zur Navigation springen

Neue Energien in Leezen : Rezeptbuch für Bioenergie-Mix

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kein Platz für Windparks, viel Raum für Solaranlagen: Leezener stellen Machbarkeitsstudie zur Nutzung von regenerativen Ressourcen vor

von
erstellt am 22.Feb.2017 | 23:35 Uhr

„Das Rezeptbuch liegt vor. Darin kann sich jeder Leezener bedienen, um seinen eigenen Mix aus regenerativen Energien zusammenzustellen.“ So beschrieb Bürgermeister Gerhard Förster den Sinn der Machbarkeitsstudie zur Nutzung von Bioenergie in der Gemeinde. Eckdaten aus dem 150 Seiten umfassenden Papier stellten Benjamin Materne vom Büro Trigenius aus Wismar und Arne Rakel von der Landgesellschaft aus Leezen am Dienstagabend vor rund 50 Bürgern vor. Da ging es darum, welche Mengen an Wärmeenergie und Strom in den Dörfer der Gemeinde verbraucht werden und wie hoch das Potenzial ist, den Bedarf aus regenerativen Ressourcen vor Ort zu decken. Unterm Strich ergab die Analyse, dass sich rund um Leezen deutlich mehr Bioenergie gewinnen und in Wärme oder Strom umwandeln lässt, als die Leezener derzeit verbrauchen.

Wind spielt dabei nur eine geringe Rolle. Denn Natur- und Vogelschutzgebiete, Abstandsregelungen zu Wohnhäusern und touristische Schwerpunktsetzung lassen keinen Platz für Windparks übrig. „Einzig möglich wären Kleinwindräder an Gebäuden, vielleicht in Ergänzung zu Solaranlagen“, erläuterte Benjamin Materne. Solar habe in Sachen Strom das größte Potenzial. Nicht nur Dächer und Fassaden könnten genutzt werden, sondern auch ein jeweils 110 Meter breiter Streifen links und rechts der A 14. Letzteres gehe natürlich nur, wenn der Eigentümer der Flächen und ein Investor Solarparks für die Einspeisung ins Netz errichten. Für Privatpersonen interessanter sei die Stromerzeugung zur Deckung des Eigenbedarfs mit kleinen Solaranlagen, hob Arne Rakel hervor. Einfamilienhäuser lassen sich auch mit Pelletskesseln, Solarthermie oder Wärmepumpen heizen. Der derzeit günstige Preis für diese Rohstoffe sollte aber immer ins Verhältnis zu Investitionskosten gesetzt werden, empfahl Rakel. Dieser Grundsatz gelte auch für Fernwärmenetze in den Dörfern. Die Planer kamen in ihrer Analyse zu dem Schluss, dass es sich vor allem in Zittow lohnen würde, sich das für 78 Häuser genauer anzuschauen. Zur Dorfstruktur kommt dort hinzu, dass in vielen Haushalten demnächst in neue Heiztechnik investiert werden müsse. Auch in den alten Dorfkernen von Leezen, Rampe und Görslow sei das der Fall – in deutlich kleinerem Umfang. In den nach der Wende errichteten Wohngebieten lohne sich so etwas hingegen derzeit nicht. Zum Heizen in Blockheizkraftwerken könnten Holzreste, aber auch Heu und Weizenstroh sowie Holz von anzulegenden Plantagen verwendet werden.

„Wir können jetzt auf den Weg gehen, die Energiewende bei uns umzusetzen“, hob Gerhard Förster hervor. In der Debatte geäußerten Meinungen wie Sinnlosigkeit oder Zwangsanschluss hielt der Bürgermeister entgegen: „Die Studie gibt nichts vor, sie liefert Anregungen.“ Die Gemeinde will nun mit Interessenten Arbeitsgruppen bilden, in denen konkrete Projekte entworfen werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen