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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. September 2017 | 08:56 Uhr

Alte Sportstätten in Schwerin : Raser auf dem Ziegelsee

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mitten in der Stadt stattfindende Motorbootrennen lockten einst zehntausende Zuschauer

von
erstellt am 28.Jul.2017 | 11:50 Uhr

Fußball, Handball, Volleyball: In der Landeshauptstadt wird viel Sport getrieben und das oft sehr erfolgreich. Ob in der Palmberg-Arena, im Lambrechtsgrund oder im Sportpark Lankow – überall springen, hüpfen, laufen große und kleine Schweriner. Doch die Stadt hat auch zahlreiche Sportstätten, die in Vergessenheit geraten oder mittlerweile für andere Veranstaltungen genutzt werden.

Es ist kaum zu glauben: während heute intensiv über schnelle Speedboote und dröhnende Jetski auf den Schweriner Seen diskutiert wird, zogen in den 50er- und 60er Jahren Motorbootrennen auf dem Ziegelinnensee zehntausende Zuschauer an. Auf einem zwei Kilometer langen Viereck-Kurs wurden sogar DDR-Meisterschaften und internationale Rennen ausgefahren. Dabei waren Europa- und Deutsche Meister.

Fast auf den Tag genau vor 64 Jahren, am 19. Juli 1953 war um 13 Uhr Start für das erste Rennen. In zehn Rennen kämpften 40 Fahrer auch um Punkte für die DDR-Meisterschaft. Zehntausend Besucher waren zu diesem Sportereignis gekommen. Die unvermeidbare Parole für die Veranstaltung: „Für Einheit und Freiheit im gesamtdeutschen Sport“. Zur damaligen Zeit nicht ungewöhnlich, war doch die Deutsche Einheit auch für die SED-Granden noch nicht vom Tisch. Und Einheit herrschte auch auf dem Wasser. In der 175er-Klasse fuhren die DDR-Sportler Maschinen des Westberliner Motorenbauers Dieter König.

Schon ein Jahr später, 1954, fuhren dann auch westdeutsche Sportler auf dem Ziegelinnensee mit. Siegfried Götzinger war in der 250er-Klasse immerhin Europameister. Er lieferte sich mit dem späteren Europameister von 1957 und 58, Ray Kappner aus Grünau, spannende Rennen.

Die Rennen wurden offenbar immer beliebter. Am 24. Juli 1955 kamen sogar 20 000 Zuschauer.

Im Jahr 1956 fand dann vor 18 000 Besuchern das erste internationale Rennen in Schwerin statt. Dabei wurden Geschwindigkeiten von immerhin mehr als 80 Kilometern pro Stunde erreicht. Im selben Jahr wurde auch erstmals der Petermänken-Pokal vergeben. In den folgenden Jahren gab es unter anderem auch den Pokal des Rates der Stadt.

Doch das alles konnte das Ende der Rennstrecke auf dem Ziegelinnensee nicht verhindern. 1968 fanden dort die letzten Rennen statt. Es war immer schwieriger geworden, ein attraktives Fahrerfeld zusammenzustellen. Und – es fehlte an leistungsfähigem Maschinenmaterial.

Von der Rennstrecke ist heute nichts mehr vorhanden. Selbst die Stehtribünen unterhalb der Dr.-Hans-Wolf-Straße wurden mit der Sanierung der Uferpromenade entfernt.

Mehr über die Motorbootrennen auf dem Ziegelsee steht im eBook „Motorsportstadt Schwerin – zu Wasser und zu Land“ von Wolfgang Reuter. Verlegt wird es von der Edition digital Pekrul & Sohn.


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