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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. September 2017 | 10:29 Uhr

Schwerins Helfer : Rat der Pflegeexpertinnen gefragt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Reform beschert Mitarbeiterinnen des Stützpunktes im Stadthaus mehr Arbeit. Vortrag am 22. Februar stellt neue Regelungen vor

von
erstellt am 06.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Schlange standen die Ratsuchenden nicht, aber der Informationsbedarf war schon größer als sonst. Auch Karen Trojan und Bettina Wahl, die Mitarbeiterinnen im Pflegestützpunkt des Stadthauses, bekamen in den zurückliegenden Wochen die Auswirkungen des so genannten Zweiten Pflegestärkungsgesetzes zu spüren: mehr Anfragen, mehr Beratungsgespräche.

Seit dem 1. Januar orientiere sich die Pflegebedürftigkeit nicht mehr an einem in Minuten gemessenen Hilfebedarf, sondern ausschließlich daran, wie stark die Selbstständigkeit beziehungsweise die Fähigkeiten des Menschen bei der Bewältigung seines Alltags beeinträchtigt seien, erklärt Karen Trojan. „Die bisher bekannten drei Pflegestufen wurden durch fünf Pflegegrade ersetzt. Der jeweilige Pflegegrad wird auf der Basis eines neuen Begutachtungssystems ermittelt.“

„Der Systemwechsel in der Pflegeversicherung hat alles in allem ganz gut geklappt“, sagt Bettina Wahl. „Das ist jedenfalls unser Eindruck.“ Die Pflegekassen hätten die Pflegebedürftigen rechtzeitig angeschrieben und informiert. Wer vor dem 1. Januar bereits Leitungen aus der Pflegeversicherung bezogen habe, sei ohne neue Antragsstellung und ohne erneute Begutachtung in die Pflegegrade übergeleitet worden, so Wahl. Dabei hätten Pflegebedürftige mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen den nächsthöheren Pflegegrad erhalten. Pflegebedürftige mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz seien zwei Grade höher eingestuft worden, erläutert die Mitarbeiterin des Pflegestützpunktes.

Ende vergangenen Jahres hätten sich manche Pflegebedürftige noch Gedanken gemacht, ob sie ihren Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung nach altem oder neuen Recht stellen sollen, berichtet Karen Trojan. „Das war ein Thema, das an uns herangetragen wurde.“ Einen Monat nach Inkrafttreten der Reform lasse sich feststellen: Durch die neuen Pflegegrade werde niemand schlechter gestellt, so Trojan.

Im Gegenteil: Durch den neuen Pflegegrad 1 etwa könnten jetzt auch Personen mit einsetzender Pflegebedürftigkeit frühzeitig präventiv ausgerichtete Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen, erläutert Bettina Wahl. Dabei gehe es beispielsweise um Pflegehilfsmittel oder um Zuschüsse zu Umbaumaßnahmen, die das Wohnumfeld verbessern.

Barbara Diessner, Leiterin des Fachdienstes Soziales bei der Stadt, spricht von einer „Individualisierung der Hilfe“ durch die Pflegereform, verweist beim Thema „Barrierefreies Wohnen“ auf ein gemeinsames Projekt der Kommune und der Kreishandwerkerschaft. So stelle die Kreishandwerkerschaft im Bedarfsfall den Kontakt zu Handwerkern her, die sich auf Umbauten spezialisiert haben. In ihrer Pflegesozialplanung habe sich die Stadt Schwerin dem Grundsatz verpflichtet, dass Pflegebedürftige in Schwerin so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben sollten, betont Barbara Diessner.

Auch für die Träger von Pflegeheimen habe das neue Gesetz einschneidende Umstellungen mit sich gebracht, es seien durchaus noch einige Hürden zu nehmen, sagt Annemarie Zander von den Sozius Pflege- und Betreuungsdienste gGmbH, dem größten Träger in der Stadt. „Zwischen den Leistungsanbietern und Kostenträgern sind noch einige Fragen offen, deren Antworten sich in den nächsten Wochen ergeben werden.“

Über die Inhalte und Konsequenzen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes informiert ein Vortrag, der am 22. Februar von 10 bis 12 Uhr im Stadthaus, Am Packhof 2-6, in Raum E 070 stattfindet.
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