Schwerin : Roboterfirma hält an Schwerin fest

Noch kein schöner Anblick, aber ein durchaus ausbaufähiger Ausblick: Auf dem Gelände des Straßenbauamtes am Ziegelsee möchte ein Investor bauen.
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Noch kein schöner Anblick, aber ein durchaus ausbaufähiger Ausblick: Auf dem Gelände des Straßenbauamtes am Ziegelsee möchte ein Investor bauen.

Obwohl das positive Signal der Politik ausblieb, springt Investor Goeke nicht ab. Anfang März gibt es Gespräche.

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04. Februar 2018, 21:00 Uhr

Es sollte in der vergangenen Woche ein klares politisches Signal werden: Ja, die IBG Goeke Technology Group ist in Schwerin willkommen und kann auf dem Wunschstandort am Ziegelsee bauen. So hatten es zuvor schon Finanzminister Mathias Brodkorb – das alte Straßenbauamt an der Güstrower Straße gehört dem Land – und OB Rico Badenschier gegenüber dem Unternehmen vermittelt. Doch das Signal blieb aus.

CDU und SPD in der Stadtvertretung konnten sich mit ihren Pro-Argumenten nicht durchsetzen. Die anderen Fraktionen wollten erst intensiv das Thema diskutieren – und ernteten dafür Kritik.

Die sei nicht berechtigt, heißt es von den Gerüffelten. „Das Totschlagargument: Arbeitsplätze um jeden Preis, das sollte in Schwerin nicht mehr gelten“, sagt Linken-Urgestein Gerd Böttger. Zudem habe für ihn die Kopplung der Gewerbeinvestition an lukrativen Wohnungsbau am Wasser etwas ganz Neues. Das dürfe keine Schule machen. Die Debatte in den Fachausschüssen sei für seine Fraktion der richtige Weg.

Noch drastischer wird Silvio Horn, Chef der Fraktion der Unabhängigen Bürger. Er bezeichnet die Kritik als „unsachlich und parteiinteressengesteuert“. „SPD und CDU scheinen im GroKo-Blues festzuhängen und dabei nicht zu merken, dass Ansiedlungsvorhaben nicht von zwei Parteien getroffen oder aus dem Landtag gelenkt werden. Zuständig ist die Stadtvertretung“, so Horn. Eine so wichtige Entscheidung könne nicht ohne konkretes Konzept und eine intensive Diskussion durchgewinken werden. Die Unabhängigen favorisieren am Standort eine Marina. „Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Schwerin.“

Und Grünen-Fraktionsvorsitzende Cornelia Nagel betont: „Mit der Entscheidung vom Montag wurde keine Investition verhindert, sondern ein üblicher demokratischer Diskussionsprozess in den Gremien der Stadtvertretung eingeleitet.“

Der Investor selbst hat sich deshalb nicht etwa verärgert von seinen Schwerin-Plänen verabschiedet. „Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen und investieren nur in langfristige Projekte“, betont Projektmanager Benedikt Ebert. Er macht aber auch klar, dass es nicht nur Schwerin für die geplante Investition mit 120 Arbeitsplätzen gäbe. „Wir werden uns intensiver mit anderen Standortmöglichkeiten beschäftigen, falls wir in Schwerin nicht willkommen sind.“

Für Wirtschaftsdezernent Bernd Nottebaum muss es dazu nicht kommen. Den Bau der Gewerbehalle könnte der Investor nach dem Kauf der Fläche vom Land sofort beantragen. Das könnte die Verwaltung genehmigen, ohne die Stadtpolitik zu involvieren. „Für den geplanten Wohnungsbau braucht es aber einen Bebauungsplan, den die Stadtvertretung beschließen muss“, sagt Nottebaum. In genau dieser Reihenfolge könne er sich eine Umsetzung des Vorhabens vorstellen. Dafür sollen Gespräche im Wirtschafts- und Bauausschuss Anfang März erfolgen, verbunden mit Gesprächen zwischen Investor, Invest in MV und den Fraktionsspitzen.

Wer aber ist der Investor? Die IBG Goeke Technology Group konzipiert und realisiert seit 35 Jahren als inhabergeführte Unternehmensgruppe kundenspezifische Produktionssysteme und hat ihren Hauptsitz im sauerländischen Neuenrade. 250 Mitarbeiter weltweit arbeiten an Technologien im Bereich Automatisierung und Anlagenbau. Doch was ist mit Lübeck, wo der Investor angeblich „das gleiche Spielchen“ versucht hätte? Projektmanager Ebert: „In der Hansestadt Lübeck investieren wir seit fast 20 Jahren.“ Zuletzt war mit Partnern ein Technologiepark für Elektromobilität und Leichtbau geplant. „Zudem sollte durch zusätzliche Wohnbebauung ein arbeitsplatznahes und attraktives Wohnen gewährleistet werden, damit für den Standort die besten Köpfe gewonnen werden können. Es sollte demonstriert werden, wie man unseres Erachtens angesichts des Fachkräftemangels sinnvoll gegensteuern kann. Leider konnte dieses Projekt nicht verwirklicht werden, da eine Bebauungsplanänderung notwendig gewesen wäre, die nach Rücksprache mit allen Verantwortlichen der Hansestadt aus vielerlei Gründen – auch Naturschutzgründen – nicht planungssicher war.“ Dennoch habe das Unternehmen mit 50 Mitarbeitern in Lübeck gerade ein Areal erworben und für die Verdopplung der Büro- und Produktionsflächen einen Bauantrag gestellt. „Wir wollen das Bauprojekt 2018 umsetzen“, sagt der Projektmanager.

Indes hofft die Schweriner Unternehmerschaft auf klare Signale aus der Stadtpolitik an den Investor. „Nur weil an anderer Stelle aus welchen Gründen auch immer Projekte des potenziellen Investors nicht umsetzbar waren, sollte die Stadt ihn nicht wie ein Kandidat zweiter Klasse behandeln, sondern ihm eine Chance geben“, mahnt Schwerins Unternehmerverbands-Regionalleiter Thomas Tweer.

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