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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. November 2017 | 03:19 Uhr

Zur Kasse gebeten : Reha selbst zahlen oder wechseln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Verein Argus regelt Wassergymnastik neu: Wer in Krebsförden bleiben will, muss in die Tasche greifen / MS-Kranke aus Pampow verärgert

So leicht gibt Barbara Tempcke nicht auf. 2008 bekam die Pampowerin die Diagnose: Multiple Sklerose – MS. Seitdem kämpft die 51-Jährige gegen die Krankheit. Wassergymnastik hilft ihr dabei, beweglich zu bleiben. Den Sport erhält Tempcke auf ärztliche Verordnung. Doch nun zahlt sie für die Gymnastik drauf – eigentlich gegen ihren Willen. Aber der Reihe nach.

Einmal in der Woche fährt Barbara Tempcke zur Wassergymnastik nach Krebsförden. Der Schweriner Verein für Aktiv-, Rehabilitations-, Gesundheits- und Seniorensport – kurz Argus – bietet den Kurs im dortigen Sportpark „belasso“ an. „Vor einigen Wochen bekamen wir die Mitteilung, dass nur noch Selbstzahler in Krebsförden bleiben können“, berichtet Tempcke. Wer ein Rezept habe, müsse in die Schwimmhalle in Lankow wechseln.

Das Problem: „Das Kinderbecken, in dem die Gymnastik in Lankow stattfindet, ist zu flach. Das Wasser reicht an der tiefsten Stelle nur bis zum Bauchnabel“, schildert Barbara Tempcke. Der gesundheitliche Effekt für sie als MS-Kranke sei deshalb gering. Die Pampowerin ärgert sich aber noch über etwas ganz anderes: „Hier entsteht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft“, sagt sie. „Das finde ich nicht in Ordnung.“

Und was sagt der Verein Argus? Er beruft sich in einem Schreiben an unsere Redaktion auf „sozialrechtliche Vereinbarungen zum Rehabilitationssport“. Danach dürften Teilnehmer mit einer Kostenübernahmeerklärung durch die Krankenkasse die Wassergymnastik nur in einer Gruppe mit maximal 15 Personen betreiben, außerdem müsse eine Übungszeit von mindestens 45 Minuten eingehalten werden. Vor diesem Hintergrund biete das Becken in der Schwimmhalle Lankow einen angemessenen Rahmen, erklärt Jürgen Patzwaldt, Argus-Bereichsleiter für die Wassergymnastik. An den beiden anderen Gymnastik-Standorten, im „belasso“ und im Mecklenburgischen Förderzentrum für Körperbehinderte in Lankow, könnten jeweils mehr Teilnehmer in den Gruppen trainieren. „Unser Ziel ist es, die Wassergymnastik möglichst vielen Interessierten anzubieten“, betont Patzwaldt. Leider verfüge Argus aber über keine eigenen Schwimm- und Therapiebecken und müsse sich den räumlichen Gegebenheiten in Schwerin anpassen. Durch die Neuaufteilung der Gruppen sollen Rezept-Inhaber aber keinesfalls zurückgesetzt werden, versichert der Bereichsleiter.

Fernando Reich vom Verband für Behinderten- und Rehabilitationssport MV, der über die Einhaltung der Regeln für den ambulanten Reha-Sport im Land wacht, bestätigt die Konditionen, die von Argus genannt werden. „In Gruppen mit mehr als 15 Teilnehmern und Zeiten im Wasser unter 45 Minuten kann die Qualität einer Reha nur schwer gewährleistet werden“, so Reich. Damit sei freilich noch nicht gesagt, wie Gruppen aufgeteilt werden sollen und wo die Gymnastik für welchen Personenkreis stattfindet.

Barbara Tempcke sieht sich durch die neue Organisation der Wassergymnastik bei Argus in die Rolle einer Selbstzahlerin gedrängt. Auf der anderen Seite will sie aber auch auf die bisherige Qualität der Gymnastik im „belasso“ nicht verzichten. Deshalb hat die 51-Jährige jetzt erst einmal die Gebühr für ein halbes Jahr bezahlt. „Obwohl meine Verordnung noch bis 2017 reicht“, sagt sie.

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