Johann Ernst von Sachsen-Saalfeld wird, bleiben die Menschen stehen. Wie bei seiner historischen Gattin. Seit zwei Tagen weilt das Paar in Schwerin.

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erstellt am 13.Apr.2012 | 09:27 Uhr

Schwerin | Majestätisch steht er vor dem Schloss, im Arm hält er seine Gattin. Sie lächelt ihn an. Herzog Johann Ernst von Sachsen-Saalfeld besucht mit seiner Ehefrau Herzogin Charlotte Johanna von Waldeck die Landeshauptstadt Mecklenburgs. So jedenfalls könnte es zu Zeiten des Rokoko in Schwerin ausgesehen haben.

"Es ist schon etwas anderes, wenn man ein solches Kostüm trägt. Man geht anders, man fühlt anders, man redet anders, man benimmt sich anders", erklärt Herzog Johann Ernst von Sachsen-Saalfeld, hinter dem sich Lothar Bock verbirgt, der kaum wiederzuerkennen ist, wenn er seine historische Kleidung nicht trägt. Auch seine historische Gattin trägt in Thüringen, dort wo das Herzogspaar herkommt, einen ganz anderen Namen: Conni Knauer. Wenn sie aber ihr mossgrünes Barock-Kleid mit Reifrock trägt, schlüpft sie in die Rolle der Tochter von Graf Josias von Waldeck-Wildungen, der im 17. Jahrhundert gelebt hat. Denn in historischen Kostümen aus dem Spätbarock fühlen sich die beiden besonders wohl.

Seit zwei Tagen weilt das kostümierte Herzogspaar mit Gefolge in Schwerin: Philipp Reinhard Graf von Hanau wird von seiner Gattin Charlotte Wilhelmine Gräfin von Hanau begleitet. Prinz Christian Ernst von Sachsen-Coburg-Saalfeld und Christiane Friederike von Koss sowie Friederike Caroline von Sachsen-Coburg-Saalfeld reisten von Saalfeld in Thüringen nach Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als 450 Kilometer legte die Gruppe dabei zurück. "Sie besuchen mich", erklärt Anke Philipp, die seit einigen Jahren in Schwerin lebt. Ursprünglich stammt auch sie aus Thüringen. Doch nicht die bürgerliche Person steht bei dem Besuch der Thüringer im Vordergrund, sondern Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz. "Wir besuchen hier im Schweriner Schloss aber auch eine Verwandte von uns. Denn hier hängt ein Bild von Charlotte Sophie von Sachsen-Coburg-Saalfeld", erklärt Herzog Johann Ernst. Durch die Heirat mit Schwerins Erbprinzen Ludwig zu Mecklenburg am 13. Mai 1755 wurde aus der Prinzessin von Sachsen-Coburg-Saalfeld die Erbprinzessin zu Mecklenburg.

Immer wieder reist die Gruppe aus Thüringen in historischen Gewändern durch Deutschland und andere Länder. Das Rollenspiel bringt allen viel Spaß, denn sie kommen weit rum. Auch in Wien, Salzburg, Dresden und Venedig waren die Thüringer bereits zu Besuch. In den Städten zieht es die Gruppe vor allem zu den Barockschlössern. "Wir sind alle sehr daran interessiert, die Geschichte wieder aufleben zu lassen", erzählt Andrea Blochberger, die hinter der historischen Person von Christiane Friederike von Koss steckt. Die Idee, als Herzöge, Prinzen und Grafen aus dem 17. und 18. Jahrhundert durch verschiedene Städte zu wandeln, entstand vor einigen Jahren in Venedig. "Dort gab einen großen Umzug mit allen Epochen. Da waren wir vor Ort und haben auch unsere Kleider getragen. Und dabei sind wir auf die Idee gekommen, in historischen Kostümen andere Städte und ihre Schlösser zu besichtigen", verdeutlicht Matthias Nutsch.

Sechs Jahre ist dies nun her. Eigentlich besteht die Gruppe aus 14 Personen, aber nach Schwerin konnten nur sieben mitfahren. Der Älteste unter ihnen ist Lothar Bock. Seit 20 Jahren schlüpft der heute 85-Jährige immer wieder in sein Kostüm und verwandelt sich in Herzog Johann Ernst von Sachsen-Saalfeld. Sich dem Historischen widmen, das gefalle Lothar Bock. Doch nicht in jeder Stadt werden die Thüringer freundlich begrüßt. "In Potsdam hatten wir ein unschönes Erlebnis. Die haben mit Geschichtlichem einfach nichts zu tun", erinnert sich Andrea Blochberger, die an der Seite ihres Ehemannes mitgereist ist. Doch in Schwerin ist dies ganz anders. "Diese Stadt ist wirklich sehr schön ", so Andrea Blochberger. In Schwerin bleiben die Leute stehen und wollen Fotos von den Thüringern in ihren historischen Kleidern machen. "Wir haben uns die Altstadt angeschaut, den Dom und den Schlossgarten, eine Stadtrundfahrt gemacht und dabei gemerkt, dass wir in Schwerin sehr willkommen sind", so Herzogin Charlotte Johanna von Waldeck. "Nicht zu vergessen auch das schöne Schweriner Schloss - und zwar von oben bis ganz nach unten", ergänzt der Herzog. Noch hätten sie aber nicht alles gesehen, deshalb müssten sie weiterziehen - zum Vergnügen des "niederen Volkes", wie der Herzog zu sagen pflegt. Und er lächelt dabei.

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