Arbeitsmarkt : Region wirbt um Fachkräfte

Diskutierten bei der IHK: Peer-Oliver Villwock, Katarina von Bönninghausen-Budberg, Steffen Himstedt und Peter Todt (v.l.).
Diskutierten bei der IHK: Peer-Oliver Villwock, Katarina von Bönninghausen-Budberg, Steffen Himstedt und Peter Todt (v.l.).

Betriebsklima wichtiger als Gehalt: Westmecklenburger Unternehmen setzen auf Familienfreundlichkeit und flexible Arbeitszeitmodelle

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02. November 2015, 08:00 Uhr

Wenn Steffen Himstedt, Geschäftsführer der Firma Trebing & Himstedt im Schweriner Technologie- und Gewerbezentrum, neues Personal sucht, dann muss er über den Tellerrand schauen. Die Konkurrenz der Unternehmen in der Region sei groß, die Zahl der Bewerber klein. „In der IT-Branche müssen wir Mitarbeiter überregional akquirieren“, sagt Himstedt. Eine wichtige Zielgruppe: Junge Leute, die Mecklenburg-Vorpommern für den Job verlassen haben, aber gern ins Land zurückkehren möchten.

Fachkräfte gewinnen, Fachkräfte halten – um dieses Thema ging es jetzt bei einem Erfahrungsaustausch bei der Schweriner Industrie- und Handelskammer. Eingeladen hatte das „Innovationsbüro Fachkräfte für die Region“ aus Berlin. Am Tisch: Unternehmer, Akteure aus der Arbeitsverwaltung, Vertreter von Bildungsträgern, insgesamt rund 30 Leute. Viele Unternehmer hätten längst die Zeichen der Zeit erkannt, erklärte Peer-Oliver Villwock vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in einer Diskussionsrunde, die von Katarina von Bönninghausen-Budberg vom Innovationsbüro moderiert wurde. Betriebe könnten heute nicht mehr straff von oben nach unten geführt werden. Wer erfolgreich sein wolle, der müsse seine Mitarbeiter „mitnehmen“, so Villwock. Tatsächlich zeigten neueste Studien, dass Beschäftigte mehr noch als auf das Gehalt auf die konkrete Arbeitssituation und das Betriebsklima achteten.

Familienfreundliche Arbeitsabläufe spielten eine immer größere Rolle bei der Job-Wahl, berichtete Steffen Himstedt. Dabei biete die moderne Kommunikationstechnik jede Menge Flexibilität. Gearbeitet werde in der Firma und Zuhause. „Das klassische Arbeitszeitmodell löst sich auf“, so Himstedt – auch in vielen Betrieben im Westen Mecklenburgs. Leider habe es das Standortmarketing aber noch nicht in vollem Umfang geschafft, die Region mit ihren attraktiven Arbeitsplätzen auch überregional bekannt zu machen, bedauerte der Geschäftsführer. „Hier muss noch mehr getan werden.“

An Argumenten für die Region fehle es freilich nicht, betonte Peter Todt, Leiter des Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung bei der Schweriner Industrie- und Handelskammer. „Die wirtschaftliche Entwicklung in Westmecklenburg ist gut, die Arbeitslosenquote liegt unter acht Prozent.“ Fachkräfte würden nach Angaben von Todt nicht nur im Technologie-Bereich benötigt, sondern unter anderem auch in der Pflege, in der Gastronomie und in der Industrie. Der Bedarf lasse sich mit Arbeitnehmern aus der Region allein nicht sichern. „Deshalb ist es so wichtig, überregional um qualifiziertes Personal zu werben“, unterstrich der Geschäftsbereichsleiter.

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