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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. September 2017 | 13:46 Uhr

Ritter Katja in der Jubiläumsschlacht

vom

svz.de von
erstellt am 06.Jun.2010 | 05:57 Uhr

Schwerin | Ausschlafen? Fehlanzeige! Der Wecker von Katja Köhler klingelt am Sonnabend um kurz vor 6 Uhr. Ihr Auftrag: Mit Pony "Rafael" das Festbild 122 der Schweriner Karnevalsclubs anführen. Sie ist eine von mehr als 3000 Teilnehmern eines gigantischen Umzuges durch die Stadt. Puls: normal. "Rafael ist erfahren, was Feste angeht. Knallende Luftballons, johlende Menschen, Musik - alles kein Problem für ihn", sagt die 21-Jährige. Trotzdem: Ein bisschen aufgeregt ist sie schon, als sie um kurz vor 10 Uhr mit dem kleinen Team vom Mueßer Pony-Express auf der Wiese an der Lagerstraße ankommt. Die Sonne brennt vom strahlend blauen Himmel, eine riesige Zahl an Festwagen, Trucks, verkleideten Umzugsteilnehmern versammelt sich dort. Laune: mindestens so gut wie das Wetter, obwohl die meisten schon eine geraume Zeit im Stau gestanden haben. Den Sammelplatz zu erreichen, ist an diesem Morgen auch eine Geduldsleistung.

Um 11 Uhr ist offizieller Umzugsstart an der Alexandrinenstraße, doch an der Lagerstraße setzt sich niemand in Bewegung. Stattdessen: Warten, trinken, lachen, Äpfel und Schokoriegel verzehren, die es am zentralen Versorgungspunkt gibt. Katjas Puls beginnt schneller zu schlagen, Rafael wiehert. "Das Stehen ist für die Tiere am stressigsten", sagt Pony-Express-Chef Heinz Brüggemann. "Wenn sie erstmal gehen, ist alles in Ordnung." Um kurz nach halb zwölf setzt sich der Zug langsam in Bewegung, erst um 13 Uhr haben Rafael und Katja die Alexandrinenstraße erreicht. "Danach war es nur noch schön", schwärmt Katja, deren Lieblingssatz in den nächsten zwei Stunden sein wird: "Wo kommen bloß die ganzen Menschen her?" 200 000 sollen es nach offiziellen Angaben gewesen sein, die den rund vier Kilometer langen Umzug durch die Innenstadt bestaunten und beklatschten.

Den Weg entlang des Pfaffenteichs und durch die Fußgängerzone erlebt Katja Köhler wie im Rausch. "Aber das Allergrößte war der Alte Garten mit den jubelnden Leuten auf der Tribüne", sagt die Reiterin. "Zuerst war ich fast geschockt von den Massen, dann hat es einfach nur Spaß gemacht." Auch Rafael. Der wird mit Wasser gut von den Karnevalisten versorgt und hört an diesem Mittag mindestens fünfmal den Gassenhauer "Das rote Pferd". Außerdem hat er eine Begleitung am Zügel. Zur Sicherheit. "Ich glaube, mein Pony fand das alles fast so spannend wie ich." Nur manchmal ist Katja sprachlos, wenn Passanten direkt hinter ihrem Pony den Festumzug queren. "Wissen die nicht, dass ein Pferd ausschlagen kann?"

Erst am Ende der Werderstraße reicht es auch Rafael. Schließlich ist es jetzt schon fast 14.30 Uhr, ein anständiger Arbeitstag für ein Tier. Katja stärkt sich noch mit einer Bockwurst bei den Karnevalisten, mit denen sie an diesem Tag viele neue Freundschaften geschlossen hat. "Die sind genauso verrückt wie ich", sagt die angehende Versicherungskauffrau und Pferdenärrin. Nachdem Rafael wieder bei seinen 20 Pony-Freunden auf der Weide steht, geht Katja Köhler nochmal auf Derby. Mittelaltermarkt und Nena-Konzert. Bis Mitternacht will sie durchhalten.

Vom historischen Festumzug hat sie leider nichts mitbekommen und freut sich deshalb auf die Bilder in der SVZ. Sonntagfrüh geht es wieder raus zu den Pferden. Katjas Fazit: "Ein Superfest. Mein größtes Lob gebührt den Organisatoren: Hut ab vor dieser Leistung."

Neben dem Festumzug lockten noch Mittelalter-Spektakel auf dem Marktplatz, Barockfest rund um die Schelfkirche, Schlossfest und verkaufsoffener Sonntag Menschen aus der ganzen Region in die Landeshauptstadt. Ein Ansturm, mit dessen Dimensionen die Stadt so wohl nicht gerechnet hatte. Denn trotz Sonderbahnen des Nahverkehrs fuhren einigen Wagen an manchen Haltestellen einfach durch: Sie waren bis an die Kapazitätsgrenze voll. Und auch viele Mülleimer in der Stadt quollen schnell über - die Zusatzschichten der SDS reichten nicht aus, alle Behälter so schnell sauberzumachen, wie sie gefüllt wurden. Die alkoholfreien Getränke gingen auf dem Kunsthandwerkermarkt an der Siegessäule und auf dem Mittelaltermarkt zeitweise aus. An den Dixi-Toiletten standen die Notdürftigen Schlange ebenso wie an den Bratwurstbuden.

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