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Schwerin: Neugestaltung soll im kommenden Jahr beginnen : Rechenspiele für den Berliner Platz

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Er ist zu groß und zugig, wird wild beparkt, er hat zu viele Hürden und die Oberflächen sind in einem desolaten Zustand. Dass der Berliner Platz saniert werden muss, darüber sind sich Verwaltung und Politik einig.

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erstellt am 13.Aug.2013 | 05:58 Uhr

Neu Zippendorf | Er ist zu groß und zugig, wird wild beparkt, er hat zu viele Hürden für Ältere und Anwohner mit Handicap und die Oberflächen sind in einem desolaten Zustand. Dass der Berliner Platz im Herzen der drei Dreescher Stadtteile saniert werden muss, darüber sind sich Verwaltung und Politik einig. Erst jüngst scheiterte ein Vorstoß in der Stadtvertretung, die Neugestaltung angesichts des Spardrucks zu verschieben. Bei vier Stimmenthaltungen hatten sich 23 Kommunalpolitiker für den Umbau ausgesprochen, nur sieben dagegen.

Das Ergebnis freut Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff. "Der Berliner Platz hat aufgrund seiner zentralen Lage große Bedeutung für die Image-Verbesserung des Dreesches." Noch fehle es an Grün, eine Marktfläche könnte den Stadtteil neu beleben und eine neue Gestaltung zum Aufenthalt und Entspannen einladen.

Doch was darf der neue Berliner Platz kosten? Für die Sanierung hatte die Verwaltung 1,35 Millionen Euro veranschlagt, davon rund 625 000 Euro Fördermittel. Weitere Anteile hätten die Anlieger übernehmen müssen, unter anderem die kommunale Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS), die allein etwa 400 000 Euro für die Umgestaltung bereitstellen sollte. "Zu viel für das Unternehmen", sagt Geschäftsführer Guido Müller. "Wir haben schon Kredite über einen dreistelligen Millionenbetrag laufen." Eine Summe, die auch aus Fehlentscheidungen der Stadt in der Vergangenheit resultiere.

Die Stadtvertreter reagierten und forderten eine Deckelung der Ausbaubeiträge für die WGS auf 100 000 Euro. Der entsprechende Beschluss hätte eigentlich einen Widerspruch der Oberbürgermeisterin nach sich ziehen müssen, da die ehrenamtlichen Politiker damit gegen geltendes Satzungsrecht verstoßen wollten. Die so genannte Ausbaubeitragssatzung regelt detailliert, welche Kosten in welcher Höhe auf die Anlieger übertragen werden dürfen. Doch der Verwaltungs-Widerspruch blieb aus.

"Wir haben neu gerechnet und kommen auf eine geringere Summe", erklärt der Baudezernent. Der Trick: Die ohnehin anstehende Neugestaltung der Fläche Astrid-Lindgren-Schule wird in die Baumaßnahme integriert - Mittel und Arbeiten effektiv zusammengeführt und die Größe der Anliegerbeiträge minimiert. "Noch liegen keine konkreten Zahlen vor", gibt Friedersdorff zu. "Aber wir können sparen."

Das Problem dabei ist allerdings, dass eigentlich doch nicht gespart wird, kritisieren die Fraktionsvorsitzenden Sebastian Ehlers (CDU), Daniel Meslien (SPD-Grüne) und Silvio Horn (Unabhängige Bürger). Denn die Stadtvertretung habe eine Reduzierung der Baukosten von zehn Prozent beschlossen. Und gleichzeitig die Verringerung der Belastung für die Wohnungsgesellschaft gefordert. Jetzt aber macht der Baudezernent deutlich, dass "sich zwar eine Minimierung der Beiträge für die WGS ergibt, nunmehr aber der Eigenanteil der Stadt an der Baumaßnahme steigt, und zwar von 175 000 auf 435 000 Euro". Das bemängeln die Fraktionschefs.

Der Baudezernent macht keinen Hehl daraus, dass beide Forderungen der Politik - zehnprozentige Verringerung der Gesamtkosten und drastische Deckelung der Kosten für die WGS - nicht funktionieren. Durch die Qualität des Baumaterials und die Größe der zu pflanzenden Bäume ließen sich die zehn Prozent Einsparung im Bauvolumen erreichen, sagt Frieders dorff. Auch die WGS könne entlastet werden. Aber das Geld muss ja dann anders beschafft werden - in diesem Fall von der Stadt. Alternativ müsste noch einmal ganz von vorn mit der Planung angefangen werden. Der Baubeginn würde sich erheblich verschieben.

Die Rechenspiele auf einen Blick: In der ursprünglichen Planung ohne Sparzwang sollten 460 000 Euro der Gesamtkosten von 1,35 Millionen Euro durch Anliegerbeiträge erzielt werden. 400 000 Euro entfielen davon auf die WGS. Die städtische Gegen-Finanzierung zu den Fördermitteln hätte 390 000 Euro betragen. Nach der Entlastungsforderung für die Wohnungsgesellschaft und nochmaligem Nachrechnen schrumpften die Anliegerbeiträge auf 200 000 Euro gesamt und 160 000 Euro für die WGS. Da aber die Gesamtkosten bleiben, würde der städtische Anteil auf 490 000 Euro steigen. Nach nochmaligem Nachrechnen läge der Eigenanteil der Stadt bei 435 000 Euro, wenn die Baukosten um zehn Prozent sinken und die Anlieger nur 200 000 Euro zu erbringen hätten. Dafür könnte aber im nächsten Jahr mit dem Neubau begonnen werden - behindertengerechter Zugang, Neuordnung der Wege, Begrünung inklusive.

Die städtischen Mehrausgaben für den Platz sollen durch Einsparungen an anderer Stelle im Fördergebiet Neu Zippendorf/Mueßer Holz erzielt werden, sagt Baudezernent Friedersdorff. Betroffen davon sei allerdings nicht die Erneuerung der Hamburger Allee. "Damit wollen wir 2014 beginnen, vielleicht sogar noch in diesem Jahr."

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