Klein Rogahner Gastfreundschaft : Reisen mit Familienanschluss

Derzeit besucht eine Reisegruppe aus dem kanadischen Ottawa Schwerin. Die 13 Gäste sind hier in Familien untergebracht – Friendship Force macht’s möglich. Austauschleiter der Fahrt ist Heiner Kley (r.). Er hat das Programm für die Urlaubswoche erstellt.
Derzeit besucht eine Reisegruppe aus dem kanadischen Ottawa Schwerin. Die 13 Gäste sind hier in Familien untergebracht – Friendship Force macht’s möglich. Austauschleiter der Fahrt ist Heiner Kley (r.). Er hat das Programm für die Urlaubswoche erstellt.

England, Japan oder Peru: Friendship-Force-Verein ermöglicht Touren durch die Welt – und gewohnt wird bei den Gastgebern

svz.de von
22. Mai 2017, 12:00 Uhr

In Deutschland gibt es mehr als 620 000 eingetragene Vereine. Dort treffen sich Menschen, um Sport zu treiben, ihren Hobbys nachzugehen, Traditionen und Kultur zu pflegen, zu helfen oder zu fördern. Die SVZ besucht einige der mehr als 100 Vereine im Schweriner Umland, um zu erfahren, warum sich Menschen in Vereinen engagieren, was ihnen wichtig ist und mit welchen Problemen sie dort zu kämpfen haben. Heute stellen wir den Verein Friendship Force Schwerin vor.

Am Küchentisch der Familie Köster aus Klein Rogahn geht es durchaus gesellig zu. Und weltoffen. Da plaudert schon mal ein Professor für Plasmaphysik über sein Leben in den Vereinigten Staaten, da erzählt eine Lehrerin aus Bristol, wie es sich so an Englands Küste wohnen lässt, und da erfahren die Kösters, jede Menge über die Arbeit einer Meteorologin aus Russland. Seit Ursula und Hans-Jürgen Köster aus Klein Rogahn Mitglied im Verein Friendship Force sind, bekommen sie regelmäßig Besuch aus dem Ausland. Und einmal bekamen sie auch ein Paket aus Dayton, Ohio, USA, das mit dem Etikett Salatdressing versehen war. „Drin war aber eine Flasche Bourbon, den ich unbedingt mal probieren sollte“, freute sich Hans-Jürgen Köster über das Geschenk eines Austauschgastes, der das Paket in den Staaten erst versenden konnte, als er es anders deklariert hatte. „Über diesen Verein haben wir viele nette und interessante Menschen kennen gelernt. Und einige echte Freundschaften sind auch entstanden“, sagt Hans-Jürgen Köster. Das passt, denn die Idee von Friendship Force, das so viel wie Kraft der Freundschaft heißt, möchte eben auch das erreichen. Sein Englisch, sagt der Angestellte des Schweriner Wirtschaftsministeriums, habe sich mit der Zeit auch wesentlich verbessert.

Es ist schon einige Jahre her, da war Ehepaar Köster in den Vereinigten Staaten, freute sich, den Sohn in seinem Austauschjahr dort zu besuchen. „Und dann stammelte ich dort Englisch wie ein kleiner Anfänger“, sagt Hans-Jürgen Köster. Das mit der Sprache, das wollte er unbedingt ändern. Wie das am besten geht? In dem sie möglichst oft gesprochen wird. Und dann sah er einen Zeitungsartikel, in dem über den Friendship-Force-Verein in Lübeck berichtet wurde. Das war 2007. Die Kösters traten in den Verein ein, der Teil eines globalen Netzwerks mit über 250 Austausch-Fahrten pro Jahr ist. Von Australien bis Zypern, von Brasilien bis Weißrussland – wer die Zeit und das nötige Geld aufbringt, dazu noch bereit ist, Gäste privat aufzunehmen, der kann kreuz und quer durch die Welt reisen und mit Familienanschluss viel mehr erleben, als es in der Regel Pauschalurlauber können. Köster: „Mein Sohn sagt immer, das ist wie ein Schüleraustausch für Erwachsene.“

Vor fünf Jahren gründete sich der Schweriner Friendship-Force-Verein, als der Lübecker Club unter anderem zu groß wurde. „Derzeit sind wir in Schwerin 38 Mitglieder. Ein paar mehr könnten es durchaus noch sein, damit wir auch unseren Besuchern genug Unterkünfte bieten können“, sagt Vorsitzender Köster. Der Jahresbeitrag kostet 50 Euro pro Person.

Gerade ist eine Gruppe aus dem kanadischen Ottawa zu Besuch in der Landeshauptstadt. Für das Programm ist immer ein Austauschleiter zuständig. Auf dem Fahrplan stehen: Ein Tag in Wismar, Theater-, Schloss- und Schleifmühlenbesuch in Schwerin und auch ein Barockfest im Schloss Ludwigslust. Mit einer Party heute Abend in der Seehofer Campingplatz-Gastronomie „Zum Oberförster“ geht die Tour zu Ende.

Um die 15 Mal haben die Kösters schon Besuch empfangen, ein halbes Dutzend Mal gingen sie mit dem Verein auf Reisen. „Immer wieder   spannend“, erzählt Hans-Jürgen Köster. „Im japanischen Ota Gumna haben wir auf Schlafmatten übernachtet. Und wenn wir auf die Toilette mussten, haben wir die Hausschuhe gegen andere Hausschuhe getauscht“, erinnert sich der 65-Jährige. Gegessen wurde im Schneidersitz. Und dabei konnten dann die Kösters erzählen, wie es sich denn so leben lässt in einer wasserreichen Stadt in Deutschland, in der ein wunderschönes Schloss steht.

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