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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Dezember 2017 | 17:33 Uhr

Schwerin : Rechts-Brücke für illegale Bewohner

vom

Hinter den Schildern "Betreten auf eigene Gefahr" und "Kein Winterdienst" beginnt das illegale Wohnen. Seit Jahren geduldet, müssen einige Bewohner des Touristenweges in Friedrichsthal jetzt um ihr Heim bangen.

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erstellt am 16.Jan.2012 | 07:15 Uhr

Friedrichsthal | Hinter den Schildern "Betreten auf eigene Gefahr" und "Kein Winterdienst" beginnt das illegale Wohnen. Mit einem malerischen Blick auf den Neumühler See genießen mehrere Schweriner ihren Lebensabend im Touristenweg. Doch die Bürokratie stört diese Ruhe.

Seit Jahren geduldet, müssen einige Bewohner des Touristenweges in Friedrichsthal jetzt um ihr Heim bangen. Ihre Wohngebäude stehen zumindest auf dem Papier in einem Wochenendhausgebiet. "Wer illegal angebaut hat, muss wieder verkleinern", sagt Dr. Wolfram Friedersdorff. Sonst drohe ein Zwangsgeld. Das Verwaltungsgericht Schwerin und das Oberverwaltungsgerichtes in Greifswald stützen die Aussage des Schweriner Baudezernenten. Doch die Stadt sucht nach einer anderen Lösung.

"Wir brauchen eine Satzung", sagt Friedersdorff. Dann dürften die illegalen Bewohner weiterhin den Touristenweg ihr Zuhause nennen. Denn eine Satzung würde den anhaltenden widerrechtlichen Ausbau der Wochenendhäuser stoppen, und ohne Baugenehmigung errichtete Erweiterungen dürften stehen bleiben. "Ohne eine Satzung müssten wir konsequent handeln", erläutert Friedersdorff. Alle Gebäude, die auf mehr als 60 Quadratmeter Grundfläche stehen, müssten zurückgebaut werden. "Wir wollen an dieser Stelle keine Splittersiedlung", so der Dezernent.

Die Stadtvertretung hatte einem Wohngebiet im Touristenweg schon vor Jahren eine Absage erteilt. Der Grund: Die klamme Landeshauptstadt müsste das Areal erschließen und tausende Euro investieren. Wo heute unbefestigte Wege die inselartige Bungalow-Siedlung durchziehen, müsste die Stadt für Rettungswagen und Feuerwehr befestigte Straßen bauen. Die einzelne Mülltonnengruppe an der Zufahrt würden nicht mehr gebraucht, wenn die SDS die Mülltonnen von jedem einzelnen Grundstück leert. Damit das Abwasser nicht mehr in Sickergruben fließt, müsste aufwändiges Abwassersystem installiert werden. "Das kostet alles Geld", sagt Friedersdorff. Und wer bislang dort dauerhaft wohnt, den hat das bislang auch nicht gestört.

"Daran hängen auch einzelne Schicksale", erzählt der Baudezernent. Zu DDR-Zeiten , lebten mehrere Menschen in einer Wohnung im Stadtgebiet und nutzten ein Wochenendhaus im Touristenweg. Weil Wohnungen knapp waren, überließen die Eltern ihren erwachsenen Kindern häufig ihre Bleibe im modernen Neubaublock und verlegten ihren Lebensmittelpunkt in den Touristenweg. Andere Ehepaare lebten nach der Scheidung getrennt - einer in der Stadtwohnung, der andere am Neumühler See.

"Die dortigen Dauerbewohner sind heute häufig älter als 70 Jahre", sagt der Dezernent. Die Stadt lege keinen Wert darauf, diese Menschen noch einmal umzusiedeln. Sie dürfen ihren Lebensabend im Touristenweg verbringen. "Allerdings wollen wir die erteilte Sondernutzung nicht auf die Erben übertragen", erklärt er. "Illegale Anbauten müssen spätestens im Todesfall weichen." Auch wenn es sich um Privatgrundstücke handle. Nur für ein Wohnhaus liege eine Baugenehmigung aus den 90er-Jahren vor. Das sei aber noch lange keine Grundlage für ein ganzes Wohngebiet.

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