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Schweriner Gesichter : Rockpoet unterrichtet in Schule

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der schwedische Autor und Musiker Johan Holmlund lebt in der Landeshauptstadt und arbeitet im Wismarer Gymnasium

In Schweden würden viele Menschen Johan Holmlund auf der Straße erkennen. Er ist ein bekannter Rockmusiker und seine Band „Easy“ wurde als potenzielle „Abba-Nachfolgerin“ gefeiert, auch wenn die Musik eine ganz andere ist. Gespielt haben die Musiker überall auf der Welt zwischen Großbritannien, Japan und natürlich Schweden.

Das ist zwar schon etwas her, aber die schwedische Indie-Pop-Gruppe aus Jönköping und Göteborg gibt es immer noch. 2015 tourte sie zum 25. Bandjubiläum durch Schweden. Ihr Frontmann Johan Holmlund reiste dafür aus Schwerin an. Er lebt in der Landeshauptstadt und arbeitet in Wismar. Der Mann mit den langen Haaren unterrichtet an der Großen Stadtschule „Geschwister Scholl“-Gymnasium Englisch und Schwedisch. Und er schreibt von hier aus erfolgreich Gedichte, ist mit diesen mittlerweile in Schweden erfolgreich und in Deutschland auf den besten Weg dorthin.

„Ich habe Arbeit gesucht“, erzählt er, wie es ihn nach Wismar verschlagen hat. Nach Deutschland gekommen ist er wegen seiner Frau – sie arbeitet im Schweriner Ministerium. Er hatte gehört, dass am Wismarer Gymnasium Schwedisch unterrichtet wird. Das passte.

Holmlund bewarb sich – er hat Anglistik, Skandinavistik und Geschichte studiert und 15 Jahre in Schweden unterrichtet – wurde angenommen und kam mit wenigen Brocken Deutsch aus den 1980er-Jahren aus seiner eigenen Schulzeit, an das Gymnasium. Konsequenter Sprachunterricht für die Schüler auf Englisch und Schwedisch ohne große deutsche Zwischentöne. Mittlerweile spricht er fast perfekt, aber seine Schüler wissen und schätzen es: Das ist der Lehrer, der mit ihnen nur englisch spricht. Oder eben schwedisch.

„Schwedisch ist eine gute Sprache für Poesie“, erzählt er von seiner großen Leidenschaft, der Lyrik. „Schwedisch ist eine singende Sprache.“ Das nutzt er. Das Schreiben ist seins. Die Lyrik, das Spiel mit den Worten, mit dem, was zwischen den Zeilen durchklingt. Mit dem Raum, den ein Gedicht, ein lyrischer Text erschaffen kann. Für „Easy“ schrieb er damals die Songs, aber auch für den bekannten schwedischen Musiker Håkan Hellström beispielsweise. Aus dem musikalischen Dichter ist ein Lyriker geworden, vielleicht etwas vorsichtiger als der Rockmusiker von 1990, etwas gereifter.

Johan Holmlund debütierte 2010 mit seinem ersten Gedichtband „Jag har simmat med monstret“ (Ich bin mit dem Monster geschwommen). Seine Frau übersetzt die Bücher ins Deutsche. 2014 kam der zweite Band der Gedichttriologie – „På land“ (An Land). In dem Jahr wurde Holmlund von der „Svenska Akademien“ für seine Leistung als Lyriker mit dem „Stina und Erik Lundberg¬ Preis“ gewürdigt. „Im neuen Meer“ heißt der dritte Band.

Im vergangenen Jahr war er viel auf Lesereise in Deutschland unterwegs, las unter anderem auf der Leipziger Buchmesse. „Die Menschen sind sehr interessiert an schwedischen Autoren, das ist gut“, schmunzelt er. Johan Holmlund beschreibt den Reiz der wenigen Worte: „Gedichte machen den Augenblick wichtig.“

 

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