Schwerin : Protestfahrt gegen Preisverfall

Etwa 100 Bauern versammelten sich im Alten Garten, um für bessere Bedingungen zu streiken.
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Etwa 100 Bauern versammelten sich im Alten Garten, um für bessere Bedingungen zu streiken.

Milchbauern starten bundesweite Streikaktion - Schwerin ist nur eine der vier Stationen

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24. August 2015, 21:00 Uhr

„Man muss halt kämpfen, damit es besser wird“, meint Hennrike Schneekloth. „Wenn man wenigstens ein bisschen Plus machen würde. Aber so lohnt es sich nicht.“ Die 17-Jährige ist wie viele Landwirte gestern mit dem Trecker nach Schwerin gereist, um gegen den ihrer Meinung nach existenzgefährdenden Preisverfall bei der Milch zu streiken. Hennrike will unbedingt Landwirtin werden, doch die Situation mache ihr Sorgen. Mehr als vier Stunden zogen ihr Vater und sie auf dem Trecker von Barsbeck bei Kiel bis nach Schwerin.

Mit einer Staffelfahrt in vier Routen durch ganz Deutschland wollen die deutschen Milchbauern bundesweit über die katastrophale Situation der Milchviehhalter informieren. Ziel ist eine große Protestkundgebung am 1. September in München. Zum Auftakt der Proteste brachen gestern zuerst im schleswig-holsteinischen Hohenwestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) Bauern mit ihren Traktoren auf, wie auch Hennrike. Etwa 100 Landwirte mit 30 Treckern versammelten sich am späten Nachmittag zu einer Kundgebung vor dem Staatlichen Museum in Schwerin.

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) erklärte, er wolle die Lieferverträge der Molkereien mit den Bauern kartellrechtlich prüfen lassen. „Wir haben ein Preisdiktat des Lebensmitteleinzelhandels und der Molkereien in Europa“, kritisierte Backhaus. Dies müsse ein Ende haben. Selbst genossenschaftliche Milchverarbeiter zahlten keine auskömmlichen Erzeugerpreise.

Die Milch-Landwirte spüren seit Monaten eine weltweite Überproduktion, die zu einem drastischen Verfall der Erzeugerpreise geführt hat. Laut dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) fehlen den Milchbauern im Moment mindestens 10 Cent pro Kilo, was 3 Milliarden Euro Verluste für die Milchviehbetriebe und den ländlichen Raum bedeute.

Um den Preisverfall zu begrenzen, ist nach Ansicht des BDM eine Deckelung der Milchproduktion nötig. Im Zuge der EU-Agrarreform wurde die Milchquote zum 1. April abgeschafft. Seitdem drückt ein Überangebot den Preis. Dazu kommt Russlands Einfuhrverbot. Seit der Abschaffung der Quote ist der Preis auf etwa 26 Cent pro Liter gesunken. Im vergangenen Jahr hatte er noch bei über 40 Cent gelegen. Dieser Preis ist nach Angaben des BDM auch nötig, um kostendeckend zu wirtschaften. Die deutschen Milchviehhalter verlören jährlich mehr als vier Milliarden Euro.

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