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Wiligrader Schlossparksanierung : Rhododendren atmen auf

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Bei der Gestaltung des Wiligrader Schlossparks musste jetzt kräftig die Säge angesetzt werden. Hunderte Fichten wurden gefällt. Diese stellten die Rhododendron-Anpflanzungen im wahrsten Sinne des Wortes in den Schatten.

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erstellt am 25.Jan.2012 | 11:51 Uhr

Wiligrad | Bei der Gestaltung des Wiligrader Schlossparks musste jetzt kräftig die Säge angesetzt werden. Hunderte Fichten, die zur DDR-Zeiten die Schule der Volkspolizei abschirmten, wurden gefällt. "Die gehörten hier gar nicht her", betont Dietmar Braune von der Schlösserverwaltung MV. Der Diplom-Gartenbauingenieur hat bei der seit dem Vorjahr laufenden Rekonstruktion des Waldparkes den Hut auf. "Das war eine Monokultur auf engem Raum, die die historischen Rhododendron-Anpflanzungen im wahrsten Sinne des Wortes in den Schatten stellte." Diese Büsche können jetzt wieder aufatmen. Davon sind neben Braune auch Nils-Holger Bartsch und Stefan Block vom am Park-Projekt beteiligten Ingenieurbüro überzeugt. Und den Beleg dazu finden die Fachleute gleich vor Ort. Denn bereits Anfang der 1990er-Jahre hatten Freunde des Wiligrader Schlosses am Waldrand einige Bäume abgenommen, um die noch vorhandenen Rhododendren wieder sichtbar zu machen. Diese Büsche haben sich prächtig entwickelt, sind heute inzwischen mehrere Meter hoch. Ihre Nachbarn führten bis jetzt unter den Fichten ein Schattendasein, wirken verkümmert. Die Landschaftsgärtner gehen davon aus, dass diese Pflanzen sich ebenfalls erholen werden. Vollkommen schutzlos durften die Rhododendren aber nicht stehen bleiben. Die Laubbäume zwischen den Fichten - zumeist Buchen, aber auch einige Birken und Eichen - wurden bei der Fällaktion bewusst verschont. "Die gehörten hier her", betont Braune. Zudem werden sie als so genannte Schirmbäume für die Rhododendren benötigt.

"Das ist super geworden", freut sich Revierförster Ronald Fass. Er hatte bei der Fällaktion aus forstlicher Sicht das Sagen. Ausgeführt wurden die Arbeiten aber von der Firma Korf mit einem Harvester. "Was die Männer hier mit der Technik geleistet haben, kann sich absolut sehen lassen", lobt der Förster. In den nächsten Tagen werden weitere Bäume gefällt. Gemeinsam legten Landschaftsgärtner und Förster fest, welche Gehölze entfernt werden müssen. Einige sind krank, können auf den bereits im Vorjahr angelegten Wegen gefährlich für Spaziergänger werden. Und auch die Sichtachse von der Rhododendron-Anlage zum Marstall soll wieder freigeschlagen werden.

Dietmar Braune freut sich noch aus einem anderen Grund über die gut gelaufene Fällaktion. Mit Schlösserverwaltung und Landesforst kooperierten zwei Landesbehörden - so konnten Kosten gespart werden. Braune und Fass rechnen zudem damit, dass der Erlös auf dem Verkauf der Stämme der 40 bis 50 Jahre alten Fichten nicht nur die Kosten der Fällaktion deckt. "Der Überschuss fließt direkt in das Parkprojekt", hebt Braune hervor.

Geld ausgegeben werden muss auch für die Neugestaltung des Areals, auf dem bislang die Fichten standen. Hier werden neue Rhododendren gepflanzt - und zwar die Sorten, die hier schon zu finden sind. Auch diese brauchen Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung. Deshalb werden junge Buchenbäume und -setzlinge in die Erde kommen. Aber nicht die ganze Fläche wird zum Rhododendron-Hain. Vor den Ziergehölzen ist der Schlossteich zu finden. Er soll wieder auf seine einstige Größe wachsen, die Wasserfläche muss dazu um etwa ein Drittel vergrößert werden. "Der Teich bleibt aber ein Flachgewässer", betont Nils-Holger Bartsch. Das Vorgehen ist mit der Naturschutzbehörde abgestimmt.

Für dieses Jahr ist bei der Parkgestaltung zudem vorgesehen, die freie Fläche zwischen Wald und Schloss wieder zu bewalden. Doch dazu müssen erst die einstigen Polizeibunker geräumt werden. Das Landesamt für Bodendenkmale ist gerade dabei, sein Depot zu verlagern. Danach rücken Abrissbagger an. Weichen müssen auch die modernen Skulpturen, die seit den 1990er Jahren nach und nach vom Kunstverein Wiligrad hier aufgestellt wurden. "Wir haben gemeinsam mit dem Kunstverein festgelegt, in welchen Bereichen des Waldparkes die Figuren wieder aufgestellt werden", berichtet Braune.

Der Waldpark wurde wie Schloss Wili grad selbst Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen. Damals umfasste er mehr als 200 Hektar. Bei der seit dem Vorjahr laufenden Parksanierung werden 19 Hektar in direkter Nachbarschaft zum Schloss nach historischem Vorbild gestaltet. Diese Fläche gehört dem Land. Nur weil Fördergeld aus Brüssel fließt, kann die Parksanierung umgesetzt werden. Insgesamt schlägt das Projekt mit 2,8 Millionen Euro zu Buche.

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