Schwerin : Power for Kids: Politik will Vertrag

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Jugendhilfeausschuss stimmt für Zielvereinbarung mit dem Verein, um inhaltlich und strukturell Einfluss nehmen zu können

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08. März 2016, 21:45 Uhr

Kann die Akte „Power for Kids“ geschlossen werden? Die Untersuchungsergebnisse liegen auf dem Tisch, die Fehler sind aufgedeckt, die Verantwortlichen benannt. Doch wie soll es weitergehen mit dem Verein? Oder genauer gesagt: Was können die Kinder und Jugendlichen erwarten, die dort ein zweites Zuhause gefunden hatten? Wird der offene Treff nach den Kindesmissbrauchsfällen seines langjährigen Chefs überhaupt noch eine Zukunft haben? Darüber stritten sich gestern Abend die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses.

Im Februar hatten sie beschlossen, eine Zielvereinbarung mit dem Trägerverein anzustreben, um insbesondere eine pädagogische Einflussnahme und strukturelle Veränderungen auf den Weg zu bringen, damit sich solch schreckliche Missbrauchsfälle dort niemals wiederholen können. Vor einigen Tagen hatte sich bereits ein Beirat gebildet, der den Prozess überwachen wollte – allerdings hinter dem Rücken des Jugendhilfeausschusses.

Das wollte sich dieser nicht gefallen lassen. Auch am ersten Entwurf einer Zielvereinbarung, die Jugenddezernent Andreas Ruhl vorgelegt hatte, gab es etliche Änderungswünsche.

Und so entbrannte erneut eine Grundsatzdebatte. Mehrere Ausschussmitglieder wie etwa Susanne Herweg (CDU) oder Thomas Tweer (Diakoniewerk) sprachen sich dagegen aus, dass ein privater Verein mit Mitteln der öffentlichen Hand unterstützt wird, indem seine Mitglieder geschult werden. „Den Kindern muss geholfen werden“, sagte Petra Federau (AfD), aber das könnten auch andere Träger übernehmen.

Ausschussvorsitzender Peter Brill (Linke) hielt dagegen, dass es gar keine rechtlichen Möglichkeiten gäbe, den offenen Treff zu schließen und er seine Existenzberechtigung alleine dadurch beweise, dass zahlreiche Kinder und Jugendliche ihn unbedingt haben wollten. Viele bezeichneten den „Power“ auch heute noch als ein zweites Zuhause.

Dezernent Ruhl berichtete, dass er einen renommierten Fachmann als Supervisor für die Neuausrichtung der Arbeit des Vereins gewinnen konnte. Und er betonte, dass realistisch gesehen die Zielvereinbarung die einzige Chance sei, Einfluss auf den Verein und die Arbeit im Treff zu nehmen.

Dieser Argumentation folgte die Mehrheit der Ausschussmitglieder. „Mich stört die Struktur des Vereins, aber nur die Zielvereinbarung gibt uns die Möglichkeit der Einflussnahme“, sagte Lothar Gajek (Grüne). Ähnlich sieht es Sozialarbeiter Matthias Glüer: „Es kann nicht unser Ziel sein, einen Verein zu zerschlagen“, sagte er und fügte erklärend hinzu: „Da ist es besser, Möglichkeiten der Einflussnahme zu schaffen. Und das geht nur durch diese Vereinbarung.“

Also musste abgestimmt werden. Mit neun zu fünf Stimmen fiel das Votum des Jugendhilfeausschusses dann doch eindeutig für den Vertrag aus. Ruhl wurde beauftragt, die Änderungsvorschläge wie etwa Kostenbegrenzung für die Stadt und Verbindlichkeiten in die Vereinbarung einzuarbeiten. Zudem legte der Ausschuss fest, wer in dem Kontrollbeirat mitarbeiten soll.

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