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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Dezember 2017 | 14:07 Uhr

Schwerin : Protest gegen PS-Monster auf Seen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zu laut, zu schnell: Naturschützer und Wassersportler kritisieren Jetski und Speed-Boote mit bis zu 340 PS auf Schweriner Gewässern

von
erstellt am 30.Apr.2014 | 07:45 Uhr

Ohrenbetäubend, wellenschlagend und viel zu schnell – so ist das fixe Bild, das Jetski und Speed-Boote auf dem Schweriner See hinterlassen. Mit einer Leistung von bis zu 340 PS ausgestattet, erreichen einzelne Fahrzeuge theoretisch ein Tempo von bis zu 130 Kilometer pro Stunde. Sowohl Umweltschützer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) und Wassersportler der Initiative Schweriner Seen und Umland (ISSU) beobachten Jetski und Speed-Boote auf den Schweriner Seen mit Sorge. Unterdessen arbeiten sich die Wasserschutzpolizisten auf einem neuen Streifenboot für Tempomessungen ein, dass voraussichtlich im Mai zum Einsatz kommen soll.

„Wenn einem wegen der Wellen die Kaffeetasse vom Tisch auf dem Boot fliegt, ist das nicht mehr lustig“, sagt ISSU-Sprecher Andreas Zähle. „Wir fordern eine generelle Einstellung der Wasserski-Strecke auf dem Ziegelaußensee“, erklärt Volker Thomas vom BUND. Ein aktueller Antrag weist allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Jetzt soll die zweite ausgewiesene Wasserski-Strecke der Region auf dem Schweriner Außensee vor Retgendorf mit einer Länge von etwa 2,5 Kilometer auch für Jetski freigegeben werden. „Wir begrüßen den Vorschlag, denn damit hätten die Jetski-Fahrer ein Areal, wo sie sich austoben können“, sagt Andreas Zähle.

Der BUND ist kritisch. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt für einen solchen Vorschlag, meint Arndt Müller. Dieser störe die aktuelle Debatte über den Umgang mit dem EU-Vogelschutzgebiet „Schweriner Seen“.

Derzeit läuft die praktische Umsetzung des Managementplanes, der im Idealfall ein Nebeneinander von Naturschutz und Nutzung regeln soll. Das Staatliche Amt für Umwelt und Naturschutz (Stalu) erarbeitet das Papier, über das die Anrainer derzeit diskutieren.

Einig sind sich Wassersportler und Naturschützer darin, dass sich Speed-Boote und Jetski an die Vorschriften für Tempo und Lärm halten müssen. „Etwa 90 Prozent von ihnen verstoßen dagegen“, sagt Volker Thomas. „Auf dem Schweriner See liegt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit bei maximal 25 Kilometern pro Stunde.“ Die Wasserschutzpolizei hat im vergangenen Jahr zwischen Mai und August etwa 350 Verstöße registriert, von denen mehr als 100 auf das Konto von Speed-Boot-Fahrern gehen würden, wie der BUND mitteilt.

„Wassersportler sind generell keine Rambos“, sagt Jürgen Friedrich, Naturschutzbeauftragter des Kreises Ludwigslust-Parchim. Oft helfe es, den Wassersportlern zu erklären, was ihr Verhalten bewirke.

Hoher Wellenschlag würde zum Beispiel zu Schilfbruch führen und an den Ufern nagen. Lautstärke in Ufernähe störe Vögel beim Brüten, bei der Mauser oder Zugvögel während ihrer Rast. So würde der Seeadler zum Beispiel schon bei einer Distanz von 250 Metern flüchten. Natürlich gebe es am Schweriner See viele Vögel, aber es kann zu einer Artenverschiebung kommen. „Allerweltsarten“ wie Stockente und Blesshuhn würden sich fast überall wohl fühlen.

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