Schwerin : Rentner als Schlossherren

Ein guter Schachzug von Petra Weichert: Die Einrichtung der Senioren-WG auf Schloss Trebbow. Hier mit Bruno Laczkowski und Pflegerin Franziska Teichert .  Fotos: Katja Frick
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Ein guter Schachzug von Petra Weichert: Die Einrichtung der Senioren-WG auf Schloss Trebbow. Hier mit Bruno Laczkowski und Pflegerin Franziska Teichert . Fotos: Katja Frick

Das Projekt Senioren-Wohngemeinschaft in Klein Trebbow ist Wirklichkeit: Petra Weichert bietet individuelle Pflege an

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20. September 2018, 05:00 Uhr

Bruno Laczkowski (86), Marion Grönhold (84), Michael Behnke (57) und Karl-Heinz Böök (80) sitzen gemütlich auf der Schlossterasse und genießen die Spätsommer-Sonne. Seit dem 1. August sind sie Bewohner des Schlosses von Klein Trebbow. Die erfahrene Pflegedienstleiterin Petra Weichert hat zusammen mit ihrem Lebensgefährten Steffen Welke wie angekündigt ihren Plan wahr gemacht und eine Senioren-Wohngemeinschaft in den hochherrschaftlichen Räumen eingerichtet. Derzeit wohnen darin acht Menschen, die nicht mehr eigenständig leben können, ab dem 1. Oktober werden es 13 sein, bis zum Ende des Jahres 30.

Jeder Schlossbewohner hat ein ein eigenes Zimmer, immer vier bis fünf bilden eine Wohngemeinschaft und nutzen gemeinschaftlich eine Küche mit Ess- und Wohnraum sowie ein Bad. Für manche wie Gisela W. wurde auf Wunsch auch ein Waschbecken im Zimmer eingebaut. Die 86-Jährige lebte jahrzehntelang als Lehrerin in Groß Trebbow und hatte in ihrem Schweriner Pflegeheim Sehnsucht nach ihrer Heimat (SVZ berichtete). Nun wohnt sie tatsächlich seit dem 29. August in einem Turmzimmer des Schlosses, wie alle anderen konnte sie ihre Möbel mitbringen. 450 Euro kostet die Miete für ein Zimmer, 300 die Vollverpflegung. Die Pflege- und Betreuungskosten übernimmt die Krankenkasse.

„Ich bin sehr zufrieden“, sagt Petra Weichert. „Ich wollte etwas anderes als den üblichen Pflegealltag. Mit der Routine-Pflege komme ich überhaupt nicht klar. In den Pflegeheimen fehlt die individuelle Betreuung, die Mitarbeiter sind alle überlastet. Da ist es kein Wunder, dass das keiner mehr machen will.“ Sie konnte sich dagegen ihre derzeit acht Mitarbeiter aussuchen. „Wir hatten 70 Bewerber. Dabei habe ich keine Werbung gemacht, sondern nur bei ebay-Kleinanzeigen angegeben, dass die Senioren-WG eröffnet hat.“

Bis Ende des Jahres werden noch fünf weitere Mitarbeiter eingestellt, aber die Jobs sind alle schon vergeben. Dabei hat Petra Weichert darauf geachtet, mit Menschen vor Ort zu arbeiten. Vier von ihnen kommen aus den Dörfern der Umgebung. Auch mit der Belegung der Plätze gibt es keine Probleme, nur noch drei Zimmer sind frei. „Wir arbeiten eng mit der gerontopsychiatrischen Abteilung der Schweriner Helios Klinik zusammen und haben eine Kooperation mit der Palliativabteilung dort geschlossen“, so Weichert. Die Gemeinde unterstütze das Projekt: „Bürgermeister Holger Bannuscher war bei der Einweihung, er und sein Stellvertreter Rainer Kloth stehen voll hinter uns.“ Leider gebe es aber auch Unmut im Dorf. „Die Leute verstehen nicht, warum wir das Gelände umzäunen wollen, sie waren es gewohnt, hier spazieren zu gehen. Aber wir haben hier Demenzfälle, das geht nicht anders.“ Und leider traue sich Michael Behnke auch nicht mehr, in seinem Elektro-Rolli nach Lübstorf einkaufen zu fahren. Da habe ihn vor einiger Zeit eine Dame im Dorf angehalten und beschimpft, dass er nicht im Schloss wohnen solle. Der Vorfall war auch Thema bei der vergangenen Gemeinderatsitzung.

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