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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. Oktober 2017 | 05:38 Uhr

Sagenwald : Räuber Röpke kehrt zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sagenstein im Crivitzer Stadtwald erinnert an den Unhold – Rundkurs für Touristen im Vorbereitung

von
erstellt am 23.Feb.2015 | 15:00 Uhr

In den Stahlbergen zwischen Crivitz, Pinnow und Sukow trieb einst der Räuber Röpke sein Unwesen. Nun ist er zurückgekehrt. Doch der Bösewicht kann keine Kaufleute auf den einst hier verlaufenden Handelsstraßen mehr überfallen: Sein Gesicht prangt nur auf einem Findling. Dieser neue Sagenstein steht an der kleinen Spinne – einer Wegegabelung im Crivitzer Stadtwald.

Der Kulturverein Sagenland MV hatte schon im vorigen Jahr für den Aufbau gesorgt, mit Hilfe der Crivitzer Agrargenossenschaft und der Revierförsterei Zapel. Heimatforscher und Buchautor Dr. Frank Löser aus Göhren war es nun, der zur Eröffnung eine kleine Wanderung und einen Ausflug in die Heimatgeschichte organisierte. Knapp 30 Interessierte folgten am Sonnabend dieser Einladung. Sie hörten wie sagenhaft und abwechslungsreich die Geschichte der Region ist. Luise Gehrke aus Crivitz trug auf Platt die Sage von Räuber Röpke vor: Mit Hilfe eines Stolperdrahtes und einer Glocke überwachte der Bösewicht den Hohlweg und raubte Leute aus, bevor er sie auch umbrachte. Sieben Totenschädel standen auf seinem Tisch. Doch ein Jäger kam zufällig auf seine Spur. Der Räuber wurde überwältigt und getötet. Aber sein Schatz liegt bis heute im Wald versteckt, bewacht von einem schwarzen Hund. Nachzulesen ist das auf der Tafel neben dem Sagenstein – auf Hochdeutsch.

Herbert Remmel aus Pinnow steuerte historische Fakten zur Sage bei. Es glaubt nicht, dass es diesen Räuber in persona gegeben hat. Aber Röpke steht für die Gesamtheit der Straßenräuber. Und die muss es an dieser Stelle tatsächlich gegeben haben. Denn schließlich kreuzten sich hier alte Handelswege. Und auch der Flurname Stahlberg liefert einen deutlichen Hinweis. Denn der geht wahrscheinlich auf einen alten Gerichtsstandort zurück, an dem die Verbrecher gleich vor Ort abgeurteilt worden waren. Da gab es immer nur einen Stuhl, den Richterstuhl. Daraus wurde wohl Stuhlberg und später Stahlberg.

Revierförster Andreas Gossel konnte noch eine weitere Anekdoten zu diesem Ort beisteuern: Denn einer Überlieferung nach verdanken die Crivitzer ihren Stadtwald dem Schweriner Herzog, weil die ihm gegen heranrückende schwedische Truppe zur Hilfe eilten.

Solche Überlieferungen gibt es viele in der Region. Der Kulturverein Sagenland erforscht sie seit neun Jahren, hat inzwischen etwa 60 Sagensteine rund um den Schweriner See aufgestellt. Eine laufendes Großprojekt ist derzeit das Anlegen des Räuber-Röpke-Pfades. Das soll ein etwa 22 Kilometer langer Rundkurs werden. Plate, Raben Steinfeld, Sukow, Pinnow und Crivitz werden tangiert. Sagensteien, Rastplätze, Grüne Klassenzimmer laden zum Verweilen und Lernen ein, berichtet Vorstandsmitglied Ilona Huhnstock. Das Projekt ist fertig. Jetzt geht es auf die Suche nach Fördergeldern. Der übergebene Sagenstein ist eine Station an diesem Pfad.

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