Zukunft für Schweriner Schrotträder : Rettung für „Fahrradleichen“ in Schwerin

Herausforderung und Spaß zugleich: Lukas Krieg (M.) zeigt Tom Kirchhoff (r.) und Max Maneda, wie ein altes Rad am besten wieder flott gemacht werden kann.
Herausforderung und Spaß zugleich: Lukas Krieg (M.) zeigt Tom Kirchhoff (r.) und Max Maneda, wie ein altes Rad am besten wieder flott gemacht werden kann.

In der Selbsthilfewerkstatt im Külzhaus bringt Lukas Krieg gemeinsam mit Jugendlichen kaputte Drahtesel wieder auf Vordermann

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07. März 2016, 23:00 Uhr

Kaputte, herrenlose Drahtesel, so genannte „Fahrradleichen“, blockieren viele Bügel am Marienplatz – die Fahrradwerkstatt im Külzhaus würde sie gerne wieder fit machen und spenden oder Einzelteile herausnehmen. Diesen Vorschlag hat der Leiter der Werkstatt, Lukas Krieg, bereits der Stadt unterbreitet. Dort müsse jetzt abgewogen werden.

Ein Fahrrad zu reparieren, das kann eine echte Herausforderung sein. Wer schon einmal Hand an Kette, Speichen, Bremse oder gar die Gangschaltung gelegt hat, der weiß das. Meistens gehört der unwillige Drahtesel dann in die Hände von Profi-Reparateuren. In der Fahrradwerkstatt im Külzhaus wird Hilfe zur Selbsthilfe gegeben – vor allem für Jugendliche. Auf Anfrage werden aber auch alte, ungenutzte Räder von Privatleuten abgeholt, wieder funktionstüchtig gemacht und zum Beispiel an Flüchtlinge abgegeben. „Wir sind aber keine Konkurrenz zu den Händlern. Wir machen hier keine kostenpflichtigen Reparaturen“, betont Lukas Krieg, der seit einem Jahr die Werkstatt betreut. Angestellt ist er bei der Sozialdiakonischen Arbeit – Evangelische Jugend. Die Selbsthilfewerkstatt ist ein so genanntes „sozialräumliches Angebot“, das die Stadt finanziert. Genau deshalb geht es hier nicht nur ums Reparieren selbst, sondern auch um die Gespräche dabei und um das neue Selbstbewusstsein, das die Jugendlichen gewinnen. Denn wer selbst ein Rad heile machen,vielleicht noch cool ansprayen oder anders „pimpen“ kann, der gilt etwas in seiner „Peer-Group“, sagt auch Matthias Dresow, Bereichsleiter Jugendhilfe bei der Evangelischen Jugend. „Das ist ein Mehrwert, den sie nirgendwo anders bekommen“, sagt er.

Montags und mittwochs von 13 bis 18 Uhr ist die Werkstatt im Hinterhof des Külzhauses geöffnet. Lukas Krieg, der nicht nur gelernter Zweiradmechaniker sondern auch staatlich geprüfter Erzieher ist, gibt Tipps und Hilfen. Sein Knowhow, das richtige Werkzeug und jede Menge Einzelteile machen knifflige Reparaturarbeiten sogar für 15- bis 18-Jährige möglich. „Auch für technisch Versierte bietet manch kaputtes Fahrrad noch genug Aufgaben: Eine defekte Nabenschaltung mit 90 Einzelschaltungen zum Beispiel“, sagt Krieg. Aber auch Siebenjährige im Demmler-Kinderheim, das er regelmäßig besucht, kann Krieg problemlos dazu motivieren, selbst einen Reifen am Rad zu flicken.

Doch nicht nur mit Kindern und Jugendlichen, auch mit Straffälligen arbeitet Lukas Krieg in der Fahrradwerkstatt. „Holzbock“ heißt der Motivationskurs, den das Gericht als Auflage für junge Täter verfügt.

Die Fahrradleichen auf dem Marienplatz würde Lukas Krieg gerne gemeinsam mit diesen Jugendlichen abholen und aufarbeiten. Denn dabei würden sie Wichtiges lernen über Ordnung, Sicherheit und Regeln in einer Stadt, würden etwas Nützliches für die Gemeinschaft tun und erfahren, wie viel Mühe und Arbeit es kostet, „aufzuräumen“, was andere achtlos stehen lassen.

Etwas 450 Jugendliche besuchten die Fahrradwerkstatt im Külzhaus im vergangenen Jahr, rechnet Matthias Dresow vor. Er ist stolz auf diese Bilanz. Gemeinsam mit Lukas Krieg ist er sicher: Die verlassenen Räder vom Marienplatz wären eine neue gute Gelegenheit, den guten Ruf der kleinen Selbsthilfe-Werkstatt noch weiter zu verbessern.

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