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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. November 2017 | 03:13 Uhr

Banzkow : Problem-Krabbler ist auch bei uns aktiv

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Borkenkäfer fühlen sich in Fichten wohl – Förster haben Schädling im Blick

Bis zur großen Fichte an der Lichtung sind es noch einige Meter, doch Forstamtsleiter Christian Lange hat das Problem längst erkannt: „Da ist der Borkenkäfer zu Hause“, sagt er und verweist auf die braunen, vertrockneten Äste und den weiß gestreiften Stamm. Es ist Harz, das die Rinde hinunterfließt. Den Kampf gegen den Schädling hat diese Fichte längst verloren.

Revierförster Gerd Weiberg holt ein Messer aus der Tasche, entfernt die Rinde und hat gleich eine Vielzahl von Borkenkäfer-Larven freigelegt. „Ist das nun ein Kupferstecher oder haben wir hier den Buchdrucker“, überlegt er laut. Noch ein prüfender Blick auf den Stamm und dann ist klar: „Es ist ein Kupferstecher, das Fraß-Muster geht sternförmig auseinander“, erklärt der Förster. Bei seinem Kollegen, dem Buchdrucker, gibt es eine gerade vertikale Linie und eine sogenannte Rammelkammer, in die das Weibchen die Eier ablegt. Vom Hauptstrang gehen rechts und links weite Kanäle ab, wie Zeilen in einem Buch.

Zwar gehört der Borkenkäfer zum Wald, ist quasi ein Stück Natur, wie die Förster betonen. Doch gern gesehen ist er bei ihnen nicht. „Wir haben hier zum Glück keine bayrischen Verhältnisse, weil die Fichte nur einen kleinen Teil in unseren Wäldern ausmacht“, sagt Forstamtsleiter Lange. Mit etwas Sorge blickt er jedoch auf die kommenden Jahre. Immer öfter passiert es, dass kleinere Gewitter oder Stürme für Bruch in den Wäldern sorgen. Wenn dann auch Fichten abknicken, ist das Buffet für den kleinen braunen Schad-Krabbler eröffnet. Denn schwache Bäume sind für ihn im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen. Und wenn erst eine Generation vertreten ist, komme schnell die nächste. „Ein Weibchen legt durchschnittlich 60 Eier. In der Praxis überleben aber nie alle Nachkommen. Bei günstigen Bedingungen sind es bis zu 30 Tiere“, sagt Gerd Weiberg. Da sei es nur ein schwacher Trost, dass der Schädling lediglich einmal überwintert. Nach dem Schlüpfen aus der Puppe lebt ein erwachsener Käfer maximal ein Jahr. „In einem Jahr gibt es allerdings zwei bis drei Generationen“, schiebt Weiberg hinterher.

Ein Schutz vor Borkenkäfer-Befall sei vielschichtig. „Wichtig ist, dass kein Bruch im Wald bleibt, wo sich der Käfer laben und vermehren kann. Ist er dann doch da, gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Käfer zu bekämpfen“, sagt Weiberg. Eine Methode ist beispielsweise das Aufstellen von Pheromonfallen. Kleine Säckchen mit dem Sexuallockstoff werden in einem Plastikkasten mit zahlreichen Schlitzen angebracht und dieser wird in einer bestimmten Entfernung von den Fichten aufgestellt. „Die Tiere werden angelockt und fallen unten in einen Behälter“, so der Revierförster. Er kann ein entsprechendes Exemplar zeigen. Allerdings ist der Kasten unbewohnt. „Es ist kein Lockstoff drin“, sagt Christian Lange. Noch gäbe es kein akutes Problem mit dem Wald-Schädling. Auch im Forstamt Gädebehn geben die Förster Entwarnung. Im Auge haben sie den fünf Millimeter großen Käfer aber dennoch alle.

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