zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

21. August 2017 | 16:10 Uhr

Verkehr in Schwerin : Profis im Baustellen-Verkehr

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Crivitzer Chaussee ist einspurig, aber von Stau keine Spur: Autofahrer haben sich an Barken, Einfädeln und Tempo 30 offenbar gewöhnt

Autofahrer in Schwerin können sich an großbaustellenfreie Zeiten kaum mehr erinnern. Zoo-Kreuzung und Grünes Tal beispielsweise sind seit Sommer 2015 aufgerissen, jetzt kommt die halbseitige Sperrung der Crivitzer Chaussee zwischen Zoo und Bosselmannstraße hinzu. Einspurig mit Tempo 30 schleichen die Autos statt mit 60 km/h auf zwei Fahrbahnen pro Richtung. Neues Nadelöhr? SVZ machte den Test.

Der frühe Fahrer hat Pech, wenn er nach Schwerin rein will: Um 7.23 Uhr staut sich der Verkehr bereits an der Zippendorfer Kreuzung. Bremslichter soweit das Auge reicht. Das könnte eng werden mit dem pünktlichen Schulbeginn. Im Radio haben die Verkehrsnachrichten vorhin einen 16-Kilometer-Stau bei Hamburg angesagt. So schlimm wird es hier wohl nicht werden. Weit gereiste Autofahrer können ohnehin nur spitzfindig schmunzeln, wenn der Schweriner das Wort „Stau“ in den Mund nimmt. Wohl lange nicht mehr in Berlin oder Paris gewesen, was? In Schwerin gibts gar keine Staus, sagen sie.

Stau ist nicht objektiv messbar, sondern eine Frage des persönlichen Empfindens, kontern die anderen. Wer fließenden Verkehr gewohnt ist, der ärgert sich schon, wenn er drei Ampelphasen warten muss. Auf der Crivitzer Chaussee morgens um kurz vor halb acht ärgert sich kaum jemand. Niemand hupt oder schlägt mit den Händen aufs Lenkrad, sogar das Einfädeln auf eine Spur klappt höflich wie im Fahrschul-Vorführ-Film. Viel schneller als gedacht sind wir an der Zoo-Ampel, die seit Ewigkeiten Grün zeigt. Schon sind wir drüber. Ein Blick auf die Uhr: 7.29 Uhr. Sechs Minuten für eine Strecke, die sonst anderthalb Minuten dauert. Absolut akzeptabel.

Dass wir fast nicht mehr pünktlich zur Schule kommen, ist wenig später dem immer wieder haltenden Müllfahrzeug vor uns geschuldet, das sich einfach nicht überholen lässt. Und auf dem Weg in die Weststadt stehen wir eine halbe Stunde später genau sieben Minuten vor der Ampelkreuzung Oboring/Wittenburger Straße. Ganz ohne Baustelle. Jetzt ärgern wir uns ein bisschen: Warum ist die Grünphase hier eigentlich so kurz?

An der Crivitzer indes müssen wir im weiteren Verlauf des Tages quasi überhaupt nicht mehr warten. Alle zwei Stunden machen wir den Test in beiden Richtungen. Am Feierabend stockt es leicht, zum Mittag und Abend hin sind wir fast allein unterwegs. Das größte Risiko jetzt: Nicht schneller als 30 fahren, man weiß ja nie, ob die Stadt nicht ihren Blitzer aufgebaut hat. In der Baustelle Grünes Tal hat unser Geldbeutel teure Erfahrungen gesammelt.

Zwei- oder dreimal wird es brenzlig: Plötzlich stehen Linksabbieger auf der Kreuzung, die wohl bei Dunkelgelb gefahren sind und nicht mehr rechtzeitig die Kurve gekriegt haben. Aber der Verkehr ist langsam genug, um diese Hindernisse souverän zu umfahren. Ein andermal taucht ein Notarztwagen im einspurigen Gegenverkehr auf. Der vor ihm fahrende Mann ist vom Blaulicht irritiert – er bremst. Überholen kann der Notarzt aber nicht. Er will nur schnell zum Ende der Baustelle. In so einem Fall also: einfach weiterfahren. Feuerwehr und Notarzt versuchen, Baustellenbereiche ohnehin zu umfahren. Nur außerhalb der Stoßzeiten wählen sie diesen Weg.

Die Polizei hat in der neuen Baustelle noch keine Unfälle aufgenommen. Unser Fazit: Die Schweriner Autofahrer haben sich zu echten Baustellen-Profis entwickelt. Genug Zeit zum Üben hatten sie ja auch.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Mai.2016 | 23:29 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen