Crivitzer schafft es nach Washington : Reine Nervensache

Diesem Anatomie-Modell des Gymnasiums Crivitz hat Julius Böhme schon oft das Gehirn entnommen. So ein Modell, sagt er, hätte er auch ganz gerne. Das Problem: Es kostet mehrere tausend Euro.
Diesem Anatomie-Modell des Gymnasiums Crivitz hat Julius Böhme schon oft das Gehirn entnommen. So ein Modell, sagt er, hätte er auch ganz gerne. Das Problem: Es kostet mehrere tausend Euro.

Crivitzer Gymnasiast Julius Böhme vertritt Deutschland bei internationalem Neurowissenschaften-Wettbewerb in Washington

von
03. Juni 2017, 12:00 Uhr

Wer die Antwort auf die Frage kennt, welcher Hirnnerv die Funktionen Schlucken, Lautbildung und Speichelabsonderung übernimmt, der beschäftigt sich mit dem Thema Neurowissenschaften. Julius Böhme weiß , dass das der Nervus vagus ist und befasst sich so intensiv mit Neurowissenschaft, dass der 17-jährige Schüler des Crivitzer Gymnasiums „Am Sonnenberg“ Deutschland bei einem internationalen Neurowissenschaften-Wettbewerb in Washington D.C. vertreten wird. Um das machen zu können, bedurfte es aber weit mehr, als nur einer richtigen Antwort.

Ein Sonnabend im Mai. Universität Heidelberg. Hier sind gute Nerven gefragt. Sehr gute. Wer hat die besseren? Julius Böhme, der Elftklässler aus Crivitz. Oder Rebecca Zierold, die Abiturientin aus Jena  ? Über 100 andere Schüler der Klassen 9 bis 13 haben die beiden hinter sich gelassen bei der Deutschen Neurowissenschaften-Olympiade, die von einem Verein gleichen Namens ausgetragen wird. Erst in den Vorrunden im April, jetzt im Laufe des Finaltages. Nun geht es um ein Forschungspraktikum in einem neurowissenschaftlichen Labor und die Teilnahme am „International Brain Bee“-Wettbewerb in den Vereinigten Staaten.

Wer zuerst zwei Fragen falsch beantwortet, der ist raus. Die beiden noch im Wettbewerb verbliebenen Kandidaten haben jeweils einmal daneben gelegen. „Es war absolut spannend und aufregend. Dann kam die Frage, und ich wusste, dass sie die Antwort weiß. Aber sie hat falsch geantwortet“, sagt Julius Böhme fast schon entschuldigend.

Crivitz, drei Wochen später. Julius Böhme sitzt in dem Raum des Gymnasiums, in dem er sich besonders gerne aufhält. Im Bioraum stehen Vitrinen an der Wand, in denen Kröten in Gläsern oder Skelette von Fischen aufbewahrt werden. Der junge Mann mit hellem Haar und dunkler Brille kommt gerade vom Schulsport. Leichtathletik. Kugelstoßen und Weitsprung fallen ihm schwer. Ansonsten 1,0 – in allen Fächern. Der Julius, sagen seine Lehrer, der hat trotzdem Bodenhaftung. Sie beschreiben ihn als offen, sympathisch, zurückhaltend. Und interessiert. „Julius denkt über den Tellerrand hinaus. Ihn beschäftigt nicht nur das Handy, sondern auch das, was auf der Tafel steht“, freut sich Biologie-Lehrerin Christine Detenhoff.

Das Interesse an Neurowissenschaften, sagt Julius Böhme, hat einen privaten Hintergrund. „Mein Opa war an Parkinson erkrankt. Ich habe mich gefragt, was das für eine Krankheit ist, wollte verstehen, was mit Opa passiert und warum es passiert“, sagt Julius. Er erfährt vom Juniorstudium in Rostock, lädt sich Uni-Vorlesungen zum Thema Neuro-Anatomie aus dem Internet. Da ist er 15 Jahre. Später erfährt er von der Neurowissenschaften Olympiade, an der er auf Lehrerempfehlung teilnehmen darf und startete im vergangenen April beim Vorentscheid in Berlin, während sich parallel in Frankfurt und Bonn auch die jeweils 15 Besten für die Endrunde in Heidelberg qualifizierten. Die Aufgaben dort: schriftlicher Test, Praxisteil, bei dem Gehirnmodelle und echtes Gewebe verwendet wurden, Patientendiagnose mit Videos und Fragerunden – und das alles auf Englisch.

Julius hat es geschafft. Anfang August geht es mit Freundin und Eltern in die Staaten, wo beim internationalen Wettbewerb Kandidaten aus allen fünf Kontinenten antreten werden. „Ein Deutscher hat diesen Wettbewerb noch nie gewonnen, beste Platzierung war Rang elf“, sagt der Mecklenburger. Sein Ziel: Er möchte unter die ersten Zehn kommen.

Nur zu lernen, das ist nicht Julius Böhmes Ding. Er mag Musik von den Ärzten, findet das Fußballteam von Werder Bremen, Star Wars-Filme, Mountainbike-Profi Brandon Semenuk und Karate-Sport gut. Später, sagt er, möchte er einmal Mediziner werden. Seine Lehrer und Mitschüler werden nicht daran zweifeln, dass Julius Böhme auch einer werden wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen