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Stadt Schwerin untersagt Entenfüttern : Rattenalarm im Vogelparadies

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Um die Vermehrung der Ratten am Burgseeufer und rund um den Bertha-Klingberg-Platz zu verhindern, werden von der Stadt Schwerin an den exponierten Stellen Fütterungsverbote erteilt.

Schwerin | Vogelfutter aus Menschenhand lieben nicht nur Möwen, Tauben und Enten, sondern auch Ratten. Am Burgseeufer und rund um den Bertha-Klingberg-Platz krabbeln die langschwänzigen Nager auf der Suche nach Nahrung in diesen Tagen vermehrt aus ihren Verstecken. Wer sie sieht, erschreckt oder ekelt sich zumeist. Einige besorgte Bürger alarmierten auch die Stadtverwaltung. Doch die Abteilung Hygiene des Gesundheitsamtes gibt erst mal Entwarnung: Ratten in Städten seien zwar für viele Menschen ein unschöner Anblick, aber leider völlig normal. Damit sich die vermehrungsfreudigen Schadnager aber nicht zu stark ausbreiten, bittet die Verwaltung jetzt die Schweriner, selbst einige wichtige Regeln zu beachten. Am schwersten wird viele Vogelfreunde wohl das Fütterungsverbot treffen. "Das Entenfüttern muss an exponierten Stellen jetzt unbedingt unterlassen werden", sagt Gerit Hübner, Ärztin im städtischen Gesundheitsamt und Leiterin der Abteilung Hygiene. Wobei mit "exponierter Stelle" zurzeit vor allem der Bereich Burgseeufer und Bertha-Klingberg-Platz gemeint ist. Auch an anderen Wasserplätzen, wo sich Ratten naturgemäß gerne aufhalten, sollte das Füttern aufhören.

"Wenn die Ratte sich durch ein umfangreiches Angebot an Speisen wohlfühlt, wird sie durch rasante Vermehrung schnell zur Plage", so Hübner. Und genau das soll verhindert werden. Denn die Rattenbeseitigung auf öffentlichen Plätzen, Parks und Uferbegrenzungen, für die laut Gesetz die Stadtverwaltung zuständig ist, wird eine äußerst giftige und langwierige Angelegenheit, bei der auch Hunde, Katzen und Kleinkinder in Gefahr geraten können. "Wenn Ratten im Freiland auftreten, sind sie nur dann zu bekämpfen, wenn die Gefahr besteht, dass durch sie Krankheitserreger auf Menschen übertragen werden", sagt Gerit Hübner. "Das passiert aber meistens nur bei engem ,Kuschelkontakt’ oder wenn man wirklich in der Umgebung von Rattenkot arbeitet, zum Beispiel beim Abreißen alter Schuppen, in denen die Tiere eine Zeit lang gelebt haben." Vor mehr als 100 Jahren verbreiteten Ratten noch Angst und Schrecken als Wirt des Pesterregers. Heute gelten sie als Überträger der meldepflichtigen Hantavirus-Erkrankung, so Hübner. Die Viren verursachen Lungenerkrankungen, akutes Nierenversagen oder schwere Fiebererkrankungen.

Weil sie diese Gefahren kennt, habe die Verwaltung die Rattenpopulation in Schwerin ständig im Blick. Für die Bekämpfung der Schadnager in Kellern, Wohnhäusern, auf Grundstücken, in Wohn- und Gewerberäumen oder auf Baustellen - kurzzeitig gab es beim Abriss der Marienhöfe eine "Rattenplage" in Schwerin - sind übrigens die Haus- und Grundstückseigentümer zuständig. "Zur Abwehr einer Gesundheitsgefährdung kann das Gesundheitsamt so eine Beseitigungs-Maßnahme in einem Privatbereich sogar anordnen", stellt Hübner klar. Auch die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen haben immer ein Auge auf die Langschwänze, leeren Müllkörbe im Bedarfsfall häufiger und beseitigen Müll und Speisereste regelmäßig von Gehwegen und Parks.

Drei weitere Hinweise gibt die Ärztin den Schwerinern mit auf den Weg, um Ratten nicht noch weiter in die Stadt zu locken: Speisereste gehören nicht in die Toilette - das bedeutet nämlich Leckereien für Ratten in der Kanalisation. Mülltonnen und gelbe Säcke sollten erst am Tag der Abholung bereitgestellt werden - die Abholer finden in Schwerin öfter einmal Nagerspuren an den Säcken. Und auf Komposthaufen gehören Grünabfälle, aber keine Lebensmittelreste.

Hintergrund

Wanderratten gehören zur Familie der Langschwanzmäuse und stammen aus Ostasien. Mit den Seefahrern gelangten sie auf alle anderen Kontinente und gehören heute zu den häufigsten Säugerarten der Welt. Die Allesfresser leben fern der heimatlichen Wälder am liebsten im menschlichen Siedlungsbereich. Eine ausgewachsene Wanderrattte hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 20 bis 30 Zentimeter, der Schwanz ist nochmal 13 bis 23 Zentimeter lang. Sie ist dämmerungs- und nachtaktiv, kann gut schwimmen, tauchen und klettern und lebt in hierarchisch organisierten Clans. Ratten bringen nach einer Tragzeit von drei Wochen vier bis acht Junge zur Welt, die nach vier Monaten geschlechtsreif sind. Natürliche Feinde sind u.a. Marder, Habichte und Eulen.

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erstellt am 02.Dez.2011 | 05:59 Uhr

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