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20. November 2017 | 16:40 Uhr

Protest mit Worten von Liu Xiaobo

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erstellt am 08.Mär.2012 | 06:56 Uhr

Neu Meteln/Lübstorf | "Worte, die eine Zelle nicht halten kann" - das ist der Titel eines Gedichtes von Liu Xiaobo, das am 20. März weltweit vorgetragen werden soll - auch bei der Lesung in der Regionalen Schule Lübstorf. Der Titel des Gedichtes verrät dabei gleich, worum es geht: Schriftsteller, Bürgerrechtler und Politiker machen sich erneut für die Freilassung von Liu Xiaobo stark. Schließlich sitzt der chinesische Literaturwissenschaftler und Friedensnobelpreisträger seit 2010 in seinem Heimatland immer noch im Gefängnis. Liu Xiaobo wurde wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt. Sein Vergehen: Nach Vorbild der tschechoslowakischen Charta ’77 hatten Liu Xiaobo und Mitstreiter mit ihrem Manifest ’08 einen besonnenen und friedlichen Wandel in China hin zu Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschenrechte eingefordert.

Die aus (Ost-)Berlin stammende und in Neu Meteln lebende Schriftstellerin Helga Schubert weiß, dass das Ziele sind, für die es sich einzusetzen lohnt. "Eine Diktatur erkennt man immer an den Strukturen", betont die 72-Jährige. Die aufzubrechen, das ist meist sehr schwer." Die Schriftstellerin hat das in der DDR selbst erlebt. Und auch die Geschichte der Nazizeit hat sie erforscht, einige Verbrechen wie den Mord an geistig Behinderten auf dem Schweriner Sachsenberg, dargestellt. "Die Diktatur ist die Täterin", fasst Helga Schubert zusammen. Das spiegelt sich in vielen ihrer Bücher wider.

Helga Schubert schaut aber auch über die deutschen Grenzen und engagiert sich deshalb für Liu Xiaobo. Bereits im vorigen Jahr trug sie in der Schweriner Paulskirche ein Gedicht Lius vor und half bei der Vorbereitung der zeitgleich laufenden Lesung in der Alt Metelner Dorfkirche. "Es war gar nicht so leicht, Partner für diese Aktion zu finden", blickt Helga Schubert zurück. Damals gab es eine Reihe von Absagen - auch von Schulen. "Als Begründung hieß es, so ein Engagement für Liu Xiaobo könnte Schüleraustauschprogramme mit China gefährden." Letztlich öffnete zwei Kirchgemeinde ihre Türen, zwei Lesungen in Mecklenburg-Vorpommern fanden statt.

In diesem Jahr werden es drei werden. Beim Internationalen Literaturfestival in Berlin, wo die Fäden für die deutschen Aktivitäten der weltweiten Aktion zusammenlaufen, sind zwei Termine in Rostock gemeldet. Hinzu kommt die Veranstaltung in der Regionalen Schule Lübstorf. Helga Schubert und Pastor Thorsten Markert werden am 20. März um 12.15 Uhr Werke von Liu Xiaobo vortragen und sich mit den Schülern austauschen. Dass sowohl die Schule als auch die Kirchgemeinde vor der "eigenen Haustür" mitmachen, freut Helga Schubert. Sie hofft aber auch , dass dieses Beispiel Schule macht. "Bei uns in Deutschland ist es gar nicht so schwer, ein Zeichen gegen Diktaturen und für Menschlichkeit zu setzten", betont die Neu Metelnerin.

Übrigens ist der Veranstaltungstag 20. März nicht zufällig gewählt - das ist der "Tag der politischen Lüge". Damit wird an den Beginn des zweiten Irak-Krieges am 20. März 2003 erinnert. Damals marschierten US-Truppen gen Bagdad, um das Regime von Saddam Hussein zu stürzen und Massenvernichtungswaffen zu zerstören. Letztere wurden aber nie gefunden… 2006, zum dritten Jahrestag, rief die Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik aus Berlin den Jahrestag der politischen Lüge aus, um das Bewusstsein für Inhalte und Formen politischer Kommunikation zu schärfen. Damals fanden weltweit Lesungen statt, bei denen das Essay "Was ich hörte vom Irak" des New Yorker Schriftstellers Eliot Weinberger vorgetragen und inszeniert wurden. 2011 und 2012 stand bzw. steht bei mehr als 100 Veranstaltungen auf allen Kontinenten Liu Xiaobo im Mittelpunkt.

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