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22. November 2017 | 17:58 Uhr

Stadtwerke Schwerin : Preiskampf um Heizkraftwerke

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Sie sollten innovativ sein. Sie sollten die Strom- und Wärmeversorgung der Landeshauptstadt sichern. Aber sie sind zu einem mächtigen Klotz am Bein der Stadtwerke geworden – die Heizkraftwerke in Lankow und Süd.

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erstellt am 04.Apr.2012 | 10:23 Uhr

Schwerin | Sie sollten innovativ sein. Sie sollten die Strom- und Wärmeversorgung der Landeshauptstadt sichern. Aber sie sind zu einem mächtigen Klotz am Bein der Stadtwerke geworden – die Heizkraftwerke in Lankow und Süd. Jedes Jahr fahren sie einen Verlust von fünf Millionen Euro ein und das Unternehmen muss einen langfristigen Rechtsstreit führen.

Es ist Anfang der 1990er-Jahre gewesen. Der damalige Stadtwerkechef Helmut Eicker wollte den großen Stromkonzernen Paroli bieten und die Stromversorgung für Schwerin selbst in die Hand nehmen. Unterstützung kam von Oberbürgermeister Johannes Kwaschik und vom Umweltdezernenten Edmund Haferbeck. Der kam von Bündnis 90/Die Grünen und wollte eine umweltfreundliche Technologie. Es mussten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sein, die Strom und Wärme produzieren. Das vermeintlich Modernste am Markt bot damals das Hamburger Unternehmen Blohm & Voss an: einen Antrieb mit Gasturbinen.

Besonders schwierig war die Finanzierung der Kraftwerke. Die Stadt hatte das Geld nicht, ebenso wenig wie die Stadtwerke. Es sprang eine Firma ein, die Kommunen spezielle Vorhaben finanziert. Doch der Vertrag war offenbar von Stadtseite nicht besonders professionell gestaltet. „Das ist einfach schlecht gemacht worden“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Josef Wolf heute. Die Finanzierung war völlig überteuert, der Vertrag nicht eindeutig. Zwischenzeitlich wurde das Finanzpaket an einen Fonds mit rund 3000 Anteilseignern verkauft.

Den Effizienzproblemen rückten die Stadtwerke inzwischen zu Leibe: Quer durch die Stadt wurde eine Verbindungsleitung zwischen den beiden Kraftwerken gebaut – für 30 Millionen DM. In Süd wurde ein 15 000-Kubikmeter-Warmwasserspeicher errichtet. Es gibt weitere Vorhaben, um die Kraftwerke effektiver zu machen. Allerdings ist die Ertragslage der Heizkraftwerke seit ihrem Bau weiter deutlich zurück gegangen. Durch die Gebäudesanierungen und den Einwohnerrückgang ist der Fernwärmeabsatz erheblich gesunken. Was auch wieder Auswirkungen auf die Stromerzeugung hat.

Schwierig ist die Finanzierung. Laut Vertrag haben die Stadtwerke eine Kaufoption. Die hat das Unternehmen bereits im Jahr 2008 geltend gemacht. Seit dem läuft ein Streit um die Kaufsumme. Es geht um Millionenbeträge, deshalb ist das Verfahren vor dem Schweriner Landgericht anhängig. Während die Stadtwerke Schwerin 12,9 Millionen Euro bezahlen wollen, verlangt der Fonds 63 Millionen. Der Grund für die große Differenz sind unterschiedliche Berechnungsmethoden.

Den Kauf der Kraftwerke wollen die Stadtwerke mit einem Kredit finanzieren. „Das wäre günstiger, als die derzeitige Situation“, sagt Josef Wolf. „Wir würden zwar immer noch nicht in Geld schwimmen, aber wir würden die Unterdeckung von fünf Millionen Euro pro Jahr nicht mehr tragen müssen.“

Wenn eine gerichtliche Einigung Zustande käme, könnten die ansonsten wirtschaftlich arbeitenden Stadtwerke insgesamt auf gesunde Füße gestellt werden. „Und in einigen Jahren können wir dann neben unseren gemeinnützigen Aktivitäten für die Landeshauptstadt auch einen wichtigen Beitrag für den Stadthaushalt leisten“, so Wolf. Bisher war das in den 20 Jahren des Bestehens der Stadtwerke noch gar nicht möglich.

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