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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Oktober 2017 | 20:56 Uhr

Ab jetzt ist Ruhe : Requiem in Pop-Art

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Projekt nach dem Roman „Ab jetzt ist Ruhe“ von Marion Brasch in Schwerin

svz.de von
erstellt am 01.Nov.2016 | 12:00 Uhr

Erinnerung vorweg: „Da sind Leute, deren Arbeit nicht gebraucht wird, deren Talente die Gesellschaft für überflüssig hält.“ So Thomas Brasch über sein Gedankenspiel „Mercedes“, erstaufgeführt für die DDR im Januar 1988 in Schwerin bei den „Entdeckungen DDR-Dramatik“. Mit Stücken auch von den anderen Außenseitern Heiner Müller, Irina Liebmann, Lothar Trolle, gewidmet dem 90.Geburtstag Brechts. In dessen „Buckower Elegien“ hieß es schon 1953: „Freunde, ich wünschte, ihr wüsstet die Wahrheit und sagtet sie!“.

Thomas Brasch, nach der Haft seit 1976 in Westberlin lebend, war DDR-Dramatik auch im privaten Sinne. Die Konflikte zwischen Talent und Doktrin erschütterten ihn samt ganzer Familie, der ein hoher Funktionär vorstand, spaltete sie, verletzte jeden. Die Wahrheit darüber weiß und sagt die „kleine Schwester“, die Journalistin Marion Brasch in ihrem Roman „Ab jetzt ist Ruhe“. Sagt sie unverhüllt, zwischen Nähe und Distanz, berührt, beobachtend, nicht ohne Humor, frei von gängigen Klischees zum Thema DDR.

In seinem „Projekt“, uraufgeführt im Schweriner E-Werk, gestaltet Patrick Wengenroth mit fünf Spielern und einem Musiker eine Essenz des Romans, gleichsam ein Requiem in Pop-Art. Da erzählen und agieren nicht die Tochter, die Eltern und die drei Brüder als Personen, sondern in abrupten Wechseln ist jeder der oder die Andere oder erscheint auch doppelt. Ein Zeichen für Zerrissen-Sein, und das übersetzt den lakonischen Duktus der Autorin in einen Spielrhythmus, der an Beat denken lässt. Quasi in harten, knappen Takten das extreme Leben der Brüder, das dem Vater die Karriere kostet, Streit, Zerfall, Todesfälle und der ungebrochene Lebensmut der Schwester. Bunt gewürfelt die Ausstattung von Mascha Mazur, spöttisch gekrönt von Schönwetterwölkchen. Kommentiert mit Metaphern wie der Zerstörung des Heims, mit ironischen Gags, wenn Würste gegrillt werden vom Pianisten Matze Kloppe, der glänzende Musiklichter setzt. Andreas Anke, Vincent Heppner (stark das Lied der Traurigkeit), Stella Hinrichs, Martin Neuhaus (top mit Karat-Song) und Jennifer Sabel auf dem Karussell heftiger Emotionen. Keine Ruhe! Jetzt das Buch lesen!

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