100 neue Arbeitsplätze : Roboter-Firma will nach Schwerin

Auf dem Areal des früheren Straßenbauamtes möchte der Investor für seine IT-Profis Planungsbüros und Wohnungen mit Seeblick bauen.
Auf dem Areal des früheren Straßenbauamtes möchte der Investor für seine IT-Profis Planungsbüros und Wohnungen mit Seeblick bauen.

IGB Goeke Technology Group plant „Denkfabrik“ am Ziegelsee und Produktionsstätte in Göhrener Tannen

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26. Januar 2018, 05:00 Uhr

Überraschende Entwicklung für die künftige Nutzung des alten Geländes der Straßenmeisterei an der Güstrower Straße: Die weltweit agierende deutsche Unternehmensgruppe IBG Goeke Technology Group will sich in Schwerin ansiedeln und am Ziegelsee eine Denkfabrik für IT-Tüftler inklusive Wohnungen bauen. Das Positive: Die Investition würde eine Industriebrache beseitigen und rund 40 Arbeitsplätze schaffen. Das Negative: Bisherige potenzielle Investoren wie die LGE, die Wohnungen errichten wollte, oder Marina-Nord-Betreiber Reinhard Brandt, der eine weitere Marina inklusive Wassertankstelle bauen wollte, sind aus dem Boot.

Im nicht öffentlichen Teil des Hauptausschusses wurde die mögliche Ansiedlung der IBG am Dienstag diskutiert. Das ist ungewöhnlich, denn die Fläche gehört dem Land. Die Stadt ist lediglich für die Entwicklungsplanung zuständig. Dennoch gab es ein Signal in Richtung Unterstützung. Am Montag könnten die Stadtvertreter auf ihrer Beratung ein positives Signal in Richtung Investor senden. Die SPD hat einen entsprechenden Antrag vorbereitet. Ein zusätzliches Argument: Der Investor plant auch eine Produktionsstätte im Industriepark mit weiteren rund 60 Arbeitsplätzen.

 

Nach eigenen Angaben plant die IGB Goeke Technology Group ein Technologiezentrum als neue Niederlassung in Schwerin zu errichten, „die die zentrale Zuständigkeit für die strategische und technologische Entwicklung der Unternehmensgruppe erhält. Somit ist nicht nur ein spürbarer Beitrag zur Standortumfeldverbesserung Schwerins gegeben, auch die interdisziplinäre und unternehmensübergreifende Zusammenarbeit im Kontext strategischer Partnerschaften mit anderen technologieorientierten Unternehmen“, heißt es in einer in dieser Woche veröffentlichen Presseerklärung des Unternehmens. Und weiter: „Insgesamt besteht die Zielsetzung darin, das Technologiezentrum unter dem Gesichtspunkt von Industrie 4.0 und besonders unter dem Einsatz von Robotertechnologie zu schaffen. Es wird ein Inkubator-Zentrum für die Entwicklung von Industrie 4.0-Anwendungen und -Produkten geschaffen.“

Also alles bestens? Nicht wirklich, sagen die Unabhängigen Bürger. Denn einen Ansiedlungswillen habe Firmenchef Matthias Goeke bereits zuvor in Lübeck und Kiel bekundet – und sei dann abgesprungen. Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): „Wir haben alles, aber auch alles getan, um ihm die Realisierung seiner Vorhaben zu ermöglichen und hätten gern gesehen, dass sein Projekt verwirklich wird“, sagt er gegenüber den Lübecker Nachrichten. IBG, Spezialist für Roboter- und Automatisierungstechnik, wollte am Trave-Ufer bis zu 50 Millionen Euro investieren, den bestehenden Standort erweitern und neben Ikea ein „Entwicklungszentrum für Elektromobilität und Leichtbau“ mit 200 Arbeitsplätzen schaffen. Und nun Schwerin.

Oberbürgermeister Rico Badenschier hat seine Unterstützung für die mögliche Ansiedlung am Ziegelsee bereits schriftlich mitgeteilt – gemeinsam mit MV-Finanzminister Mathias Brodkorb. Ein entsprechendes Schreiben sei Firmenchef Goeke in dieser Woche auf der Messe Nortec in Hamburg übergeben worden, erklärte der OB. Am Montag soll das Votum der Stadtvertreter folgen.

Das Risiko für Schwerin ist klein. Die Gewinnchance der Ansiedlung eines Konzerns mit Niederlassungen in Europa, Asien und Nordamerika groß. Denn Schwerin muss lediglich die planungsrechtlichen Voraussetzungen der Ansiedlung schaffen. Besitzer der Fläche ist das Land, das direkt an den potenziellen Investor verkaufen möchte. Die Ansiedlungsexperten der Firma Invest in MV stehen wie auch Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hinter dem Vorhaben.
Der am Standort Ziegelsee ansässige Unternehmer Eckard Fischer hat sich laut OB Badenschier bereit erklärt, noch in diesem Jahr vor Ort eine mobile Wasser-Tankstelle etablieren zu wollen. Und auch Marina-Chef Brandt ist weiter im Rennen: „Es kann bei mehreren Bewerbern immer nur einer den Zuschlag erhalten. Aber natürlich werden wir mit Herrn Brandt im Gespräch bleiben – wie mit allen investitionswilligen Unternehmern in Schwerin“, sagt Oberbürgermeister Badenschier. Einziger Verlierer der neuen Entwicklung scheint die LGE zu sein. So wie in den Waisengärten wird sie das Gelände der früheren Straßenmeisterei nicht entwickeln dürfen.



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