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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. Oktober 2017 | 08:00 Uhr

Holland-Import : Reparieren mit Spaßfaktor

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im „Eiskristall“ werden jeden zweiten Donnerstag im Monat kaputte Haushaltsgegenstände wieder auf Vordermann gebracht

svz.de von
erstellt am 18.Jun.2014 | 12:00 Uhr

Sigrid Rau liebt alles, was mit Handarbeit zu tun hat. Petra Rußbüldt ist gelernte Feintäschnerin und hat Spaß daran, ihr Wissen weiterzugeben und zu zeigen, dass mit auch wenig Geld und alten Sachen noch viel geht. Horst Priem bastelt, seitdem er ein kleiner Junge ist. Zu Hause in Friedrichsthal hat er schon alles repariert, erzählt er lächelnd, jetzt schaut er sich gerne anderer Leute Probleme an und versucht, sie zu lösen - und oft zu löten.

Die drei Schweriner kommen aus unterschiedlichen Straßen, haben verschiedene Berufe, aber gemeinsame Ziele: Sie wollen ihr Teil beitragen zu weniger Müll und ein Zeichen setzen gegen die Wegwerfgesellschaft. Sie gehören zu den ersten, die beim Schweriner Repair-Café mitmachen, das jeden zweiten Donnerstag im Monat von 17 bis 19 Uhr im Stadtteiltreff Eiskristall am Berliner Platz öffnet.

Erst im Frühling wurde das Repair-Café aus der Taufe gehoben, Pate stand – wie so oft bei innovativen Projekten auf dem Dreesch – der Verein „Die Platte lebt“. Mittlerweile hat das kostenlose Angebot, das nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ gepaart mit Plauderei bei Kaffee und Kuchen funktioniert, schon viele Freunde gefunden. Mehr sind jederzeit willkommen und tatsächlich merkt man einigen Gästen, die mit Radiorekorder oder alter Trabi-Plane unterm Arm vorsichtig fragend ins Eiskristall kommen, noch eine gewisse Unsicherheit an. Hier wird wirklich kostenlos repariert? Sogar Altes, bei dem jeder Fachbetrieb abwinkt und zum Neukauf rät?

Das Repair-Café ist eine Initiative von Martine Postma. Das allererste Repair-Café organisierte sie im Oktober 2009 in Amsterdam. 2010 rief sie die Stiftung „Stichting-Repair-Café“ ins Leben. Auch die Schweriner sind dieser Organisation angeschlossen. Die Grundidee befürwortet „Die Platte lebt“ voll: Das Wissen, wie man Dinge repariert, verschwindet schnell. Wer dieses Wissen noch hat, wird von der Gesellschaft häufig nicht besonders hoch geschätzt und steht ungewollt am Rande.

Repair-Cafés wollen das ändern. Dort findet ein praktischer Wissensaustausch statt, der Spaß machen soll und zeigen, dass das Reparieren ganz einfach ist. Weltweit gibt es von Australien bis Kanada heute mehr als 400 Repair-Cafés.

Eine Stereoanlage Prominent de Luxe 210, Baujahr 1977, steht bei Horst Priem im Eiskristall auf dem Tisch. Der Netzschalter ist kaputt, ansonsten ist alles pikobello, deutsche Wertarbeit. Ein Originalteil gibt es nicht mehr, aber Horst Priem hat ein Baumarkt etwas Passendes besorgt. „Das muss jetzt gelötet werden“, sagt der gelernte Mechaniker, der für Gespräche eigentlich keine Zeit hat. Denn seine Arbeit im Mechanik- und Elektrobereich ist hier hoch begehrt. Und obwohl er sich immer beeilt, nimmt er doch nach jedem Repair-Café noch Teile mit nach Hause, die er dort fertig macht. Eine Brotschneidemaschine hat er an diesem Donnerstag in wenigen Minuten wieder fit gekriegt. Jetzt ist die Stereoanlage dran. Dann warten ein Mixer und ein Radiorekorder.
Petra Rußbüldt hat derweil einen Schonbezug für einen Trabant repariert und zugleich eine Nähmaschine der Marke Veritas gecheckt. Beides hatte ein Kunde mitgebracht, der auch eine Tasche der Sorte dabei hatte, die Petra Rußbüldt beim Lederwarenwerk noch selbst hergestellt hat. Ein Hauch von Erinnerung und Sentimentalität weht durch den Raum. Die Veritas bekommt von der Expertin übrigens die Bestnote „unverwüstlich“.

Sigrid Rau hat indessen einige Startschwierigkeiten. Eigentlich wollte sie heute aus alten Hosen neue Taschen nähen, aber die Maschine streikt. Während man noch auf den Reparateur wartet, tun Sigrid Rau und ihre Kundinnen das, was beim Repair-Café auch so wichtig ist: klönen, Erfahrungen austauschen, Kontakte knüpfen. Sigrid Rau erzählt von den Kre-aktiv-Weibern, bei denen sie mitmacht. Und wenig später schon rattert die Nadel durch den Stoff.



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